Volksbank Kierspe: Dorf und Bahnhof werden SB-Filialen

+
Stephan Baldschun (links) und Stephan Böhse informierten über die Umstrukturierung zweier Volksbank-Filialen.

Kierspe - Die Volksbank Kierspe baut ihre Filialstruktur um. Zum 4. April werden die Zweigstellen Bahnhof und Dorf zu reinen Selbstbedienungs-Geschäftsstellen umgewandelt. Die Vorstände der Volksbank Kierspe, Stephan Baldschun und Stephan Böhse, führen die Entscheidung in erster Linie auf das „erheblich geänderte Kundenverhalten“ der vergangenen Jahre zurück.

„Die klassische Geschäftsstelle ist ein Kontaktkanal, der nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher hat“, erklärt Baldschun. Konkret bedeutet das: Immer mehr Kunden wickeln ihre Geschäfte online über das Internet ab. Persönliche Beratungsgespräche in der Filiale nehmen hingegen ab. „Viele Gespräche um Geldanlagen finden heute gar nicht mehr statt“, so Baldschun weiter. Man habe in den vergangenen Jahren zur Kenntnis nehmen müssen, dass eine immer größere Anzahl an Kunden über elektronische Vetriebskanäle Bankgeschäfte abwickeln möchte. Ein Trend, der auch schon in anderen Städten und Geldinstituten zu Filialschließungen oder SB-Filialen geführt hat. Die Ablösung des Präsenzgeschäftes durch das Onlinebanking hat in Südwestfalen in den vergangenen Jahren zur Schließung von 30 Bankfilialen geführt. Von den derzeit rund 9000 Kunden der Volksbank Kierspe nutzen 3500 das Online-Banking – Tendenz steigend.

Nicht ganz unbeteiligt am veränderten Kundenverhalten sei laut Böhse neben dem Online-Banking zudem der derzeitige Niedrigzins: „Die Kunden warten auf eine Zinssteigerung, die sehen wir in den kommenden zwei bis drei Jahren aber nicht.“ Früher, so der Diplom-Kaufmann, waren Filialen Geldanlegestellen.

Unter Druck, so betont es Stephan Böhse, stehe die Volksbank Kierspe aber nicht: „Unsere guten Zahlen lassen keine Spekulationen zu.“ Im Bereich des betreuten Kundenvolumens – Ende des vergangenen Jahres waren es 245 Millionen Euro – könne man einen Zuwachs von 3,2 Prozent verzeichnen. Auch das Kreditwachstum und die Kundenanlagen stiegen 2015 um rund 3 Prozent.

Dennoch habe sich im Umfeld der regional tätigen Banken viel getan. Der Markt sei transparenter, der Wettbewerb auch durch ausländische Institute deutlich härter und die Umsetzung neuer Gesetzesvorgaben bedeute für das Kiersper Geldinstitut einen immensen Aufwand.

Um dem gegenzusteuern, hat sich die Spitze der Volksbank Kierspe nun also dazu entschieden, die Filialen am Bahnhof und im Dorf zu reinen SB-Geschäftsstellen umzuwandeln, ohne Personal vor Ort vorzuhalten.

Die Geldauszugsautomaten und Kontoauszugsdrucker sollen im Laufe des Jahres 2016 durch Ein- und Auszahlungsterminals ausgetauscht werden. „Hierdurch gewährleisten wir, dass unsere Kunden Geldeinzahlungen jederzeit vornehmen können“, erläutert Baldschun. Überweisungen und eingereichte Schecks würden zudem täglich von Mitarbeitern abgeholt und am selben Tag verarbeitet, verspricht der Diplom-Sparkassenbetriebswirt. Auf den sozialen Kontakt müsse aber trotzdem kein Kunde verzichten. Sollte eine persönliche Beratung mit einem Volksbank-Mitarbeiter erwünscht sein, könnten weiterhin Termine in den Filialen Dorf und Bahnhof vereinbart werden. Für ältere Kunden biete die Volksbank Kierspe zudem ab April eine Bargeldversorgung Zuhause an. „Desweiteren werden wir im Zuge der neuen Geschäftsstellenstrategie unsere Öffnungszeiten in der Hauptstelle kundenorientierter erweitern beziehungsweise verlängern“, so Baldschun.

Auf die vermehrte Nutzung der Onlinekanäle bei Bankgeschäften möchte die Volksbank Kierspe zudem mit einem Ausbau der Online-Präsenz reagieren. Dazu habe man ein Pilotprojekt gestartet, das bald die Abwicklung einer „Vielfalt an Bankgeschäften“ ermöglichen soll. „Der Kunde hat bei der Online-Filiale dann eine echte Alternative im Vergleich zum Besuch einer realen Geschäftsstelle und ist unabhängig von Raum und Zeit“, sagt Böhse. Darüber hinaus soll es im kommenden Jahr eine neue Banking-App für das Smartphone geben.

Das immer wieder aufkeimende Thema einer möglichen Fusion mit einer anderen Kreditgenossenschaft weisen Baldschun und Böhse ab. „Das ist für uns im Vorstand überhaupt kein Thema.“ Es sei falsch zu glauben, dass die Umstrukturierung der Filialen durch eine Fusion unterblieben wäre. Böhse: „Auch eine fusionierte Volksbank Kierspe würde sich nicht dauerhaft drei Filialen im Kiersper Stadtgebiet erlauben.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare