Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Kierspe

Landwirte sollen für besseres Image zahlen

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Die Folgen des trockenen Sommers werden die Landwirte wohl auch noch in diesem Jahr spüren.

Kierspe - Die Auswirkungen der Dürre, die Entwicklung des Milchpreises – vor allem aber die Finanzierung einer Imagekampgne waren die Themen, mit denen sich die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes auf ihrer sogenannten Winterversammlung beschäftigten.

Deutliche Worte der Kritik am eigenen Bauernpräsidenten übte Günter Buttighoffer, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, auf der Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Kierspe: „Nach der Trockenheit eine Milliarde Euro als Hilfe für die Landwirte zu fordern, war ein Fehler und hat ein negatives Echo hervorgerufen.“ Buttighoffer ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Trockenheit und Hitze vielen Landwirte erhebliche Probleme bereitet habe.

Letztlich seien aus dem Märkischen Kreis aber nur 35 bis 40 Anträge auf Unterstützung gestellt worden. NRW-weit seien es 600 gewesen. „Bei 42.000 Landwirten im Land zeigt das, dass wir in NRW noch mal glimpflich davongekommen sind“, formulierte es Buttighoffer, der auch betonte, dass das ebenfalls zeige, dass Hilfszahlungen nicht im Gießkannenprinzip ausgeschüttet würden.

Der Vorsitzende betonte aber auch, dass die Folgen der Dürre noch nicht überwunden seien: „Im März oder April könnte das Futter knapp werden.“ Ein Punkt, auf den der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) mit einer Futterbörse reagiert. Dort zeige sich bereits jetzt, dass Heu- und Grassilage gesucht würde, im Angebot wäre derzeit Mais aus der Region um Paderborn.

Das extreme Wetter im vergangenen Jahr war auch Thema bei der Begrüßung der Landwirte durch Reiner Grafe, dem Vorsitzenden des Ortsverbandes. Er mutmaßte, dass die Auswirkungen auch in diesem Jahr noch zu spüren seien, unter anderem durch die Schädigung der Grasnarbe.

Nur am Rand war bei der Versammlung der Milchpreis Thema. Dieser liegt derzeit bei durchschnittlich 34 Cent – und damit nach Angaben von Buttighoffer rund 3 Cent niedriger als noch vor einem Jahr. „Einige Molkereien haben bereits angekündigt, den Preis um weitere 1 bis 2 Cent zu senken“, so Buttighoffer zu den Aussichten.

Weiter gestreift wurden in der Rede des Kreisverbandsvorsitzenden auch die schlechten Erlöse bei der Schweinevermarktung, das Kastrationsverbot der Ferkel, das Verbot der Enthornung durch die Landwirte und die Vermeidung der Schlachtung von tragenden Rindern.

„Der WLV fordert ein besseres Wolfsmanagement. Der Wolf gehört nicht in eine so dicht besiedelte Region wie unser Land“, war seine klare Meinung. Am Rande ging er auch auf die Erhöhung des Grundbeitrags im WLV ein, der um 12,50 Euro steigt. Doch das liebe Geld wurde an anderer Stelle zum beherrschenden Thema. „Es gibt die Forderung nach mehr Öffentlichkeitsarbeit, dem wollen wir mit der Kampagne ,Landwirt schafft Leben’ nachkommen. Allerdings erhalten wir nicht die Unterstützung, die wir brauchen“, sagt Buttighoffer.

Die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes kamen zu ihrer Winterversammlung zusammen.

Im vergangenen Jahr hatte er bereits die Finanzierung der Kampagne vorgestellt. Der Plan war, dass die Landwirte freiwillig für jede Tonne Zusatzfutter, die sie bei der Genossenschaft kaufen, 1 Euro zusätzlich zahlen. Doch letztlich hätten landesweit nur zwei Prozent der Landwirte mitgemacht, „auch wenn die Zahlen im Märkischen Kreis etwas besser waren“, so der Kreisverbandsvorsitzende. Und weiter: „Wenn wir das jetzt nicht innerhalb eines Jahres auf die Beine stellen, ist das Projekt gestorben.“

Das wollte der Rönsahler Landwirt Ralf Crummenerl so nicht stehenlassen: „Dann kannst Du gleich aufhören. So ein Projekt muss langsam wachsen. Du weißt doch, wie stur die Bauern sind.“

Andere Landwirte meldeten sich mit Vorschlägen zu weiteren Geldgebern zu Wort. Da wurden Genossenschaften, Molkereien oder auch der Wupperverband genannt. Dem widersprach Kreislandwirt Dirk Voß: „Wir müssen das Geld besorgen. Wenn es läuft, dann können wir weitere Partner ins Boot holen.“ Er machte klar, dass es darum gehe, das Ansehen der Landwirtschaft zu stärken, vor allem in den Regionen, die immer weniger Bezug zum Land hätten. „Wir sind in der Wahrnehmung vieler Menschen an allem Schuld, sowohl am Klimawandel als auch am Bienensterben. Das stimmt so aber nicht – und das müssen wir den Menschen auch klar machen. Doch dafür brauchen wir Fachleute und die kosten nun mal Geld.“

Abschließend sagte Voß: „Wenn wir das jetzt nicht auf die Reihe kriegen, will ich nachher niemanden meckern hören.“

Vorgestellt wurde im Rahmen der Versammlung auch Nikola Galla, die nun als Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis tätig ist. Ganz unbekannt ist Galla aber nicht, hat sie doch bereits 17 Jahre lang für den Verband als Justiziarin gearbeitet. Die neue Geschäftsführerin stellte eine Kampagne vor, mit der es gelingen soll, jüngere Mitglieder in den Verband zu holen, da dieser drohe, zu überaltern.

Außerdem informierte sie darüber, dass die Aktion „Blühendes Band“ ausgeweitet werde. Ziel der Aktion ist es, dass die Landwirte kostenloses Saatgut erhalten, mit dem sie unter anderem am Rand ihrer Flächen Blühstreifen anlegen sollen.

Reiner Grafe nutzte diese Vorlage, um anzukündigen, dass man in Kierspe dabei gerne mitmache, vor allem weil die Kollegen in Halver, die im vergangenen Jahr von sich aus tätig wurden, sehr gute Erfahrungen mit der Anlage dieser Streifen gemacht hätten.

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