Gründung geht auf Dr. Deisting zurück

Volksbank Kierspe besteht seit 120 Jahren

Am Mittwoch feierte die Volksbank Kierspe 120-jähriges Bestehen: Die Vorstände Stephan Böhse und Stephan Baldschun (rechts) spendierten den Kunden, die an diesem Tag in die Hauptstelle Kamen, eine Rose.
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Am Mittwoch feierte die Volksbank Kierspe 120-jähriges Bestehen: Die Vorstände Stephan Böhse und Stephan Baldschun (rechts) spendierten den Kunden, die an diesem Tag in die Hauptstelle Kamen, eine Rose.

Auf den Tag genau ist es 120 Jahre her, dass die Volksbank Kierspe gegründet wurde. Vieles hat sich in den Jahren geändert. Vor allem sind rund um die Kiersper Bank herum die vielen kleinen genossenschaftlichen Banken verschwunden, beziehungsweise in großen Gebilden aufgegangen.

Kierspe - Doch eins ist gleich geblieben. Die Bank sammelt in erster Linie rund um ihren Standort das Geld ihrer Kunden ein, um es als Kredite vor allem den heimischen Unternehmern und ihren Privatkunden zur Verfügung zu stellen.

Vor 120 Jahren gab es solche Möglichkeiten noch nicht. In ihrer eigenen Chronik, die vor 20 Jahren zum 100. Geburtstag herausgegeben wurde, schreibt die Bank, dass die Kiersper damals bei der Kreditbeschaffung vor allem auf private Geldgeber angewiesen seien, die dann auch die Zinssätze individuell aushandelten.

Dr. Deisting

Der Landarzt Dr. Friedrich Deisting sei es gewesen, der den Ausschlag zur Gründung eines Spar- und Darlehnskassenvereins gegeben hätte. „An seiner Seite standen Pastor Nierhoff und Lehrer O. Schmidthausen“, ist in der Chronik zu lesen. Diese drei waren es auch, die in der Gründungsversammlung am 21. April 1901 erläuterten, „dass nur ein geordnetes Geldwesen auf der Basis einer örtlichen Selbsthilfeeinrichtung die wirtschaftliche Notlage in Kierspe und in den benachbarten Dörfern beheben könne“. Die 31 Gründer der Bank müssen es genauso gesehen haben, denn noch am Tag der Gründung wählten sie Deisting zum ersten Vorstandsvorsitzenden.

Schnell erfreute sich die neue Bank großer Beliebtheit. Bereits 1914 hatte die Genossenschaft 212 Mitglieder. Doch es sollten schwere Jahre folgen, die von den beiden Weltkriegen und den wirtschaftlichen Folgen, die sich daraus ergaben, geprägt waren. Nach Krieg und Rezession war es die D-Mark, die die Geldgeschäfte wieder in Schwung brachten. Betrug die Bilanzsumme nach der Währungsreform 1948 gerade einmal 314 000 Mark, wurde Ende 1949 bereits ein Umsatz von 20 Millionen Euro erwirtschaftet. In den 1950er-Jahren konnte diese Bilanzsumme sogar noch verfünffacht werden.

Stetes Wachstum

Mit dem wachsenden Umsatz, der zunehmenden Belegschaft und den immer mehr werdenden Kunden reichten die alten Bankräume nicht mehr aus. In der Konsequenz baute die Volksbank neu und bezog ihr Domizil am Felderhof 1965.

In den Folgejahren wurden neue Bereiche ins Angebot der Bank aufgenommen. Welche genau, dazu ist in der Chronik nichts geschrieben. Doch das geschäftliche Handeln war so erfolgreich, dass 1970 eine Geschäftsstelle in Rönsahl eröffnet werden konnte. Und damit waren die Bestrebungen – als Bank in der Nachbarschaft wahrgenommen zu werden – noch nicht beendet. Bereits im Juni 1973 konnte das neue Bankgebäude an der Kölner Straße eröffnet werden. Die künstlerische Ausgestaltung der Kassenhalle übernahm der heimische Künstler Waldemar Wien.

Nicht einmal ein Jahr später, am 2. April 1976, feierte die Bank ihren 75. Geburtstag – mit einer großen Sportschau in der Sporthalle.

