Rucksack-Projekt für Eltern aus aller Herren Länder

Jeden Mittwoch treffen sich die Mütter im Gemeindehaus der Christuskirche zu Arbeitseinheiten. Die Gruppe wird von „Elternbegleiterin“ Gülbahar Ugurlu (2. von links) geleitet. - Fotos: Negel-Täuber

Kierspe - Sprache ist der Schlüssel zur Bildung. Kindern mit Migrationshintergrund, deren Eltern manchmal nur unvollkommen Deutsch sprechen, tun sich deshalb oft Barrieren auf, die sie in Alltag und Schule behindern. Im Kindergarten Villa Regenbogen gibt es deshalb das Rucksack-Projekt.

Von Birgitta Negel-Täuber

Sechs Mütter treffen sich seit November einmal wöchentlich im Gemeindehaus der Christuskirche und bearbeiten Alltagsthemen wie Kleidung, Essen und Trinken, Bewegung oder Medienerziehung.

Zu Beginn des Kurses haben sie Informationsmaterial in ihren jeweiligen Muttersprachen bekommen und Arbeitsblätter, die sie mit ihren Kindern zuhause bearbeiten. Täglich eine Viertelstunde sind sie damit beschäftigt und festigen dabei ganz nebenbei ihre Mutter-Kind-Beziehung. Parallel dazu arbeitet Erzieherin Regina Linde mit den „Rucksack-Kindern“ und hat inzwischen eine ganze Kiste mit mehrsprachigen Büchern zusammengetragen. Denn es gibt auch ein Vorleseprojekt, bei dem die Mütter in ihren jeweiligen Muttersprachen vorlesen.

Im Frühjahr 2013 hatte das Kommunale Integrationszentrum des Märkischen Kreises alle Kiersper Kindergärten zu einer Informationsveranstaltung zu diesem Bildungsprojekt eingeladen, das sich an Mütter mit Kindern zwischen vier und sechs Jahren wendet. Als einzige Kita entschieden sich die Mitarbeiterinnen der Villa Regenbogen zur Teilnahme. Die Gründe sind naheliegend: „Sechzig Prozent unserer Kinder haben einen Migrationshintergrund,“ erläutert Regina Linde. Die Rucksack-Kinder haben türkische, russische, serbische und italienische Wurzeln. Von „einheimischen“ Kindern unterscheiden sie sich dadurch, dass sie von Anfang an mit zwei Sprachen aufwachsen. Mit dieser Situation gehen die Eltern sehr unterschiedlich um. „Manche sprechen mit ihren Kindern nur Deutsch. Dabei schleichen sich manchmal Fehler ein, die sich dann verfestigen“, hat Regina Linde beobachtet. Besser sei es deshalb die Muttersprache zu benutzen und die Kinder dann im Kindergartenalter Deutsch lernen zu lassen. So hält es auch Tatjana Franke. Die gebürtige Russin ist Mutter von fünf Kindern und macht den Sprachgebrauch vom Alter ihres Nachwuchses abhängig. „Mit den Großen spreche ich Deutsch, mit den Kleinen Russisch,“ sagt sie und ebnet den Kindern damit den Weg in eine stabile Zweisprachigkeit.

Eine der Frauen, Gülbahar Ugurlu, hat sich zur Elternbegleiterin ausbilden lassen und fungiert als Leiterin der Gruppe, auch Regina Linde hat eine entsprechende Fortbildung absolviert.

Von dem Projekt profitieren alle: „Die Kinder sind selbstbewusster geworden“, berichtete Regina Linde. „Sie erkennen den Wert ihrer Muttersprache und sind offen für Neues.“ Dasselbe gilt auch für die Mütter. Sie bringen sich aktiv bei der Sprachförderung ihrer Kinder ein, lernen sich in der Gruppe besser kennen und bauen Ängste und Barrieren ab. Den eigenen Sprachkenntnissen hilft es auch, denn bedingt durch die zahlreichen Nationalitäten ist die Verkehrssprache der Gruppe Deutsch.

Der erste Rucksack-Kurs endet in der nächsten Woche, aber im neuen Kindergartenjahr soll es weitergehen. Einige Mütter, deren Kinder dann noch die Villa Regenbogen besuchen, wollen wieder mitmachen.

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