Zufall? – Zweimal der gleiche Wagen

Kierspe - Mit der Einstellung des Verfahrens endete am Dienstag ein Prozess wegen Betrugs. Allerdings nur, weil zwischen Tat und Verhandlung knapp eineinhalb Jahre vergangen waren und ein entscheidender Zeuge in Serbien lebt.

Angeklagt war ein 22-jähriger Kiersper, der am 9. November 2014 einen Freund in Hamburg besuchen wollte. Dort will er am frühen Morgen gegen 1.40 Uhr noch einmal zu seinem Wagen gegangen sein, um etwas aus dem BMW zu holen. Neben dem Wagen sei er von zwei Unbekannten zusammengeschlagen und des Fahrzeugschlüssels beraubt worden. Anschließend seien die Täter mit dem Wagen des Kierspers geflüchtet.

An dieser Darstellung hatte bereits nach der angezeigten Tat die Versicherung des 22-Jährigen Zweifel – und bis heute keinen Cent bezahlt. Ermittelt wurde aber damals noch nicht gegen den früheren BMW-Fahrer. Dazu kam es erst durch den aufmerksamen Besitzer einer Kfz-Werkstatt in Werdohl. Diesem hatte der Angeklagte rund fünf Monate nach dem Raub Teile eines baugleichen BMW angeboten, wie er ihm in Hamburg entwendet worden sein sollte. „Das kam mir alles sehr merkwürdig vor, deshalb habe ich mir das Kennzeichen des Transporters gemerkt, mit dem der Mann zu mir kam, und einem Bekannten bei der Polizei mitgeteilt.“ Dieser hatte schnell den Zusammenhang zwischen der angezeigten Tat in Hamburg und dem Teileverkauf in Werdohl hergestellt. Danach ermittelte die Staatsanwaltschaft. Gestern musste sich der Kiersper vor dem Amtsgericht in Meinerzhagen verantworten. Diesem präsentierte er eine abenteuerliche, aber nur schwer zu widerlegende Geschichte.

Er sei von einem Bekannten aus Serbien, der zufälligerweise einen baugleichen BMW fuhr und mit diesem einen Unfall gehabt habe, gebeten worden, doch den Motor und andere brauchbare Teile des Wracks in Deutschland zu verkaufen. Als er dann in Werdohl zufällig die Werkstatt entdeckt habe, sei es zu dem Angebot an den Inhaber gekommen. „Nein, Papiere des BMW aus Serbien hatte ich damals nicht“, erklärte er gestern auf Nachfrage.

Letztlich musste der Vorsitzende das Verfahren aber einstellen, da er sich nach der langen Zeit zwischen Tat und Prozess von einem Amtshilfeersuchen an die serbische Polizei wenig versprach.

Allerdings muss der Angeklagte seinen Verteidiger bezahlen – und er wartet immer noch auf das Geld von der Versicherung.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare