Eigenständigkeit auch in Zukunft untermauert

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Die beiden Volksbankvorstände Stephan Böhse und Stephan Baldschun arbeiten derzeit wie die anderen Mitarbeiter inmitten einer Baustelle, denn die Hauptstelle wird umgebaut, erweitert und modernisiert. Bei der Vertreterversammlung wollen sie auch darüber und über 2011 berichten. ▪

KIERSPE ▪ Ein Kreditwachstum von zu diesem Zeitpunkt schon mehr als zwei Prozent registrieren die beiden Vorstände der Volksbank Kierspe, Stephan Böhse und Stephan Baldschun, und verweisen in dem Zusammenhang neben Privatkrediten gerade auch auf hochinteressante Anfragen aus dem gewerblichen Bereich.

Es zeichne sich ab, dass ebenfalls in diesem Geschäftsjahr wieder ein Niveau von 3 bis 3,5 Prozent erreicht werde. „Wir spüren bislang nichts vom Konjunktureinbruch“, erklärt Baldschun dazu, weiß aber, dass die gesamtwirtschaftlichen Prognosen nicht ganz so gut sind.

Am kommenden Donnerstag, 30. August, tagt um 19 Uhr die Vertreterversammlung der Volksbank, befasst sich dann mit dem Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 2011 und beschließt über Jahresabschluss, Aufsichtsrats- und Prüfungsbericht sowie die Verwendung des Jahresüberschusses. Außerdem müssen beide Gremien entlastet werden und es stehen Wahlen zum Aufsichtsrat an.

Der Ausblick der beiden Vorstände gestaltet sich vorsichtig optimistisch: „Es sieht so aus, dass das Bruttoinlandsprodukt vom noch positiven Jahr 2012 danach ins Negative umschlagen könnte, was in erster Linie auf die EU-Staatsschuldenkrise zurückzuführen ist“, führt Böhse aus. So sinke die Konsumfreudigkeit besonders in den südeuropäischen Staaten, was natürlich für ein Exportland wie Deutschland schlecht sei. Unklar sei die weitere Entwicklung des Euros und, wie sich die Politik in der Krise verhalte. Bei den Privatkrediten handele es sich nicht um Neubauten, sondern überwiegend um Umbauten und Modernisierungen.

Nach diesen Ausführungen zur aktuellen Lage und dem kurzen Ausblick nehmen die Vorstände im MZ-Gespräch zum Geschäftsjahr 2011 Stellung: Die Verbundbilanz, also die bilanzwirksamen Einlagen und Kredite zuzüglich des Vermittlungsgeschäftes, konnten auch im vergangenen Jahr deutlich gesteigert werden von 218,8 auf 225,7 Millionen Euro, 2007 waren es noch 211,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital lag bei 11,5 Millionen Euro gegenüber 10,9 Millionen Euro im Vorjahr, also auch hier eine Steigerung. Davon waren wie 2010 1,7 Millionen Euro Geschäftsguthaben und 9,8 Millionen Euro Rücklagen. Im Vorjahr waren es noch rund 600 000 Euro weniger. „Die Kundeneinlagen werden immer wertvoller, dies auch im Hinblick auf Basel 3“, bemerkt Böhse. Er geht an dieser Stelle auf die Wettbewerbsverzerrung ein, die dadurch entsteht, dass angeschlagene Großbanken staatlich gestützt werden und sich trotzdem danach noch mit immer neuen Dumpingzinsen unterböten, nur um Kunden an sich zu binden, sowie zudem mit teuerem Sponsoring aufwarteten. Hier erhoffen sich die beiden Volksbankvorstände eine deutlichere Kritik seitens des Verbandes.

Die Bilanzsumme stieg von 112,7 auf 116,6 Millionen Euro, was ein Plus von 3,9 Millionen Euro oder 3,5 Prozent ist. Der Zinsüberschuss betrug 3,19 Millionen Euro, was rund 100 000 Euro mehr als 2010 waren, und auch das Provisionsergebnis kletterte um 40 000 Euro auf 0,85 Millionen Euro. Die Verwaltungskosten der Volksbank lagen 2011 bei 2,8 Millionen Euro und sind damit um 30 000 Euro gewachsen.

Vorschlag: Dividende von 6,5 Prozent

„Unsere Mitarbeiterzahl wächst langsam weiter. Wir liegen derzeit bei 38 Mitarbeitern, was zwei mehr sind“, sagt Böhse, der zudem ausdrücklich erwähnt, dass die Volksbank Kierspe sich ebenfalls im Bereich Ausbildung sehr stark engagiert und momentan sechs Lehrlinge beschäftigt. Den größeren Personalaufwand begründet er unter anderem mit dem höheren Beratungsaufwand der Kunden, vor allem im Bereich Banksteuerung. Doch ebenso die immer höheren gesetzlichen Standards, denke man nur an Basel 3, bedingten diesen Zuwachs.

Sehen lassen kann sich das Institut nach wie vor mit der Aufwand-Ertrag-Relation, dem CIR-Wert, von 68,5 Cent gegenüber 64,6 im Vorjahr. „Das heißt wir geben 68,5 Cent aus, um einen Euro zu erlösen“, stellt Baldschun fest und sagt, dass das immer noch ausgezeichnet sei. 2011 gab es einen Jahresüberschuss von 641 000 Euro. Es wurden 522 000 Euro an Steuern gezahlt, davon 250 000 Euro an die Stadt als Gewerbesteuer. Auch für dieses Geschäftsjahr soll daher wieder eine Dividende gezahlt werden, die wie bereits in den vergangenen Jahren 6,5 Prozent beträgt oder 110 000 Euro, das natürlich vorbehaltlich des Beschlusses der Vertreterversammlung am Donnerstag. Aufgrund dieser positiven Zahlen untermauern Böhse und Baldschun ganz selbstbewusst das klare Bekenntnis zur Eigenständigkeit der Volksbank Kierspe, die inzwischen wie das berühmte gallische Dorf im Asterix-Comic umgeben ist von fusionierten Banken.

Es handelt sich nächste Woche um die erste Versammlung nach der Vertreterwahl im Frühjahr. Diesmal befinden sich unter den 69 Vertretern 14 neue. Ein Thema wird auch das Jahr der Genossenschaften sein. So sei beim Stadtfest am zweiten Septemberwochenende eine Werbung für das Genossenschaftswesen geplant. „Es wird einen gemeinsamen Stand von Volksbank, Genossenschaft Berg und Mark sowie Bauverein geben“, kündigen die Vorstände an.

Ein anderes, so planen es Stephan Böhse und Stephan Baldschun, ist der seit rund drei Monaten laufende Umbau der Hauptstelle. Hier investiert die Volksbank eine Summe von mehr als einer Millionen Euro. Geplant sind mehrere Umbauschritte, weil der Betrieb währenddessen weiterlaufen muss. Integriert bei dem Projekt ist ein repräsentativer Anbau mit Konferenzraum und großzügigem Kundeneingangsbereich nach vorne hinaus. Die Maßnahme dient dazu, dem gestiegen Raumbedarf zu begegnen. Ziel ist aber vor allem auch die dringend notwendige Modernisierung der Technik, um die Volksbank zukunftsfähig zu machen. „Wir automatisieren, zentralisieren und optimieren Prozesse und Standards im Haus, um so letztlich auch den Mitarbeitereinsatz effizienter gestalten zu können“, begründen Stephan Böhse und Stephan Baldschun.

Rolf Haase

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