VHS: Frauen im Islam sind Thema

Die Zuhörer hatten viele Fragen. Dr. Aysegül Altun von der VHS Volmetal moderierte die sich anschließende Diskussion.

Kierspe - Kopftuchmädchen: Das „Unwort des Jahres“ wurde durch den Bestseller von Thilo Sarrazin populär und in der Tat ist für viele Menschen die Kopfbedeckung muslimischer Frauen das Symbol schlechthin für religiös motivierte Unterdrückung und Diskriminierung.

Alles Vorurteile, meinte dazu Referentin Amtul Kafi Shaheen. Im Nachgang zum Internationalen Frauentag hatte die Volkshochschule Volmetal zu einem Vortrag eingeladen, in dem die Rolle der Frau im Islam beleuchtet wurde. Shaheen ging dabei von den Quellen aus, dem Koran und der Hadit, einer Sammlung von Aussprüchen von und über Mohammed, die im Islam verbindlichen Charakter hat.

Die Quintessenz: Männer und Frauen hätten zwar unterschiedliche Rollen und Aufgaben, dennoch seien sie gleichwertig. Ein Mann, der sich Ehefrau, Mutter und Töchtern gegenüber respektvoll verhält, hat deshalb gute Aussichten auf einen Platz im Paradies. Das Verhüllungsgebot, das sich in ähnlicher Weise übrigens auch im Neuen Testament findet, war einerseits als Signal an die Männerwelt gedacht und gleichzeitig Symbol für ein gottesfürchtiges Leben. In diesem Sinne wird es heute ganz überwiegend von muslimischen Frauen getragen. Das Negativ-Image sei durch eine verzerrte Berichterstattung der Medien entstanden, meinte dazu Shaheen und entspreche nicht der Realität. Positive Beispiele wie das vergleichsweise hohe Bildungsniveau muslimischer Frauen würde nicht ausreichend gewürdigt.

Auch andere Fehlentwicklungen wie Ehrenmord oder Zwangsheirat könne man nicht dem Islam zuschreiben. Zu einer gültigen Ehe gehöre, dass die Frau einverstanden, also nicht etwa von der Familie zur Heirat genötigt worden sei. Und Mord sei ohnehin ein Verbrechen, egal ob mit oder ohne Ehre. „Ehre“ sei in Zusammenhang mit Familienkonflikten nichts anderes als das verletzte Ego der Väter. An dieser Stelle kamen kulturelle und traditionelle Einflüsse zur Sprache, die den Islam geprägt und überformt haben. Als Beispiel nannte Amtul Kafi Shaheen das hinduistische Kastenwesen, das auch in ihrer pakistanischen Heimat starken Einfluss auf Heiratsverhalten und Ehrgefühl habe.

Die 28-jährige Studentin der Sprach- und Kulturwissenschaften ist Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat, einer islamischen Religionsgemeinschaft, die 1889 in Indien gegründet wurde. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft wird in zahlreichen islamischen Ländern als nicht-muslimisch angefeindet, teilweise sogar verfolgt; die Referentin wollte sich deshalb auch nicht fotografieren lassen.

„Religion ist immer ein heikles Thema“, meinte dazu die VHS-Fachbereichsleiterin Dr. Aysegül Altun. Bei muslimischen Frauen seien vor allem soziale Herkunft und Bildung die entscheidenden Faktoren auf dem Weg zum Spracherwerb und damit zur Integration in die deutsche Gesellschaft. - Birgitta Negel-Täuber

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare