Hand in Hand nutzt obere Bürgerhausetage fast allein

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Ist das neue Bürgerhaus nun ein Bürgerhaus oder hauptsächlich das Domizil des Vereins Hand in Hand? Das diskutierte der Hauptausschuss am Dienstag durchaus kritisch, als die Verwaltung eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für die Immobilie vorlegte. ▪

KIERSPE ▪ Ganz leise wurde doch Kritik an der derzeitigen Nutzung des Bürgerhauses in verschiedenen Äußerungen der Hauptausschussmitglieder laut. Auf den Punkt brachte diese dann aber Marli Fricke von der CDU im Rahmen der Einwohnerfragestunde: „Erworben wurde das Gemeindehaus Felderhof mit der Intention, daraus ein sozio-kulturelles Zentrum zu machen. In der Bevölkerung ist aber inzwischen der Eindruck entstanden, dass sich im Grunde gar nichts geändert hat, sondern es weiterhin das Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde ist.“ – Nur natürlich, dass mittlerweile die Stadt dieses finanziert.

Fricke begründete ihre Sichtweise mit der Nutzung durch das evangelische Jugendcafé „da capo“ im Untergeschoss und den sozialen Bürgerverein Hand in Hand im Obergeschoss mit Lebensmittelausgabe, Kleiderkammer, Begegnungscafé oder auch dem Essen in Gemeinschaft einmal im Monat. Die gute und wichtige Arbeit des sozialen Bürgervereins ist laut ihrer Darstellung unbestritten, was in der Sitzung auch noch von anderen Seiten anklang. Bislang falle der Kulturbereich aber als zweites angedachtes Standbein im Wesentlichen hinten runter. Auch Hermann Reyher von den Grünen kritisierte in der Sitzung, dass der große Saal, der für größere Veranstaltungen geplant gewesen war, derzeit nur selten genutzt werde.

Immer wieder war seitens der Politik bei der Verwaltung ein schlüssiges Betriebskonzept für das neue städtische Bürgerhaus angemahnt worden. Jetzt legte Bürgermeister Frank Emde dazu in der Hauptausschusssitzung Zahlen vor. Es wurde nochmals an den Erwerb der Immobilie erinnert, die neben dem Gemeindehaus außerdem das nach hinten hinaus liegende Schlichthaus und den Anbau mit dem Kindergarten umfasst. Vorausgegangen war im September 2009 ein entsprechender Ratsbeschluss in nichtöffentlicher Sitzung. Aufgrund der umfangreichen Vertragsverhandlungen wurde der Tausch dann jedoch erst im Juli 2010 vollzogen.

Eine Aussage, warum es zweieinhalb Jahre bis zur Vorlage der Wirtschaftlichkeitsberechnung dauerte, kam am Dienstag nicht. Zudem wurde auch nicht klar, was allein bei Betrachtung der Bürgerhaus-Nutzung herauskommt und welche Potenziale es da vielleicht noch gibt.

Frank Emde erläuterte, dass den Erträgen für die Gesamtimmobilie in 2011 von 46 111 Euro Aufwendungen von 54 296 Euro gegenüberstanden, so dass sich ein Zuschussbedarf von 8185 Euro ergab. 2012 standen den Erträgen von 45 380 Euro Aufwendungen von 58 502 Euro gegenüber, der Zuschussbedarf also in dem Jahr 13 122 Euro. Der Bürgermeister schlüsselte die Zahlen dann weiter auf: So setzten sich die Ausgaben beispielsweise im vergangenen Jahr zusammen aus 5770 Euro für die Reinigung, 9738 Euro für die Heizung, 382 Euro für den Wasserverbrauch, 430 Euro als Abwassergebühr, 1967 Euro für die Stromversorgung, 1307 Euro als Niederschlagswassergebühr, 817 Euro für die Versicherung, 3350 Euro an Unterhaltungs- und Wartungsarbeiten und 12 540 Euro an Erbbauzinsen.

Das Bürgerhaus wird auf 37 Jahre abgeschrieben, so dass bei den Ausgaben weitere 4061 Euro jährlich zu Buche schlagen. Die Kindertagesstätte wird auf 39 Jahre abgeschrieben, hier fielen also auch 2012 1905 Euro an und für das auf acht Jahre abgeschriebene Schlichthaus zudem 1565 Euro. Zusammen ergab das eben die 58502 Euro, denen 45 380 Euro an Einnahmen gegenüberstanden, die sich aus 42 380 Euro an Mieteinnahmen und 3000 Euro als Stiftungserlös zusammensetzen. Im Vergleich zu 2011 erhöhten sich die Heizungs- sowie Unterhaltungs und Wartungskosten, während sich die Reinigungs- und Stromkosten verringerten, insgesamt aber gab es eben eine Ausgabensteigerung um 4937 Euro.

Einige Kommunalpolitiker erkannten, dass der Zuschussbedarf aufgrund der Abschreibungen eigentlich wesentlich höher liege, zumal diese Beträge nicht, wie das üblich sei, zur Rücklagenbildung für notwendige Sanierungsmaßnahmen genutzt würden. So Kersten Rothstein von der CDU: „Es fehlen Rücklagen für Modernisierungen.“ Aber der Bürgermeister trat der Vermutung entgegen, dass es einen Investitionsstau gebe. Dringlich stünde nichts an, das habe das Gutachten bei der Übernahme gezeigt. Und der städtische Beigeordnete Olaf Stelse versicherte, dass das, „was die Stadt kann, auch umgesetzt wird“.

Frank Emde betonte nochmals, indem er sich auf den Ratsbeschluss aus 2009 bezog, dass für die Übernahme damals ausdrücklich auf die Erstellung eines Nutzungskonzeptes verzichtet worden sei. Zu Hand in Hand unterstrich der Bürgermeister, dass der soziale Bürgerverein sich „hervorragend entwickelt“ habe. Die verschiedenen Aktivitäten erschwerten jetzt aber die Nutzung des Saales für Kulturveranstaltungen, so räumte er ein. Stelse ergänzte, dass auch die Nutzung der Küche zum Teil eingeschränkt sei, weil der Verein diese angeschafft habe und einiges daher nun verschlossen sei, so das neue Service. Er sagte zudem, dass eine neue Bestuhlung erforderlich und auch geplant sei.

Marc Voswinkel von der SPD fand die Mieterstruktur mit Kindergarten und Hand in Hand für das Kiersper Bürgerzentrum „in Ordnung“. Er begrüßte es zudem, dass die Stadt nicht noch mehr Geld zuschießen müsse und bekundete Verständnis dafür, dass die Durchführung anderer Veranstaltungen im neuen Kiersper Bürgerzentrum schwierig ist. Tatsächlich haben bislang nur wenige dort stattgefunden. Reduziert sich das geplante sozio-kulturellen Zentrum oder auch Bürgerhaus Kierspe letztlich also im Großen und Ganzen auf das soziale Bürgerzentrum des Vereins Hand in Hand?

Rolf Haase

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