Verein Hand in Hand hilft über 700 armen Menschen

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Die Verwaltung und der Sozialausschuss waren am Mittwochnachmittag eingeladen, sich über die Arbeit des Vereins Hand in Hand vor Ort zu informieren. Dazu gehörte ebenfalls ein Rundgang, hier der Besuch der Kleiderkammer. ▪

KIERSPE ▪ Der begonnene Austausch zwischen dem Vorstand des Vereins Hand in Hand und der Verwaltung sowie der Politik soll unbedingt fortgesetzt werden, das wurde am Mittwochnachmittag am Schluss des zweistündigen Treffens fest vereinbart.

So produktiv empfanden beide Seiten das erste Gespräch direkt vor Ort im städtischen Bürgerhaus, wo der Verein mit seinen verschiedenen Aktivtäten zum Wohle der Ärmsten in Kierspe seit 2010 zu Hause ist. Die nächste Zusammenkunft soll in rund einem halben Jahr sein. Bis dahin will der Vorstand die besprochenen Ideen zur weiteren Verbesserung der Betreuung der Menschen aufarbeiten, um dann konkret zu sagen, wie die Stadt die Arbeit unterstützen kann. Dass diese gerne ideelle Hilfe leisten möchte, wo es geht, daran ließ Bürgermeister Frank Emde keinen Zweifel.

Begleitet wurde das Stadtoberhaupt vom Beigeordneten Olaf Stelse und von der Sozialamtsleiterin Rita Kattwinkel. Der Verein hatte die Verwaltung sowie außerdem jedes Sozialausschussmitglied persönlich zu dem Austausch mit anschließender Besichtigung der Einrichtung des sozialen Bürgerzentrums eingeladen und dafür extra den Tag mit dem größten Besucheransturm wegen der Lebensmittelausgabe ausgewählt.

Etwas Enttäuschung war den Vorstandsmitgliedern schon anzumerken, dass aus dem politischen Gremium nur Johann Grella von der FDP und Helga Stahl von der SPD erschienen waren und alle anderen Mitglieder durch Abwesenheit glänzten. Wobei die Grünen sich wegen der parallel stattfindenden Stolpersteinverlegung in Meinerzhagen entschuldigt hatten.

Einleitend stellte Vorsitzender Martin Ahlhaus kurz die Arbeit und die Angebote mit der Lebensmittelausgabe, der Kleiderkammer, der Fundgrube mit Büchern, Elektro- und Haushaltsgeräten, Computern und Zubehör, dem Begegnungscafé, der allgemeinen Sozialberatung und dem Essen in Gemeinschaft vor. Auch auf die Kooperation mit der Volkshochschule, über die besonders kostengünstig Bildungs- und andere Kursangebote genutzt werden können, wurde hingewiesen.

Ahlhaus bedankte sich bei der Stadt jedoch auch dafür, dass im vergangenen Jahr zwei weitere Räume genutzt werden durften, um das Angebot erweitern zu können, machte zugleich allerdings auch deutlich, dass der Verein schon wieder vom Platz her an Grenzen stoße.

Bei der Klientel gebe es, wie er berichtete, einen kontinuierlichen Stamm. Ulrich Fülber nannte die genauen Zahlen: Insgesamt würden 736 Menschen betreut, darunter 298 Kinder. Von den ausgegebenen 408 Besucherkarten seien 341 gültig beziehungsweise aktiv. „Wie man sieht, macht der Anteil der Kinder nur ein Drittel aus. daher kann man vor Ort nicht unbedingt von einer extremen Kinderarmut sprechen“, lautete sein Fazit.

Ahlhaus befand einerseits, dass Armut bei einem so reichen Land wie Deutschland eigentlich nicht sein müsste, und doch gebe es sogar wirklich bittere Armut, aber überwiegend versteckt. Die Lücke, die zwischen Arm und Reich klaffe, werde größer. Andererseits freute er sich, dass von den Betroffenen selbst oft das Signal komme, dass die Existenz von Hand in Hand ein Segen sei.

Bürgermeister Frank Emde dankte dem Verein für sein großartiges Engagement und die nunmehr schon mehrjährige Tätigkeit zum Wohle der Menschen, denen es vor Ort nicht so gut gehe. Die Verwaltung wie auch der Stadtrat wüssten genau, wie wichtig die geleistete Arbeit sei. „Ich freue mich, dass es diese Einrichtung inzwischen gibt“, erklärte er.

Zwischen den Gesprächsteilnehmern entstand ein intensives Brainstorming, bei dem es vor allem darum ging, wie die Menschen besser erreicht und an Freizeit- sowie besonders Bildungsangebote herangeführt werden können. Denn eine bessere Bildung wurde allgemein als der Schlüssel zur Verbesserung ihrer persönlichen Situation gesehen.

Abschließend berichtete Claudia Lüsebrink-Wirth noch von einer geplanten Museumsfahrt als neues Angebot und Martin Ahlhaus davon, dass die Arbeit inzwischen einen solchen Umfang angenommen habe, dass sie ehrenamtlich allein nicht mehr zu leisten sei und daher gerade eine hauptamtliche Kraft gesucht werde. Sie soll dann unter anderem auch die Weiterbildung der inzwischen rund 100 ehrenamtlichen Helfer koordinieren, zudem den Ausbau der Angebote vorantreiben, Netzwerk- und Kontaktarbeit übernehmen und Präsenz im Bürgerzentrum zeigen.

Rolf Haase

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