Jugendbetreuer brauchen ein Führungszeugnis

Um Kinder und Jugendliche in Vereinen noch besser vor sexuell motivierten Übergriffen zu schützen, sieht das neu gefasste Kinderschutzgesetz nun neue Regelungen für die Jugendarbeit vor. - Fotos: privat

Kierspe - Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen – dies soll künftig noch besser und lückenloser gelingen. Daher hat der Gesetzgeber eine Neufassung des Kinderschutzgesetzes mit strengeren Richtlinien für alle Träger der freien und offenen Jugendarbeit herausgegeben. Dies betrifft vor allem die Vereine.

Von Petra Schüller

„Ehrenamtliche Übungsleiter oder Betreuer benötigen künftig ein erweitertes Führungszeugnis, das alle fünf Jahre erneuert werden sollte“, benennt Mandy Owczarzak, Fachkraft für Jugendarbeit des Kreissportbundes, die wesentliche Neuerung.

„Es geht darum, wirkungsvolle Prävention zu betreiben“, erklärt sie. „Wir gehen davon aus, dass es mögliche Täter abschreckt, wenn sie merken, dass in einem Verein ganz klare Grenzen gesetzt werden.“

Die Umsetzung sei gar nicht so kompliziert, wie es für die Vereinsvorstände auf den ersten Blick vielleicht aussehe, versichert sie. Im ersten Schritt seien diese dazu aufgerufen, eine Vereinbarung mit den Jugendämtern zu unterzeichnen, die bestätigt, dass die Vereine die Regelung umsetzen. „Nur wer dies tut, hat auch weiterhin Anspruch auf Fördermittel“, so Owczarzak. Im zweiten Schritt solle ein kurzes Schreiben aufgesetzt und unterschrieben werden, das belegt, dass der Übungsleiter oder Betreuer Mitarbeiter im Verein und ehrenamtlich aktiv ist. „Wer diesen Beleg bei der Beantragung des erweiterten Führungszeugnisses vorlegt, erhält dieses kostenlos.“ Das Dokument, das dem Antragsteller zugeschickt werde, müsse dann nur noch dem Vorstand vorgelegt werden.

Die Neuregelungen werden in den Kiersper Vereinsvorständen nicht nur positiv gesehen, auch wenn alle Befragten ausdrücklich betonen, dass ihnen die grundsätzliche Intention – der Schutz der Kinder – ganz besonders am Herzen liegt. „Wir haben in unserem Verein immer ein Auge darauf, dass nur diejenigen Jugendliche betreuen, die absolut vertrauenswürdig sind“, äußert sich Guido Schulz, Vorsitzender des Motoball-Clubs Kierspe, dazu. Seiner Meinung nach bringe die neue Regelung daher vor allem einen zusätzlichen Aufwand für die ehrenamtlichen Helfer mit sich, und die würden in vielen Vereinen händeringend gesucht. Dennoch wolle man die Vorgabe erfüllen und habe schon den Kontakt zu anderen Vorständen gesucht, um zu erfahren, wie diese die Regelung umsetzen.

Auch Petra Rosenbach, Vizepräsidentin des Turn- und Sportvereins (TSV) Kierspe, sieht einiges an zusätzlicher Verwaltungsarbeit auf den Vorstand zukommen. „Dennoch sind wir uns alle einig, dass das sein muss“, erklärt sie. „Es ist sicherlich sinnvoll, dass man an diesem Punkt ansetzt, um die Kinder besser zu schützen.“

Hartmut Post, Vorsitzender des Sportfischervereins Obere Volme, und seine Vorstandskollegen entschlossen sich nach dem Erhalt des Schreibens schweren Herzens dazu, die Jugendarbeit im Verein auf Eis zu legen. Grund: Mitglieder von Angelvereinen müssen außerdem den Aufforderungen der Wasserwirtschaftsverbände Folge leisten und regelmäßig Fortbildungen in Sachen Natur- und Umweltschutz absolvieren. „Das sind einwöchige Schulungen in Vollzeit, für die wir einen Teil unseres Urlaubs opfern“, erklärt Post. Da in dem Schreiben des Kreises auch „regelmäßige Fortbildungen“ der Jugendbetreuer gefordert seien, werde die Belastbarkeit der Ehrenamtlichen damit überstrapaziert, bedauert Post.

Kostenlose Fortbildungen für Jugendbetreuer bietet übrigens der Landessportbund an. Bei allen Fragen zu den neuen Regelungen hilft Manuela Behle vom Fachdienst für Jugendförderung und Kinderbetreuung des Märkischen Kreises unter 0 23 51 / 96 66 608 weiter.

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