Nur einen Bahnhof gab es im Dorf nicht

+
Das Geburtshaus von Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller steht heute nicht mehr.

Kierspe - Wer früher den Ortsteil Dorf in Richtung Bahnhof verließ, tat das eigentlich nur aus einem Grund: um mit dem Zug zu fahren. Einkaufsmöglichkeiten gab es vor Ort nämlich in ausreichender Zahl. Nahezu alle Branchen waren in der 1950-er- bis 1980er-Jahren in beiden Ortsteilen angesiedelt. Kaum vorstellbar, wenn man heute über die Friedrich-Ebert-Straße geht.

Die nach dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert benannte Straße weißt eine Besonderheit auf. Denn die Hausnummern beginnen an der Kölner Straße bereits dreistellig und enden am Ausgang des Dorfes mit der Nummer 403. Ursächlich dafür ist, dass die Kölner Straße früher von der Volmestraße kommend an der Kreuzung Wildenkuhlen abknickte und in Richtung Dorf weiterführte. Als es zu der Namensänderung kam, wurden die alten Hausnummern beibehalten und führten zu den hohen Zahlen. Den Kierspern, die im Dorf wohnten, war die Straße vor allem als Einkaufsmeile wichtig. Gab es dort doch nahezu alle Branchen. Verkauft wurden die Waren in unterschiedlich großen Einzelhandelsgeschäften. Die Gebäude sind nach der Schließung der Geschäfte oft umgebaut worden, sodass an vielen Stellen nichts mehr auf ihren früheren Zweck hinweist. Heute sind lediglich noch fünf „echte“ Fachgeschäfte an der Straße im Dorf zu finden: die Buchhandlung Timpe, Bäckerei Gießelmann, Metzgerei Hoffmann und Optik Klingelhöfer.

In naher Zukunft kommt noch ein weiter „Leerstand“ hinzu, da die Feuerwehr ihr Gerätehaus am Eingang des Dorfes aufgibt und an den Wildenkuhlen zieht. Ein paar Meter weiter findet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Alte Amtshaus, das nach dem Umzug der Verwaltung als Dienstsitz der VHS und Museum genutzt wird. Wechselt man erneut die Straße, kommt man an dem Gebäude vorbei, in dem unter anderem die Post und das Sozialamt untergebracht waren. 1986 zog dort ein Spielwarengeschäft ein und seit 2013 ist dort eine Kindertageseinrichtung zu finden. Wenige Meter weiter findet sich das Volksbank-Gebäude, in dem seit einigen Jahren eine Rechtsanwaltskanzlei untergebracht ist. Die Anfänge der Volksbank Kierspe sind in einem anderen Haus zu finden. Im Obergeschoss eines Hauses an der Friedrich-Ebert-Straße wurden die Bankgeschäfte getätigt, unten verkaufte die Familie Schmidt Haushaltswaren und Lebensmittel.

Als Hotel gebaut, beheimatete das Haus Plate später auch den Schlecker-Markt. Seit 2014 steht das Ladenlokal leer.

In Nachbarschaft zu der „neuen“ Volksbankfiliale befindet sich die Buchhandlung Timpe. Angefangen wurde mit dem Bücherverkauf an der Lindenstraße, später fand dieser dann an der Jahnstraße statt, bevor an der Friedrich-Ebert-Straße 1959 neu gebaut wurde.

Kurz darauf folgt ein „echter“ Leerstand. Der Schlecker-Markt wirbt bis heute, Drogerieartikel gibt es dort aber schon seit Jahren nicht mehr.

Kurz dahinter findet sich die Bäckerei Gießelmann. Die Ursprünge liegen schräg gegenüber. Dort, wo heute Tierarzt Klaus behandelt, war früher die Bäckerei Kemper untergebracht, die dann später von Diwald übernommen wurde. Der Letztgenannte mietete sich dann an dem heutigen Bäckereisitz an. Das Gebäude war ursprünglich von der Familie Engstfeld als Wohnhaus errichtet worden. Später befand sich dort dann Haushaltswaren Bellingroth – und danach dann Diwald, bevor 2014 Gießelmann übernahm.

Existiert heute noch: das Fachgeschäft Klingelhöfer an der Friedrich-Ebert-Straße.

Aber auch bekannte Persönlichkeiten haben an der Straße gewohnt, so Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller, der dort geboren wurde, aber erst durch die Gründung eines Unternehmens in Gummersbach zu Ruhm und Reichtum kam. Sein Geburtshaus wurde später abgerissen. Heute findet sich an dieser Stelle ein chinesisches Restaurant. Direkt daneben die Metzgerei Hoffmann, die erst Mieter war und ab 1977 Eigentümer des Hauses ist. Nicht als Fachgeschäft genannt, aber natürlich gewerblich tätig ist der Dorfkiosk, in dem früher das schon erwähnte Haushaltwarengeschäft Schmidt seine Waren anbot und dessen Obergeschoss die Bank ihren Platz fand.

Auf der anderen Straßenseite ist noch der schmucklose Flachbau des ehemaligen Fahrradgeschäftes Haase zu finden. Die Ursprünge finden sich in einer Schmiede, die später zu einem Landmaschinenhandel wurde – und auch der Verkauf von Benzin und Diesel sicherte das Einkommen.

Geht man die Straße weiter in Richtung Bahnhof, verfängt sich der Blick an der Werbung des Fachgeschäftes Klingelhöfer. Bis heute werden dort Brillen und Uhren samt der damit verbundenen Dienstleistungen angeboten.

Letztlich kann der Spaziergang über die Friedrich-Ebert-Straße nur ein unvollständiges Bild über die Straße liefern. Möglich wurde dieser auf Grundlage von Daten, die der Heimatverein lieferte und die von Marlen Vedder in Form gebracht wurden. Insgesamt umfasst der Vortrag mehr als 300 Präsentationsfolien.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare