Volksbank appelliert an die Bundespolitik

Als konstruktiv werteten Petra Crone und die Volksbankdirektoren Stephan Böhse und Stephan Baldschun ihr Gespräch über die aktuelle Berliner Bankenpolitik.

KIERSPE ▪ Trotz aufwändiger bankaufsichtlicher Regelungen in Deutschland konnte die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verhindert werden, wie die Volksbankdirektoren Stephan Böhse und Stephan Baldschun gegenüber der SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone deutlich machten. Sie hatten diese am Montag in die Hauptstelle des genossenschaftlichen Instituts eingeladen, um der Politikerin ihre Sichtweise zur aktuellen Berliner Bankenpolitik nahezubringen, damit die Sichtweise von Banken, die verantwortungsvoll mit dem ihnen anvertrauten Geld umgingen und risikoreiche Spekulationen vermieden, wie sie feststellten.

Ganz klar und unüberhörbar dabei die Kritik der zwei Kiersper Banker: „Die aufgrund der Krise ergriffenen staatlichen Maßnahmen haben die Märkte zunächst weiter stabilisiert. Insgesamt wurde das Wettbewerbsumfeld aber spürbar verzerrt.“ Denn normalerweise würden insolvente Unternehmen vom Markt verschwinden. Im Bankensektor würden diese nun jedoch als systemrelevant eingestuft und daher massiv finanziell unterstützt und dann mit einem staatlichen Rettungsschirm ausgestattet zurück in den Markt geschickt. Trotz aller Verantwortungslosigkeit in ihrem Handeln seien diese Banken, gestützt durch Steuergelder, krisensicher. Von den Volksbank-Vorständen wird diese als Praxis als höchst fragwürdig angesehen, zumal es auch nicht den in allen anderen Bereichen doch gut funktionierenden Mechanismen und Grundsätzen der freien Marktwirtschaft entspreche.

„Gerade unseren Kunden werden derzeit wieder atemberaubend gute Konditionen angeboten. Ein Plan, die gescheiterten Institute mit ihren nicht mehr funktionierenden Geschäftsmodellen geordnet abzuwickeln beziehungsweise vom Markt zu nehmen, scheint nicht zu existieren.“ Beide vertraten die Ansicht, dass Systemrelevanz und Marktwirtschaft nicht zueinander passten. Petra Crone, für die es im Amt bislang der erste Besuch bei einer Genossenschaftsbank war, hörte sich die Argumente an und betonte: „Ich kenne die problematische Situation der Volksbank und auch der Sparkasse, die ungeachtet dessen den Unternehmen vor Ort weiterhin geholfen und Kredite gewährt haben.“ Allerdings verteidigte sie die Stützungsmaßnahmen des Bundes, „ohne die es vielleicht keine Sparkasse mehr gäbe, dann sicher auch mit Folgen für die Volksbank“, wie sie anmerkte.

Anhand der 108-jährigen positiven Entwicklung der Volksbank Kierspe, die sich trotz des immer schwierigeren Umfelds und Wettbewerbs erfolgreich und anders als andere Institute auch weiterhin selbstständig am Markt behauptet, skizzierten Böhse und Baldschun kurz die Geschäfts grundsätze und -prinzipien, die jedes Jahr neu zu einem guten Ergebnis führen. „Die Volksbank Kierspe ist mit einer Bilanzsumme von rund 100 Millionen Euro gewiss nicht systemrelevant. Würden hier Fehlspekulationen zum Tragen kommen, würde kein Staat einspringen, um sie zu retten. Die Verantwortlichen in der Bank werden also Chancen und Risiken immer sehr gewissenhaft prüfen. Das schützt die Kunden und Mitglieder“, führten die Direktoren aus und ergänzten: Die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung habe in ihrem 70-jährigen Bestehen noch nie Einleger entschädigen müssen.

Crone lobte die „solide Firmenpolitik“ in Kierspe. Geld sei ein intimes Geschäft, da brauche man zuverlässige und vertrauenswürdige Partner.

Dass es in Deutschland jetzt nach der Krise zu viele Banken gebe, die sich nun alle auf den Mittelstand stürzten, daran ließen Böhse und Baldschun keinen Zweifel. Eine wichtige Forderung an die Politik müsste sein, für die verantwortungsvoll agierenden Institute wie die Volksbank Bürokratie und aufsichtliche Regelungen abzubauen. Denn von diesen Instituten seien die Fehlentwicklungen, die zur Krise geführt hätten, nicht ausgegangen. Aber stattdessen drohten schon jetzt neue Mindestanforderungen an das Risikomanagement.

Auch dürften mit der Bankensonderabgabe nur die Unternehmen belastet werden, die durch Misswirtschaft in Not geraten seien, nicht aber die kleinen bis mittelgroßen Banken. Diese müssten sogar die Chance erhalten, von den Fehlern der Konkurrenz zu profitieren und verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. „Denn gerade an die heute staatlich gestützten Banken haben wir in der Vergangenheit Geschäfte verloren“, machten die zwei Banker gegenüber der Sozialdemokratin aufmerksam.

Außerdem müssten bei den Lösungswegen, die derzeit gesucht werden, auch die mittelständischen Institute stärker Gehör finden und nicht nur die Manager der Großbanken, die die Krise verursacht hätten. So rechneten Böhse und Baldschun vor, dass der Deutschen Bank mit einer Bilanzsumme von rund 2000 Milliarden Euro oder auch der Commerzbank mit rund 1100 Milliarden Euro der genossenschaftliche Verbund, bestehend aus 1200 selbstständigen Instituten mit einer gemeinsamen Bilanzsumme von auch immerhin 1000 Milliarden Euro gegenüberstehe.

Im Gespräch mit der Verbraucherschutzexpertin, die Petra Crone als Mitglied im dafür zuständigen Bundestagsausschuss ist, sprachen sich die Volksbank-Vorstände weiterhin für einen Verbraucherschutz aus, der durch Aufklärung die Konsumenten erreiche, und nicht für einen, „der durch zunehmende bürokratische Hürden eine Scheinsicherheit verspricht“. Viele gesetzliche Maßnahmen, die jetzt in die Wege geleitet worden seien, führten jedoch gerade zu diesem negativen Aspekt. Thematisiert wurden von den zwei Vorständen Beipackzettel für Anlage- und andere Finanzprodukte, Finanzberatung durch Verbraucherschutzorganisationen oder eine Checkliste für die Geldanlagenberatung.

Böhse, Baldschun und Crone meinten einvernehmlich, dass es zwischen ihnen einen intensiven Gedankenaustausch gegeben habe. Die Bundestagsabgeordnete versprach, die Anregungen und die Kritik mit nach Berlin zu nehmen.

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