Gemessener Reifendruck sorgt für hohe Kosten

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Pro Rad kosten die Sensoren mehr als 60 Euro. Dazu kommen noch die höheren Werkstattkosten. - Foto: Dahm

Kierspe - Fahrzeuge, die ab November dieses Jahres zugelassen werden, müssen mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgerüstet sein. Doch auch viele Fahrzeuge, die vor diesem Datum verkauft wurden, sind bereits ausgestattet. Beim Reifenwechsel kann das teuer werden.

Von Johannes Becker

„Viele Kunden sind von den Kosten überrascht und etliche wissen auch noch gar nichts von der neuen Gesetzeslage“, erzählt Jürgen Rademacher vom Kiersper Kfz-Teile-Handel Damm und Rademacher. Rund 60 Euro müssten die Kunden pro Sensor einplanen – und das pro Rad, wobei es auch deutlich teurere Sensoren gebe. Rademacher: „Natürlich müssen nur die Räder mit einem Sensor ausgerüstet werden, bei denen die Daten im Fahrzeug auch ausgelesen werden können.“ Damit bleiben die Fahrzeuge unberührt, die noch nicht über das System verfügen, aber auch die, bei denen indirekt gemessen wird. Dabei wird die Rotation des Rades mithilfe der ABS-Sensoren ermittelt, der Bordcomputer ermittelt aus diesen Daten dann einen eventuellen Druckverlust.

Doch die meisten Wagen werden wohl in Zukunft mit einem direkt messenden System ausgerüstet. Dabei misst ein Sensor im Rad den Druck und meldet diesen in den Innenraum. „Nur mit solchen Geräten lässt sich auch der genaue Druck im Reifen bestimmen“, so Rademacher. Denn letztlich soll nicht nur die Sicherheit erhöht werden, der Gesetzgeber will auch den Verschleiß verringern und den Spritverbrauch senken. Rademacher: „Wir stellen bei den Reifenwechselterminen auch immer wieder fest, dass die Reifen mit viel zu wenig Druck unterwegs sind. So gesehen, amortisieren sich die Kosten während eines Autolebens bei vielen Fahrern.“

Das regelmäßige Überprüfen des Reifendrucks sorgt für höhere Sicherheit, geringeren Verschleiß und niedrigeren Spritverbrauch. In Zukunft sollen Sensoren bei der Kontrolle helfen.

Eine Alternative zu einem zweiten Satz Sensoren stellen nur Ganzjahresreifen oder das halbjährliche Umziehen der Reifen dar. Da aber beides wenig praktikabel beziehungsweise im Sauerland sinnvoll ist, werden die Kunden wohl die Mehrkosten von einigen Hundert Euro in Kauf nehmen, denn neben den Kosten für die Hardware kommen auf die Fahrer auch Kosten durch den höheren Aufwand in der Werkstatt hinzu. „Das dürften so 18 bis 20 Minuten pro Rad sein“, so Rademacher. Als Unternehmer freut er sich zwar über jeden Euro Umsatz, hätte auf die neue gesetzliche Regelung aber gerne verzichtet: „Gerade in der Zeit, in der alle gerne ihre Reifen gewechselt haben möchten, führt der zusätzliche Aufwand zu noch längeren Wartezeiten.“ Wobei Rademacher sich da in diesem Jahr noch wenig Sorgen macht, da noch nicht allzu viele Fahrzeuge von der Neuregelung betroffen sein werden.

Beim Einbau der Sensoren haben die Fahrzeugbesitzer zwei Möglichkeiten, sie können auf Originalsensoren zurückgreifen, die sich sofort mit der Fahrzeugelektronik verstehen oder Universalsensoren erwerben, die zwar deutlich preiswerter sein dürften, dafür aber erst auf das jeweilige Auslesegerät abgestimmt werden müssen. „Für diese Abstimmung ist ein spezielles Gerät notwendig, das rund 1000 Euro kostet. Problematisch ist aber nicht nur der Preis, sondern vor allem, dass es derzeit gar nicht lieferbar ist. So können die meisten Reifenhändler im Moment nur die Originalsensoren verkaufen.“

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