Vertrackte Episoden vor vertrauter Kulisse

Beim Signieren ergab sich die Gelegenheit zum Gespräch.

KIERSPE - Wir schreiben das Jahr 1985: Handys und Computer stecken noch in den Kinderschuhen, Modern Talking landet mit You’re My heart, You’re My Soul einen Nummer-Eins-Hit und Musik wird auf Tonbandkassetten aufgenommen. Wer das Buch „Sokengruch” der beiden ehemaligen Gesamtschüler Thomas Block und Ingo Jung aufschlägt, begibt sich auf eine überaus turbulente Reise in die Zeit, in der Nietengürtel, farbige Stulpen und bunte Riesenohrringe allgegenwärtig waren. Auch die Geschichte handelt von einer Reise, wobei das Wort Himmelfahrtskommando die Geschehnisse besser beschreibt.

Am Samstagabend stellten die beiden Autoren ihr Buch im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule vor - hier erlebten sie während ihrer Schulzeit vieles von dem, was in veränderter Form und eingebettet in eine erdachte Geschichte in ihr Buch einfloss.

Alles beginnt ganz harmlos mit einer Klassenfahrt der 9.5 der Gesamtschule und entwickelt sich langsam aber stetig zu einem echten Fiasko. Während Lehrer Reinhard Beller trotz seines berüchtigten Charmes zunächst bei der attraktiven und mit Leoparden-Pumps beschuhten Kollegin nicht punkten kann, entsteht im Bus ein unübersehbares, aber immer noch überschaubares Chaos: Mitschüler Gernod übergibt sich mit den Worten „Mir ist ein bisschen schlecht” schwungvoll in den Mittelgang, wenig später sind Karsten und Olga verschwunden. Die Ahnung, sie könnten auf der Bustoilette zu finden sein, erweist sich nach dem gewaltsamen Öffnen der Türe als falsch. Tatsächlich stehen die beiden am Rande der A45 zwischen Hagen und Lüdenscheid, genau an der Stelle, wo der Busfahrer anhielt, um nach seiner „Klaus & Klaus“-Kassette zu suchen.

Das turtelnde Paar macht sich auf den Weg zum nächsten Rastplatz, um zu trampen. Zugleich gerät auch eine alte Dame im fliederfarbenen Kostüm auf Abwege. Aufgrund der sehr unglücklichen Verkettung der Ereignisse landet sie im Reisebus der Schulklasse. Die Polizei vermutet nach dem Verschwinden der Dame ein Verbrechen, geht aufgrund ihrer Vergangenheit sogar von einem terroristischen Hintergrund aus und leitet einen Großeinsatz der Sondereinsatzkommandos der Bundesrepublik Deutschland ein.

Die beiden Autoren Thomas Block und Ingo Jung stellten ihr Buch mit unübersehbarem Vergnügen vor und beschrieben süffisant lächelnd die vertrackten Ereignisse und amüsanten Episoden. Die beiden genossen an diesem Abend alle Vorteile eines „Heimspiels“: Ehemalige Lehrer und Klassenkameraden, viele Freunde und Bekannte ließen sich das „Lese-Event” nicht entgehen, kaum ein Platz blieb unbesetzt.

Verleger Andreas Losigkeit vom Rheingauer Literaturverlag, der ebenfalls zwei Jahre die Gesamtschule besuchte, organisierte die Lesung und verlieh dem Abend Eventcharakter, indem er Musiker einlud und schon beim Start in die Lesung ungewöhnliche Akzente setzte. Bevor die Autoren auf die Bühne kamen, fetzte Anne Clarks „Our Darkness” und „Locomotive Breath” von Jethro Tull aus den Lautsprechern, während Losigkeit die Besucher aufforderte aufzustehen und die Hauptakteure des Abends rhythmisch klatschend zu begrüßen.

Mit seiner markanten Reibeisenstimme begeisterte Michael Holderbusch, Finalist der RTL-Sendung „Das Supertalent”, schließlich die Zuhörerschaft.

Auch die frühere Gesamtschülerin und Solistin Stephanie Klar erhielt für ihren temperamentvollen Auftritt mit dem Song „Street Life” stürmischen Applaus. Abgerundet wurde das musikalische Programm durch den schwungvollen Auftritt des Meinerzhagener Chors „Querbeet”.

Nach der Lesung signierten die beiden Autoren viele Bücher und kamen mit ehemaligen Mitschülern und Lehrern ins Gespräch. - Petra Schüller

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