All das geschah noch unter dem ursprünglichen Namen der Spar- und Darlehensbank. Dieser sollte sich erst 1979 ändern. Ab dem 1. Januar firmierte man unter „Volksbank“ und erleichterte sich damit einen gemeinsamen Marktauftritt mit den anderen Banken, die unter diesem Namen aktiv waren.

Der Entwicklung jedenfalls hat die Namensänderung keinen Abbruch getan. Dem Erfolg geschuldet, baute man im Dorf ein eigenes Gebäude, das 1981 seiner Bestimmung übergeben werden.

Kein Ehrenamt mehr

Ein Jahr später gab es eine Grundsatzentscheidung, die bis heute trägt. Denn bis 1982 wurden die Geschäfte von einem „ehrenamtlichen“ Vorstand geführt. Um flexibler und schneller entscheiden zu können, wurde beschlossen, dass die Bank fortan von „mindestens zwei hauptamtlichen Vorstandsmitgliedern geführt wird“.

1987 wurde dann das 3000. Mitglied begrüßt und auch zur ersten Vertreterversammlung eingeladen, denn diese war nach Genossenschaftsgesetz ab dieser Mitgliederzahl vorgeschrieben.

Noch bevor das Jahrzehnt zu Ende ging, wurde die Hauptstelle durch einen Anbau erweitert, verbunden mit einer Erweiterung des Eingangsbereiches, in dem 1989 der erste Geldautomat in Kierspe seinen Platz fand.

Doch damit waren die Umbauarbeiten an der Hauptstelle noch nicht beendet. 1995 erfolgte eine großzügige Erweiterung, die mit einer komplett neuen Einrichtung des Gebäudes verbunden wurde.

Zwei Jahre später zog die Rönsahler Filiale in ein neues Gebäude.

Doch auch innerhalb der Bank vollzog sich einiges. So bereitete man sich in den 1990er-Jahren auf den europäischen Binnenmarkt vor und bekam einen ersten Eindruck davon, mit welchen Reglementierungen man in Zukunft zu rechnen hatte.

100. Geburtstag

Im Jubiläumsjahr 2001 war die Bankenkrise noch weit entfernt. Doch dass es Veränderungen geben würde, deutete sich damals schon an. So nahm das Online-Banking in den frühen 2000er-Jahren mächtig Fahrt auf und krempelte letztlich auch die Bankenlandschaft in Kierspe um.

Hatte man immer auf die Bank in der Nachbarschaft gesetzt, konzentrierte man sich später wieder auf weniger Standorte. Die Filialen im Dorf und an der Kölner Straße wurden geschlossen, dafür die Aktivitäten im Netz deutlich ausgebaut.

Geschuldet war diese Entwicklung dem geänderten Kundenverhalten, aber auch der Einnahmenseite, die sich durch die niedrigen Zinsen deutlich veränderte.

Doch bis heute kann die Bank auf stetiges Wachstum blicken und auf ihre Unabhängigkeit. Während alle Volksbanken im Umland mittlerweile fusionierten, bleibt die Bank auch in den kommenden Jahren unabhängig. Das hat der Vorstand erst vor Kurzem anlässlich der Bilanzvorstellung noch einmal bekräftigt.

Feier in fünf Jahren

Da passt es auch, dass der Vorstand ein größeres Fest für seine Mitarbeiter und Kunden erst zum Jubiläum in fünf Jahren plant – auch, weil alle Feierlichkeiten in diesem Jahr aufgrund des Pandemiegeschehens nicht planbar waren und sind.

Das Buch

Wenn es auch in diesem Jahr keine große Feier zum 120. Geburtstag der Volksbank Kierspe geben kann, soll zumindest in schriftlicher Form an das Jubiläum erinnert werden. In Zusammenarbeit mit dem Heimatverein arbeitet die Bank an einem Buch, in dem nicht nur an die Geschichte der Bank erinnert wird, sondern in dem auch das Genossenschaftswesen in Deutschland Thema sein soll. Auch wird darin die genossenschaftliche Entwicklung in Kierspe beleuchtet.

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