Vertreterversammlung der Volksbank Kierspe findet erstmals digital statt

Auch in Pandemiezeiten erfolgreich

Corinna Hohage-Jentsch wurde in den Aufsichtsrat der Volksbank Kierspe gewählt. Dazu gratulierten der Aufsichtsratsvorsitzende Guido Benninghaus (rechts) und die Vorstandsmitglieder Stephan Baldschun (links) und Stephan Böhse.
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Corinna Hohage-Jentsch wurde in den Aufsichtsrat der Volksbank Kierspe gewählt. Dazu gratulierten der Aufsichtsratsvorsitzende Guido Benninghaus (rechts) und die Vorstandsmitglieder Stephan Baldschun (links) und Stephan Böhse.

Kierspe – Mit aller Kraft stemmt sich die Volksbank Kierspe gegen den Trend. Während mit einem Einbruch der Wirtschaft in Deutschland von 5,5 Prozent in diesem Jahr gerechnet wird und in Europa sogar ein Minus von 7,6 Prozent prognostiziert wird, liegt die Volksbank im Plus – wird im Kreditgeschäft vermutlich zu dem sehr guten Jahr 2019 um drei Prozent (2,8 Millionen Euro) zulegen.

Obwohl es bei der Vertreterversammlung der heimischen Bank in erster Linie um das Geschäftsjahr 2019 ging und damit um ein Jahr, in dem die Corona-Pandemie keine Rolle spielte, war diese doch eines der beherrschenden Themen mit Auswirkungen auch auf die Mitgliederkonten.

Denn die Dividende, die über Jahrzehnte bei der Volksbank Kierspe mit einer Verzinsung von 6,5 Prozent auf die Mitgliederanteile deutlich höher lag als die der meisten anderen Volksbanken, wird nicht gezahlt. Ursache dafür ist eine dringende Empfehlung der deutschen Bankenaufsicht (Bafin). Diese kann zwar kein Verbot von Dividenden-Ausschüttungen anweisen, hat den Banken aber, laut Volksbank-Vorstand Stephan Baldschun, unverhohlen gedroht, im kommenden Jahr sich die Banken genau anzuschauen, die Dividenden zahlen. „Wir wollen mit der Bafin keinen Streit“, so der Vorstand.

Eine Position, die auch der Aufsichtsrat einnimmt, wie dessen Vorsitzender Guido Benninghaus bekräftigte. Letztlich stimmten dann auch die Vertreter bei einer Enthaltung für das Einbehalten der Dividende. Das taten sie am Donnerstagabend übrigens nicht per Handzeichen oder Stimmkarten, sondern mit einem Klick am Computer. Denn erstmals in der Geschichte der Volksbank Kierspe fand die Versammlung nicht im eigenen Haus, sondern digital statt.

18 der 61 Vertreter hatten die Gelegenheit genutzt, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und waren der Einladung zu der Veranstaltung am heimischen Rechner gefolgt. Auf den Bildschirmen waren dann die jeweiligen Redner als Standbild, die Folien der Punkte, über die gerade gesprochen wurde, und die Abstimmungsergebnisse sichtbar.

Die Teilnehmer konnten sich in einem parallel laufenden Chat austauschen und sich auch per Knopfdruck zu Wort melden, eine Möglichkeit, von der aber kein Gebrauch gemacht wurde.

Man merkte Aufsichtsrat und Vorstand deutlich an, dass diese sich gewünscht hätten, die Zahlen von 2019 in einem anderen Umfeld zu präsentieren. Denn mit einem starken eigenen Kreditwachstum von 11,2 Millionen (2018 betrug die Kreditsumme 84,4 Millionen, Ende des vergangenen Jahres waren es 95,6 Millionen) waren Zahlen erreicht worden, die große Zufriedenheit auslösten. Auch im Verbundgeschäft (gemeinsam mit Partner wie DZ-Bank oder Bausparkasse) ist die Bank deutlich gewachsen – und auch bei den Einlagen, dort von 102,8 aus 105,2 Millionen Euro.

All diese Zahlen wirkten sich natürlich auch positiv auf das Gesamtergebnis aus, das sich im „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ widerspiegelte. 1,099 Millionen Euro wurden vor Steuern verzeichnet. Die gezahlten Steuern betrugen 338 000 Euro. Letztlich übrig bleibt ein Bilanzgewinn von 261 000 Euro, von dem wiederum 31 000 Euro in die gesetzliche Rücklage und die übrigen 230 000 Euro in sogenannte Ergebnisrücklagen gehen. Letztere sollen helfen, das Unternehmen für härtere Zeiten, die Aufsichtsrat und Vorstand durch die Pandemie erwarten, zu rüsten. Hätte sich das Unternehmen entschieden, Dividenden zu zahlen, dann wäre die Rückstellung deutlich geringer ausgefallen, denn allein für die Dividenden hätten 100 000 Euro ausgezahlt werden müssen.

Abstimmen durften die Vertreter im Laufe der Versammlung natürlich nicht nur bei dem Verzicht auf die Dividenden, sondern auch bei der Verabschiedung der Bilanz (einstimmig), der Wiederwahl eines Vorstandsmitglieds (einstimmig) und der Wahl eines neuen Aufsichtsratsmitglieds (zwei Gegenstimmen).

Der Aufsichtsrat der Bank und sein neues Mitglied

Im Rahmen der Vertreterversammlung gab es auch Wahlen zum Aufsichtsrat. Einstimmig (bei einer Enthaltung) wurde Lutz Fetting, der dem Aufsichtsrat seit 2005 angehört, wiedergewählt.

Aus beruflichen Gründen ist im Dezember des vergangenen Jahres Volker Thomas aus dem Vorstand der Volksbank Kierspe ausgeschieden.

Mit zwei Gegenstimmen wurde Corinna Hohage-Jentsch gewählt, die nun das sechsköpfige Gremium komplettiert. Hohage-Jentsch wurde 1981 in Lüdenscheid geboren und wuchs auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schalksmühle auf. Nach dem Abitur entschied sich Hohage-Jentsch zu einer Ausbildung als Tierarzthelferin, wo sie Erfahrungen auch in einer Großtierpraxis sammelte. Später studierte sie Agrarwirtschaft mit dem Schwerpunkt Tierproduktion. Wissen, das sie auf dem eigenen Betrieb einbringen konnte, auf dem sie bis 2012 angestellt war und den sie dann übernommen hat. Zusätzlich zu diesem eigenen Betrieb bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihrem Mann Lars Jentsch einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in Varmert. Neben der Führung der beiden Betriebe und der Betreuung der beiden Kinder engagiert sich Hohage-Jentsch im Öffentlichkeitsausschuss des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes.

Dem Aufsichtsrat gehören an: Guido Benninghaus (Vorsitzender), Harald Klingelhöfer (stellvertretender Vorsitzender), Stefan Filthaus, Wolfgang Käse, Lutz Fetting und nun auch Corinna Hohage-Jentsch.

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