Unabsichtlich Metall in Kierspe gestohlen?

Kierspe - Im Mai 2012 waren zwei Männer auf dem Kiersper Stadtgebiet unterwegs und nahmen von einem Parkplatz Stahlträger mit. Sie wollten nur das Stadtgebiet verschönern. Jetzt wurde der Angeklagte zu 20 Tagessätzen je 15 Euro verurteilt.

Von Johannes Becker

Glaubt man dem Angeklagten, dann schuldet ihm die Gesellschaft Dank. Denn letztlich war er nur um das optische Bild der Stadt besorgt und hatte deshalb die unansehnlichen Stahlträger in sein Auto geladen und damit quasi die Umwelt entlastet. Doch letztlich geht es in einer Gerichtsverhandlung nicht um Glauben oder Unglauben, sondern um Straftaten und deren Beweisbarkeit.

Am 12. Mai 2012 war der Angeklagte mit seinem Onkel und dessen Sohn auf Kiersper Stadtgebiet unterwegs. Die drei fuhren mit ihrem Transporter damals über die Volmestraße, als sie auf dem Parkplatz eines Unternehmens mehrere Stahlträger entdeckten. Die insgesamt 19 zwei Meter langen Träger wurden flugs in den Transporter geladen. Doch aus dem Erlös beim Metallhandel wurde nichts, denn der Firmenbesitzer hatte das „Tatfahrzeug“ mit seinem eigenen Wagen blockiert und die Polizei gerufen.

In einem früheren Verfahren wurde der Onkel zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung verurteilt, das Verfahren gegen dessen Sohn wurde eingestellt. Gegen den Angeklagten, der gestern vor dem Meinerzhagener Amtsgericht erschien, konnte damals nicht verhandelt werden, weil er sich zu dieser Zeit in seinem Heimatland Rumänien aufhielt. Am Dienstag stand der Mitzwanziger, der damals den Transporter gefahren hatte, vor Gericht und schilderte seine Sicht der Dinge: „Wir haben den Parkplatz neben der Straße gesehen und wollten eine Pause machen. Dabei haben wir die Stahlträger entdeckt und gedacht, diese lägen einfach da herum. Dann haben wir sie eingeladen. Als wir dann von dem Firmenbesitzer auf den Irrtum aufmerksam gemacht wurden, haben wir uns entschuldigt und wieder ausgeladen. Wir hatten nie die Absicht, etwas zu stehlen. Es war aber auch einfach nicht zu erkennen, dass die Stahlträger irgendjemandem gehörten.“

Das wollte Richter Guido Varney so aber nicht stehenlassen. „Man darf nur das mitnehmen, von dem man zweifelsfrei weiß, dass es niemandem mehr gehört. Sie scheinen wohl der Annahme zu sein, dass man alles mitnehmen darf, das nicht sofort einem Besitzer zuzuordnen ist.“

Auch die Staatsanwältin war nicht geneigt, die Geschichte des Angeklagten zu glauben. So war für sie auch klar, dass sie einer Einstellung des Verfahrens, wie das in dem Prozess gegen den Cousin des Angeklagten gehandhabt wurde, nicht zustimmen würde. Auch wenn der Angeklagte bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sei, eine Geldstrafe solle er schon bekommen.

Damit zeigte sich auch der Richter einverstanden und – nach dem Urteil – sogar der Angeklagte. 20 Tagessätze zu je 15 Euro muss er bezahlen – in Raten und an die Staatskasse. Leicht wird ihm das nicht fallen, denn als Beruf gab er Tagelöhner an. Ein antiquiert anmutender Begriff, der vielleicht auch der gewählten Ausdrucksweise der Übersetzerin geschuldet war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare