Verkehrskonzept: Bund soll Landstraße übernehmen

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Auch der Bund hält die Belastung auf der Kölner Straße für zu hoch. Doch der Bau der Südumgehung ist noch lange nicht in Sicht und würde wohl auch nicht die gewünschte Entlastung bringen. ▪

KIERSPE ▪ Seit Jahrzehnten macht der Schwerlastverkehr – aber auch Tausende Pkw, die tagtäglich unterwegs sind – den Anwohnern der Kölner Straße das Leben schwer. Helfen kann da nur eine Umgehungsstraße. Doch weder die Südumgehung noch der Lausebergaufstieg sind in Sicht. Damit sich dies ändert, gibt es nun eine neue Initiative der Stadt.

Dass die Kölner Straße dringend entlastet werden muss, weiß man auch beim Bund. Schließlich hat dieser die Südumgehung in den vordringlichen Bedarf aufgenommen. „Dort findet derzeit eine Vorplanung statt, wobei die Umweltverträglichkeitsstudie noch nicht vorliegt. Außerdem werden derzeit mehrere Varianten für eine Trassenführung untersucht. Dabei hat sich aber gezeigt, dass durch die schwierigen topografischen Verhältnisse sehr hohe Baukosten entstehen würden. Darüber hinaus wird sich die Entlastung auf die Kölner Straße nicht so stark auswirken, wie erhofft. Deshalb befürchten wir, dass der Bund die Straße aus diesen Gründen aus dem vorrangigen Bedarf nehmen könnte“, so Bürgermeister Emde, der aber auch betont, dass der Bau des Lausebergaufstieges deutliche Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung der Kölner Straße hätte. Emde: „Der Lausebergaufstieg würde dreimal mehr Verkehr von der Kölner Straße nehmen als die Südumgehung.“

Doch auch in diesem Bereich ist derzeit kein Weiterkommen in Sicht, weil die NRW-Landesregierung nur noch Straßen sanieren und neue nur dann bauen möchte, wenn bereits ein Bebauungsplan vorliegt. „Dort muss nur noch das Schallgutachten erstellt werden. Wenn das vorliegt, kann die Entwicklung des Bebauungsplanes fortgesetzt werden“, so der Bürgermeister. Allerdings wäre dies nach jetzigen Planungen für eine Realisierung des Lausebergaufstieges zu spät.

Da mit Land und Bund zwei verschiedene Geldgeber für die beiden Projekte einstehen müssten, kann auch nicht einfach Geld des Bundes, das für die Südumgehung zur Verfügung stehen würde, genommen werden, um es beim Lausebergaufstieg zu verbauen. „Letztlich wäre es aber die vernüftigste Regelung, wenn der Bund den Lausebergaufstieg bauen würde und damit für eine Entlastung innerhalb der Stadt sorgen würde“, so Emde. Verantwortlich für den starken Verkehr ist letztlich der Bund, der mit seinen Bundesstraßen dafür sorgt, dass zahlreiche Lastwagen, die aus dem Bereich Remscheid und Wuppertal kommen, nicht über die Autobahn Richtung Süden fahren, sondern die gut ausgebaute Bundesstraße (B 229) nehmen. Spätestens in Halver müssen die Brummi-Fahrer dann eine Entscheidung treffen, wie sie weiter Richtung Autobahn fahren. Da aber weder der Weg durch das Stadtgebiet Lüdenscheid noch die B 54 mit ihrer niedrigen Brückendurchfahrt attraktiv sind, nehmen die meisten Lkw den Weg über die L 528 in Richtung Kierspe, zerstören dabei den maroden Belag in den Eierkurven zusätzlich und sorgen für massive Belastungen auf der Friedrich-Ebert-Straße und auf der Kölner Straße, denn eine Weiterfahrt durch die Schnörrenbach ist aufgrund einer Gewichtsbegrenzung nicht möglich.

Emde: „Im Rahmen der Regionale wollen wir den Stadtteil Bahnhof aufwerten. Doch das kann nur gelingen, wenn ein großer Teil des Verkehrs von dieser Straße abgeleitet wird.“

Um zu einer für alle Seiten befriedigenden Lösung zu kommen, müssten Bund und Land letztlich die Besitzverhältnisse an den Straßen tauschen. Eine Maßnahme, in der nicht nur die Kommune Vorteile sähe. Allerdings drängt die Zeit, denn bereits in spätestens drei Jahren wird der Bund seinen Verkehrswegeplan überarbeiten. Dann könnte die Südumgehung aufgrund der extrem hohen Kosten aus dem vordringlichen Bedarf gestrichen werden. „Ein Überdenken der Verkehrsnetzbeziehungen“, nennt Emde diese Überlegungen.

Um bei den zuständigen Ministerien in Düsseldorf und Berlin Gehör zu finden, fand nun ein Treffen der Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus der Region mit den Fraktionsvorsitzenden der im Rat vorhandenen Parteien und Wählergemeinschaften sowie Vertretern der Verwaltung statt.

„Die Abgeordneten haben uns ihre volle Unterstützung bei unseren Plänen zugesagt“, so der Bürgermeister im Gespräch mit der MZ. ▪ Johannes Becker

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