Wenn 100 Euro in fast zwei Minuten verbrennen

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Cornelia Heller und Ayla Sengül aus dem Rewe-Markt wissen genauestens über die Knallkörper in ihren Regalen Bescheid. „Je bunter, desto besser“, lauten die meisten Kundenwünsche. ▪

KIERSPE ▪ „Nightmare“, „Devils Delight“ und „Fight Machine“ sind „mega, giga und wahnsinnig“. Superlative und teuflische Ausdrücke bilden die Werbestrategien für den Vertrieb der Feuerwerkskörper, die in der Silvesternacht in den Himmel steigen.

Verflogen ist die verträumte, selige Weihnachtstimmung, der Run auf die Knallkörper hat begonnen und die Händler und Kaufhäuser statten ihre Auslagen mit den verschiedensten Knalllkörpern aus. Kein Wunder, denn an nur drei Tagen werden in Deutschland mehr als 110 Millionen Euro in das Feuerwerk investiert.

„Was zählt sind die Effekte“, weiß Cornelia Heller aus dem Rewe-Markt in Kierspe. „Laut und bunt sollte es sein, darauf achten die Kunden“, so die Verkäuferin, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Ayla Sengül den Verkauf der Feuerwerkskörper betreut und schmunzelnd auf die verrückten Namen und Verpackungen der Ware blickt. „Aber das zieht, nur so etwas kaufen die Leute“, sagt sie und fügt hinzu, dass sie selbst lieber von weiter weg dem Feuerwerk zuschaut, „selbst zünden würde ich so eine Rakete nicht“. Das, so Heller, läge aber nicht an mangelnder Qualität, zumindest nicht bei den Produkten, die der Rewe-Markt verkauft. Man achte auf Gütesiegel und vertraue auf renommierte Hersteller. „Die gefährlichen Böller bekommt man vor allem im Internet.“

Worauf aber vor allen Dingen geachtet wird, sind die Altersbeschränkungen, die mit dem Verkauf von Silvesterknallern einher gehen. Unter 18 Jahren bekäme man nicht einen Knallkörper, so Cornelia Heller, „darauf achten wir sehr genau, auch mit Ausweiskontrollen“. Ein kleines Extrasortiment für Käufer ab 12 Jahren beinhaltet lediglich Wunderkerzen, Tischfeuerwerk und Bleigießen. Wenn aber Eltern mit ihren noch minderjährigen Kindern in den Markt kommen und das Ausgesuchte an der Kasse bezahlen, läge das natürlich im Ermessen der Erziehungsberechtigten, inwiefern der Sprössling mit den Raketen und Batterien umgehen könne. Der 12-jährige Lukas durfte sich eine Packung mit Raketen aussuchen, die sein Vater dann am Silvesterabend für ihn entzünden wird, denn „nur ein kleines Tischfeuerwerk ist auch total langweilig“, so Lukas.

Auf beste Qualität achtet auch Detlef Pilske, der als stellvertretender Filialleiter des Hagebaumarktes für den Feuerwerksverkauf zuständig ist und seit Langem um den boomenden Geschäftszweig zwischen Weihnachten und Neujahr weiß. An nur drei Tagen verkauft er rund 150 Kilo Feuerwerksmaterial, der Rewe-Markt sogar bis 300 Kilo. „70 Kilo dürfen wir im Markt präsentieren, das heißt wir müssen immer wieder auffüllen“, so Pilske.

Effektvolle Lichter und Batterien seien der Verkaufsschlager, Raketen gingen nicht mehr so gut. Am besten sei es, nur einmal die Zünschnur zu betätigen. So wie bei „Night Attack“, einer Batterie für knapp 100 Euro. Dafür bekommt man 115 Sekunden ein Feuerwerk in 40 Metern Höhe. 115 Sekunden sind gerade mal 1 Minute und 55 Sekunden, das macht 50 Euro pro Minute, eine stolze Summe. Und trotzdem ist es das den meisten Kunden wert.

„Die meisten Feuerwerkskörper verkaufen wir im Rahmen von bis zu 30 Euro, doch auch Deko-Artikel, wie zum Beispiel Kleeblätter, Schornsteinfeger und das Glücks-Schwein sind immer wieder der Renner“, so Pilske weiter.

Auch Martin und Alex Zwinger, die am Freitag mit ihrem Schwager Waldemar Vogelmann im Böller-Rausch durch Kierspe fuhren, möchten an ihrer ersten Silvester-Party ein „anständiges“ Feuerwerk entzünden, aber nur mit Batterien. Dafür sind sie bereit, 150 Euro und mehr zu investieren. „Wir klappern alle Geschäfte ab und schauen uns die besten Angebote an“, so Alex Zwinger. Ein Einkauf im Internet käme für ihn allerdings nicht in Frage, die Sicherheit gehe dann doch vor.

Friederike Domke

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