Volksbank Kierspe legt Bilanz vor: Schwieriges aber gutes Jahr

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Die Volksbank-Vorstände Stephan Böhse und Stephan Baldschun (links) sind mit dem vergangenen Geschäftsjahr sehr zufrieden.

Kierspe - „Während sich andere Banken mit sich selbst beschäftigt haben, konnten wir uns um unsere Kunden kümmern“, so ganz möchte Vorstand Stephan Böhse nicht auf Seitenhiebe verzichten – und spielt auf die weitere Fusion anderer Volksbanken zur Volksbank in Südwestfalen und die Personaldiskussion in der Sparkasse an.

Grundsätzlich möchte Böhse aber gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Stephan Baldschun die Bilanz der Volksbank Kierspe präsentieren. „Das war unser schwierigstes Jahr, doch wir sind auch grundsätzliches sehr zufrieden mit dem Verlauf“, sagt Böhse. Man habe beim Gewinn Verluste hinnehmen müssen, aber sei sich auch sicher, dass es jetzt wieder und auch beständig nach oben gehe. Trotz dieser Einleitung lassen sich die Zahlen sehen. Eine runde Million kann die Bank als Gewinn vor Steuern verbuchen, gut 200.000 Euro weniger als noch vor einem Jahr.

Den Staat wird’s trotzdem freuen, werden doch ziemlich genau 333.000 Euro Steuern abgeführt. Der Rest geht in notwendige Investitionen, die Dividende der Anteilseigner und vor allem ins Eigenkapital. „Und unsere Steuern werden vor Ort gezahlt und nicht irgendwo in Siegen“, da war er, der zweite Hieb in Richtung der immer größer werdenden Volksbank in der Nachbarschaft.

Die Anteilseigner erhalten auch in diesem Jahr wieder eine Verzinsung von 6,5 Prozent. Böhse: „Das ist auch Ausdruck dessen, wie wir uns fühlen. Wir wollen das zahlen und können es auch.“ Bei den Investitionen machen sich Kosten für IT bemerkbar. Rund 230 000 Euro wurden in den vergangenen Jahren investiert. Spürbar wird das für die Kunden auch, allerdings vor allem in Form einer Technikumstellung, die eine Nutzung der Geldautomaten am 23. März verhindert.

Bevor Baldschun auf die Bilanz zu sprechen kommt, weist er noch einmal auf den schwierigen Markt der vergangenen zehn Jahre hin. Niedrigzinsen, die fortschreitende Regulation und das durch die Digitalisierung geänderte Kundenverhalten nennt er als Hauptpunkte bei der Beeinflussung des eigenen Geschäfts. „Wir sind in den vergangenen zehn Jahren sehr gut gewachsen“, freut sich Baldschun. Als Bilanzsumme nennt er 143 Millionen Euro – und kann damit ein Wachstum von fünf Prozent verbuchen.

So lief es im Kreditgeschäft:

Vor allem das Kreditgeschäft habe sich prächtig entwickelt. Dieses sei um 8,1 Prozent auf eine Summe von 84,4 Millionen Euro gewachsen. Zwei Drittel des entliehenen Geldes seien an Privatkunden gegangen, ein Drittel an Gewerbetreibende.

Bei den Einlagen ist auch ein deutliches Wachstum zu beobachten, doch aufgrund der geringen Zinsen, die die Kiersper Bank genau wie alle anderen nur noch anbietet, deutlich geringer als das Kreditgeschäft. 102,8 Millionen Euro stehen unter diesem Punkt in den Büchern, zwei Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Doch das Geschäft mit den Kunden umfasst schon lange nicht mehr nur das Einsammeln und Ausleihen des Geldes vor der eigenen Haustür, sondern es wird auch in Wertpapiere investiert, es werden Versicherungen abgeschlossen und Bausparverträge gezeichnet. Baldschun: „Da sichern unsere langjährigen Mitarbeiter auch unseren Erfolg. Allein im vergangenen Jahr wurden im Bereich Bausparen Verträge mit einer Bausparsumme von 12 Millionen Euro abgeschlossen.

Da diese Geschäfte mit sogenannten Verbundpartnern abgeschlossen wurden, stehen die Ergebnisse auch in der sogenannten Verbundbilanz. 268,9 Millionen Euro weist diese zum Ende des vergangenen Jahres aus. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor standen dort noch 206,9 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 11,8 Millionen Euro oder 4,6 Prozent mehr.

Mit diesen Zahlen im Rücken und dem Wissen, dass das Geschäft in diesem Jahr – vor allem im Kreditbereich – gut angelaufen ist, sehen die beiden Vorstände der nahen Zukunft gelassen entgegen. „Nach wie vor ist eine Fusion kein Thema für uns“, bekräftigt Böhse – wie in jedem Jahr.

Digitalisierung eine Herausforderung

Für eine fernere Zukunft sieht sich die Bank ebenfalls gut gerüstet. „Wir sind aber der Meinung, dass es immer Banken geben wird, da der persönliche Kontakt unerlässlich ist“, sagt Baldschun und betont, dass gerade die geringe Größe der Kiersper Bank ein Vorteil sei. Nicht nur, weil man seine Kunden kenne, sondern weil auch wichtige Entscheidungen schnell getroffen werden könnten. „Bei uns besteht der Vorstand aus zwei Leuten, die sich gut verstehen und nur wenige Meter auseinandersitzen“, diesmal gibt’s die bissige Bemerkung in Richtung der großen benachbarten Volksbank von Baldschun.

Und zum Schluss dann noch den Hinweis, dass die Digitalisierung zwar eine große Herausforderung darstelle, aber diese im Verbund auch gut gehandhabt werden könnte. So werde der Verbund, dem insgesamt rund 900 Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparda-Banken angehören, in den kommenden Jahren rund 500 Millionen Euro investieren, um die Banken digitaler und zukunftssicherer zu machen.

Spenden

Im vergangenen Jahr hat die Volksbank Kierspe rund 30 000 Euro vor Orte gespendet, ein Empfänger größerer Summen ist dabei immer KuK, aber auch fürs Stadtfest gab’s vom Hauptsponsor Geld. Stephan Böhse: „Wir sind auch bereit, noch einmal eine ordentliche Summe in die Weihnachtsbeleuchtung in Kierspe zu investieren. Da muss sich dann aber auch die Stadtverwaltung bewegen.“ Diese müsse vor allem vernünftige technische Voraussetzungen schaffen, damit die Sterne auch an mehr Laternen angebracht werden können.

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