Mensa: Satt oder sauber?

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100 bis 200 Menüs werden jeden Tag in der Gesamtschul-Mensa ausgegeben. Dazu kommen noch Pommes, Nudeln und Pizza.

Kierspe - Sauber oder satt? Diese Frage stellt sich nicht mehr an der Gesamtschule – diese hat sich für sauber entschieden. Seit einiger Zeit gibt es keine Einwegverpackungen fürs Essen mehr, dafür aber weniger Müll im Gebäude – und beim Mensaverein einen deutlichen finanziellen Einbruch.

Tiefe Einblicke in das Innenleben des Mensa-Vereins bekamen die Politiker des Schul- und Kulturausschusses. Denn dorthin war der Vorsitzende des Mensavereins Stefan Wilczewski eingeladen worden, um über die Arbeit des Vereins zu berichten.

Obwohl selbst erst seit 19 Jahren an der Gesamtschule begann Wilczewski, der im Hauptberuf Schulpfarrer ist, mit einem Rückblick. Demnach sei es zur Gründung des Vereins durch die Unzufriedenheit der Schüler, Lehrer und Eltern gekommen, weil der Caterer, der in den Anfangsjahren der Schule für die Mittagsverpflegung sorgte, nicht die Erwartungen erfüllt habe.

Auf diese Zeit geht auch eine Vereinbarung mit der Stadt zurück, dass diese den Raum, Strom und das Wasser kostenlos zur Verfügung stellt – alle anderen Kosten müssen vom Mensaverein beglichen werden.

„So stand auch in den ersten fünf Jahren meiner Zeit als Vorsitzender das Bestreben, den Verein finanziell zu sanieren, im Vordergrund“, erzählt Wilczewski. Dazu habe man Angebote reduziert, keine Abendveranstaltungen mehr bewirtet, sowie die Personal- und Warenkosten reduziert.

Heute könnten die Schüler täglich und ohne vorherige Anmeldung aus zwei Menüs (eines davon vegetarisch) inklusive Salat und Dessert auswählen. Derzeit würde ein solches Menü 3 Euro, im Zehner-Abo sogar nur 2,80 Euro kosten. Wobei der Durchschnittspreis für Schulessen in NRW bei 3,50 Euro liege.

„Bis Ende des vergangenen Jahres haben wir auch immer noch ein sogenanntes To-Go-Essen angeboten.“ Dabei handelt es sich um Pommes frites, Pizza oder Nudeln mit Soße. „Doch die Beschwerden der Lehrer über die Vermüllung der Schule wurden so deutlich, dass wir uns im vergangenen Jahr dazu entschieden haben, diese Speisen nur noch auf Mehrwegtellern anzubieten. Der Verzicht auf die Einwegverpackungen hat zwar zu einem deutlichen Rückgang des herumliegenden Abfalls geführt, aber auch zu deutlichen Einbußen beim Umsatz“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Habe man früher im Schnitt 200 To-Go-Essen verkauft, seien es nun nur noch 100. Bei den Menüs gehen jeden Tag zwischen 100 und 200 Essen über die Theke.

Ein weiterer Kritikpunkt seien die sogenannten Durstlöscher gewesen, erzählt Wilczewski weiter. Dabei handelt es sich um einen Eistee, der in Tetrapacks verkauft wird. Da auch diese Verpackungen überall im Gebäude herumlagen, hat der Verein sie mit einem Pfand von 20 Cent belegt. „Dadurch konnten wir den Müll auf nahezu Null reduzieren und hatten bislang auch noch keine Einbußen beim Verkauf“, so Wilczewski. Ob das aber auch so bleibe, konnte er nicht sagen. Denn inzwischen haben die Lebensmittelkontrolleure bemängelt, dass die leeren Getränkekartons im gleichen Kiosk angenommen würden, in dem sie auch verkauft wurden. Nun überlegt der Mensa-Verein, eine eigene Rückgabe einzurichten. „Dafür haben wir aber kein Personal. Das müsste dann von Schülern übernommen werden.“

Um die Verluste beim To-Go-Essen auszugleichen, soll es ab Ostern selbst gemachtes Eis im Waffelhörnchen geben. Der Verein hofft auch, durch diesen Verkauf den generell geringeren Verkauf zwischen den Oster- und Sommerferien auszugleichen. „In den warmen Monaten sind die Schüler lieber draußen als in der Mensa.“

Freudig berichtete Wilczewski, dass man einen neuen Koch eingestellt habe, der aus dem Catering- und Eventbereich komme. „Deshalb wollen wir in Zukunft auch wieder die Bewirtung bei Abendveranstaltungen anbieten.“ So plane man beispielsweise die komplette Verpflegung am Tag der 50-Jahr-Feier der Schule im September zu übernehmen.

Als problematisch bezeichnete Wilczewski die Bereitschaft von Eltern und auch Lehrern, Mitglied im Mensaverein zu werden. „Derzeit haben wir rund 200 Mitglieder, doch die Zahl nimmt ab. Wir bemühen uns sehr um neue Mitglieder, doch es ist immer schwieriger, dabei erfolgreich zu sein.“ Bei den Lehrern komme hinzu, dass viele Pädagogen außerhalb wohnen würden, wodurch die Identifikation abnehme. Deutlich werde das auch bei der Besetzung des Vorstands, da gebe es unter den fünf Vorstandsmitgliedern gerade einmal einen Lehrer.

Auf Nachfrage berichtete der Vorsitzende, dass derzeit zehn Mitarbeiter beschäftigt würden, die meisten auf 450-Euro-Basis. Im Januar habe man 19 000 Euro erwirtschaftet. „Bei uns ist jeder Monat anders. Dazu kommen noch die Ferien und die warmen Monate, in denen die Schüler lieber draußen sind.“

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