Flüchtlinge: Bereitschaft zur Hilfe überwältigend

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Karin Schmid-Essing hatte zum ersten Runden Tisch eingeladen. Karl-Heinz Kraus hatte die Moderation an dem Abend im sozialen Bürgerzentrum übernommen.

Kierspe - Wie begrüßt man Menschen, deren Sprache man nicht spricht und deren Kultur man nicht kennt? Dieser Frage stellten sich am Dienstagabend mehr als 50 Besucher des ersten Runden Tisches in Kierspe.

Von Johannes Becker

Karin Schmid-Essing hatte eingeladen und war überwältigt von dem großen Interesse im sozialen Bürgerzentrum des Vereins Hand in Hand, in dem der erste Runde Tisch zur Flüchtlingssituation tagte. Überwältigt war die engagierte Kiersperin aber auch von der Spendenbereitschaft. „Es sollte unser Ziel sein, Mindeststandards bei der Ausstattung der Flüchtlingsunterkünfte festzulegen. Denn so, wie die Menschen jetzt aufgenommen werden, kann es nicht bleiben“, so Schmid-Essing. In Zukunft sollen die Menschen, die das vorläufige Ende ihrer Flucht in Kierspe erreicht haben, mit dem Nötigsten an Bettwäsche, Handtüchern, Küchentüchern, Besteck, Geschirr und Töpfen ausgestattet werden. Derzeit erhalten die Flüchtlinge einen Bargeldbetrag, mit dem sie sich diese Dinge selbst kaufen sollen. Schmid-Essing: „Doch wer geht mit den Menschen zu den Geschäften, in denen sie einkaufen können?“

Um den Menschen das Ankommen noch mehr zu erleichtern, wünscht sich Schmid-Essing Menschen, die mit den Flüchtlingen in die Unterkunft gehen, ihnen einen Infobrief (möglichst in der Muttersprache) und einen Stadtplan überreichen und ihnen Angebote unterbreiten, die sie in Kierspe wahrnehmen können.

Es ist nun an den Kiersper Vereinen, genau solche Angebote zu erarbeiten, die dann bei der nächsten Sitzung des Runden Tisches am Mittwoch, 14. Januar, ab 17.30 Uhr zusammengetragen werden.

Bereits am Dienstag wurden erste Vorschläge gemacht und etliche Kiersper haben sich bereit erklärt, Deutschkurse anzubieten, da die Integrationskurse der VHS nur einem sehr eingeschränkten Kreis unter den Flüchtlingen zur Verfügung stehen.

Einig war man sich auch schnell, dass man die Flüchtlinge gezielt nach ihrer Konfession, ihren Interessen und ihrer beruflichen Qualifikation befragen solle. Derzeit unterbleibe das von Seiten der Stadt, da dies für die Grundsicherung keine Rolle spiele und die Menschen sowieso einem Arbeitsverbot unterliegen würden.

Damit wollten sich aber weder Pfarrer Martin Ahlhaus noch der Sozialausschuss-Vorsitzende Clemens Wieland zufriedengeben. Ahlhaus: „Die Menschen kommen zum großen Teil aus einem Überlebenskampf und Religionskrieg. Da ist es schon wichtig zu wissen, mit wem sie sich künftig ein Zimmer teilen. Vor allem, wenn es nur junge Männer sind, die gemeinsam ihre Zeit verbringen müssen.“ In der Praxis der Bezirksregierung, der Stadt Kierspe ausschließlich junge Männer zuzuweisen, sahen viele der Besucher des Runden Tisches ein Problem. Und so forderte Karl-Heinz Kraus, der die Moderation übernommen hatte, die Stadt auf, sich doch dafür einzusetzen, Kierspe auch Familien zuzuweisen. Olaf Stelse, erster Beigeordneter, wollte dieses auch gerne tun, versprach sich allerdings wenig davon: „Da fragt die Bezirksregierung nicht nach, die weist einfach zu.“ In ähnlicher Art musste auch Patrik Sgobio, der für die Flüchtlinge bei der Verwaltung zuständig ist, antworten, als er danach gefragt wurde, mit wie vielen Flüchtlingen Kierspe noch zu rechnen habe: „Das richtet sich nach einer Quote, die fortlaufend den Flüchtlingszahlen angepasst wird.“

Derzeit seien rund 100 Menschen aus zahlreichen Länden in Kierspe angekommen, weitere sieben würden in den kommenden Tagen erwartet.

Die ersten ziehen in Kürze in eine Wohnung an der Kölner Straße. Diesen soll beim Umzug und bei der Einrichtung geholfen werden. Auch dafür fanden sich gestern Helfer aus den Reihen der Besucher des Runden Tisches. Und es gab eine Einladung an die „Neubürger“, an einer Feier von Hand in Hand im Bürgerzentrum am Heiligen Abend teilzunehmen.

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