Kastanienallee steht schon wieder zur Disposition

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Werden jetzt nur die verabredeten Bäume, unter anderem die aus Sicherheitsgründen bereits geköpften, entfernt oder doch alle Rosskastanien? Mit dieser Idee befasst die Verwaltung trotz des vereinbarten Kompromisses erneut den Umwelt- und Bauausschusses. ▪

KIERSPE ▪ Die Kastanienallee bei Haus Isenburg kommt nicht zur Ruhe und bekommt so auch keine Chance, um sich vielleicht wieder etwas zu erholen. Nachdem aufgrund des erzielten Kompromisses der Befürworter der Fällung und ihrer Gegner 27 Bäume entfernt wurden oder zumindest schon einmal ihre Krone gekappt wurde, droht jetzt erneut dem kompletten Baumbestand die Fällung. Mit diesem Vorschlag kommt die Verwaltung auf der Tagesordnung des Umwelt- und Bauausschusses, der vor rund eineinhalb Jahren Jahren bereits einmal für die Radikallösung votiert hatte. Das Gremium tagt am kommenden Dienstag um 17 Uhr im Rathaus.

Die Stadt hatte immer wieder Gutachten beauftragt, um den aktuellen Zustand der Allee zu ermitteln. Dazu wird ausgeführt: „In jedem Gutachten werden Schäden aufgezeigt, die eine rasche Fällung der betroffenen Bäume erfordern und auch wird der weitere Befall der noch ungeschädigten Bäume vorhergesagt.“ Diese Prognosen seien bislang eingetroffen, lautet das Fazit. Aus dem Grund sei abzusehen, dass alle Bäume früher oder später gefällt werden müssten, so die Vermutung. Vor diesem Hintergrund müsse die Frage einer kompletten Neuanpflanzung diskutiert werden, meint die Verwaltung zu ihrer gestarteten Initiative.

Als Hilfsargument wird außerdem angeführt, dass der Auftrag des Rates, Flächen zur Anlage einer Bürgerallee zu suchen, bislang ohne befriedigendes Ergebnis verlaufen sei. Grundsätzlich mangele es an der Bereitschaft der Eigentümer, Flächen zur Verfügung zu stellen. Daher hält die Verwaltung, die Anpflanzung der Bürgerallee anstelle der alten Rosskastanien bei der Isenburg für eine überlegenswerte Alternative, zumal es sich hier um einen Bereich handelt, der sich im städtischen Besitz befinde.

Das Fällen der Bäume soll an einer Firma vergeben werden. In dem Zusammenhang müssten wegen des bakteriellen Pseudomonasbefall auch die Baumstümpfe restlos aus dem Erdreich entfernt werden. Wie weit die Ideen schon gediehen sind, zeigt sich auch daran, dass die Verwaltung sogar schon bereit steht, um konkrete Angebote von Fachfirmen einzuholen. Während Fördermittel für die Beseitigung der Bäume nicht in Aussicht stehen, können für Neuanpflanzungen von Alleen noch Zuschüsse beantragt werden, denn diese würden vom Land Nordrhein-Westfalen noch bis zum Jahr 2015 gewährt, danach nicht mehr – ein weiteres Hilfsargument für die Komplettfällung. So fördere das Land 80 Prozent der Gesamtkosten bis zu einem Höchstsatz von 500 Euro pro Baum. Dabei liege die Bagatellgrenze bei 12500 Euro und die Mindestlänge der Allee müsse 300 Meter betragen.

Die Pläne sind sogar noch konkreter: So hat die Verwaltung bereits genau ausgerechnet, dass bei einem Abstand von mindestens zehn Metern 42 Bäume beidseitig gepflanzt werden könnten. Als standortgerechter Baum wird die Winterlinde vorschlagen. Eine solche Pflanze mit einem Stammumfang von 25 bis 30 Zentimetern und einer Höhe von fünf bis sechs Metern koste 330 Euro brutto. Für die Pflanzung kämen noch weitere 110 Euro hinzu. Für diese 440 Euro könnte die Stadt mit einer Bezuschussung in einer Größenordnung von 352 Euro pro Baum rechnen. Die Gesamtkosten der Neuanpflanzung würden somit 18 480 Euro betragen, die Landesförderung 14 784 Euro und der Eigenanteil der Stadt 3696 Euro. Alles ist also längst genau abgeklärt.

Für die vielen Bürger, die sich für die Erhaltung des historischen Baumbestandes eingesetzt haben, ist diese Vorgehensweise natürlich eine schallende Ohrfeige und kann nur für Politikfrust sorgen. Sogar die erste Reaktion der Naturschützer war resignativ. Von dem erzielten Kompromiss ist nichts übriggeblieben: Schnell waren aus den anfänglich 24 zur Fällung vereinbarten Bäumen aus dem vorderen Teil der Allee dann 27 geworden und zuletzt kamen jetzt wieder weitere fünf nach Aussage des Gutachterbüros Reinartz und Schlag aus Köln mit Pseudomonas befallenene Bäume hinzu, wie es an einigen Symptomen wie Absterben der Krone, Ausfluss, Rindenschäden sowie zerstörende Pilze festgemacht wird. Die Rede ist im Fall von zwei Bäumen, einer davon rechts weiter in Richtung Büchen, inzwischen sogar von ganz massiven Schäden, so dass sie sofort gefällt werden müssten, so das Fachbüro.

Die bislang erst nur geköpften Bäume sollten in diesem Jahr eigentlich komplett gefällt werden. Vor der Auftragsvergabe wird nun jedoch nochmals versucht, die gesamte Allee zu entfernen, um so wieder zu dem von der Kettensägenfraktion im Ausschuss und im Rat von vornherein favorisierten Beschluss zurückzukehren.

Rolf Haase

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