1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Kierspe

Verwirrung um geförderten Glasfaserausbau in Kierspe

Erstellt:

Von: Fabian Paffendorf

Kommentare

Glasfaser-Ausbau
Ist der Glasfaser-Ausbau im Märkischen Kreis ein Garant für schnelles Internet? Nicht sofort für jeden, wie sich etwa in Kierspe zeigt © Matthias Rietschel/dpa

Der Breitbandausbau im Märkischen Kreis schreitet weiter voran. Bis Juni 2023 sollen rund 44 650 Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen sein – finanziert durch ein Förderprogramm mit Mitteln von Bund, Land und Kreis. Aber wer profitiert jetzt wirklich vom schnellen Internetanschluss und wer nicht?

Kierspe – In Kierspe herrscht Verwirrung darüber, was sich nun hinter dem sogenannten „Open Access“, der die Bedingung für den staatlich geförderten Ausbau ist, verbirgt. So sieht sich zum Beispiel die Familie Kresken mit stets widersprüchlichen Aussagen darüber konfrontiert. Das trübt die Freude, hoffentlich bald ans schnelle Netz angeschlossenen zu werden, in nicht geringem Maße, wie Lioba Kresken sagt. Dabei habe anfangs die Sache noch ganz anders ausgesehen. Vor gut zwei Jahren habe in ihrem Briefkasten und in jedem anderen in der Nachbarschaft jeweils ein Informationsschreiben der Stadt Kierspe gelegen, aus dem zu entnehmen gewesen sei, dass alsbald die neue Glasfaserleitung verlegt werde und zukünftig auch nutzungsbereit sei.

Zugang zum Netz ist grundsätzlich „diskriminierungsfrei“

Die ausführenden Arbeiten dafür übernehme die Telekom, der Zugang zum Netz aber grundsätzlich „diskriminierungsfrei“ auch von anderen Anbietern möglich sein – eben „Open Access“, zu Deutsch: ein offener Zugang. Vermeintlich gute Nachrichten für die Familie, denn deren Haushalt wird bisher durch das Kabelnetz des Anbieters 1&1 abgedeckt, das nur gemäßigte Internet-Geschwindigkeit bietet. Ein Durchmessen der Leitungen zu Anfang des Jahres ergab, dass nur eine minimale Datenübertragungsrate gegeben ist, protokolliert und offiziell von Technikern belegt, ist das auf 36 Seiten.

Wenn jetzt durch die „Open Access“-Option der Anbieter der Familie Kresken Zugriff auf die von der Telekom ausgeführte Breitbandverbindung hätte, würde die Sache also ganz anders aussehen. Die Mitarbeiter der Telekom kamen, besorgten die Verlegung der Glasfaserleitungen direkt ins Haus. Doch statt Highspeed-Lust herrscht jetzt Internet-Frust bei Familie Kresken vor. Der Ärger nahm seinen Lauf, als man auf Anfrage beim Anbieter 1&1 nach der Breitbandbereitstellung fragte. „Man teilte mir mit, dass der erfolgte Ausbau nicht der Netzverfügbarkeit unterliege, darum könne 1&1 auch weiterhin nur die Internetverbindung über das Kupferkabel anbieten“, sagt Lioba Kresken. Sehr verärgert habe sie kurz darauf dann der unangekündigte Besuch eines Telekommitarbeiters.

Anbieterärger bereits am alten Wohnort

Der habe gar behauptet, dass nur bei einem Anbieterwechsel zur Telekom ein zeitnaher, kostenfreier Anschluss innerhalb des Hauses möglich wäre. Behauptet habe jener außerdem, dass die Telekom als Bereitstellerin des Anschlusses ein zweijähriges Bestandsrecht auf die Nutzung der neuen Leitung hätte. „Wir sind bis Mai 2023 an den Vertrag mit 1&1 gebunden und möchten auch danach nicht zur Telekom wechseln. Wir haben an unserem alten Wohnort viel Ärger mit der Telekom als Anbieterin gehabt“, erklärt Lioba Kresken. Und das 1&1 sich kostenpflichtig in das Telekom-Netz einmieten könnte, habe man ihr als zu teuer und daher unrealistisch beim Anbieter beschrieben.

Man fühle sich geradezu erpresst, den Anbieter zu wechseln. Im nächsten Schritt hat sich die Familie an die Stadt Kierspe und an die Bundesnetzagentur gewandt, denn man will geklärt haben, was es nun mit der „Open Access“-Leitung wirklich auf sich hat. Helmut Heidemann, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Kierspe, ist nicht der Meinung, dass Familie Kresken da was falsch verstanden haben könnte, was die Netzverfügbarkeit angeht. „Was man der Frau erzählt hat, ist natürlich totaler Quatsch“, sagt Heidemann und verweist auf den Fachdienst Digitalisierung und IT des Märkischen Kreises. Dessen Leiter und zugleich Ansprechpartner was das Projekt angeht, Matthias Pohl, widerspricht ebenso dem, was die Anbieter gegenüber der Kiersper Familie behauptet haben sollen.

Fertigstellung des Netzes ist noch nicht gegeben

„Im konkreten Fall der betroffenen Kundin ist Open Access grundsätzlich gewährleistet. Beispielsweise bietet das Unternehmen 1&1 eigene Dienste auf dem geförderten Netz an. Eine Buchung ist allerdings frühestens nach Fertigstellung, Dokumentation und Inbetriebnahme des Netzes möglich“, so Pohl. Die Fertigstellung des Netzes sei in diesem konkreten Fall aber bisher noch nicht gegeben. Überdies komme es hinsichtlich des Themas immer wieder zu Missverständnissen.

Fakt ist, dass der Märkische Kreis sich am Bundesförderprogramm für den Glasfaserausbau beteiligt hat, die Anschlüsse durch Bundes-, Landes- und Kreismittel sowie einem kommunalen Eigenanteil finanziert werden und für die jeweiligen Haushalte keine Anschlusskosten in der Akquisephase dadurch entstehen. In einer europaweiten Ausschreibung haben die Telekommunikationsgesellschaft Mark mbH für den Ausbau in Iserlohn und Menden, die Telekom Deutschland GmbH den Ausbau in allen anderen Städten und Gemeinden des Märkischen Kreises den Zuschlag für den Ausbau erhalten.

Telekom hat mit dem Wettbewerber 1&1 Vertrag abgeschlossen

Fremdanbieter, die einen Vertrag über die Nutzung der neuen Leitungen mit den ausführenden Unternehmen geschlossen haben, können ihren Kunden die Breitbandverbindung anbieten – ohne dass ein Anbieterwechsel notwendig wäre. Auf Anfrage der Meinerzhagener Zeitung bestätigt dies ebenso der Telekomsprecher Maik Exner: „Die Telekom hat mit dem Wettbewerber 1&1 einen entsprechenden Kooperationsvertrag abgeschlossen, sodass Tarife und Produkte von 1&1 im Netz der Telekom angeboten werden können.“ Dies betreffe natürlich nur die Adressen, an denen bereits bautechnisch alles fertiggestellt werden konnte.

Tatsächlich ergeben die Online-Verfügbarkeitsprüfungen auf den Seiten der Telekom sowie des Anbieters 1&1 derzeit noch keinen positiven Bescheid für die Wohnadresse der Familie Kresken. Entgegen deren Informationsstand seien die Arbeiten also noch nicht gänzlich abgeschlossen.

Auch interessant

Kommentare