Bewegender Abschied für zwei „helfende Menschen“

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„Danke“: Mit einer kleinen Überraschungsparty verabschiedeten die Helfer des Möbellagers von „Menschen helfen“ Ludmilla (Mitte) und Steffen Pieta.

Kierspe - Zweieinhalb Jahre liefen die Fäden des Möbellagers von „Menschen helfen“ bei Ludmilla und Steffen Pieta zusammen. Nun nahmen sie Abschied. Neue berufliche Aufgaben zwangen sie zu diesem Schritt.

Ludmilla und Steffen Pieta staunten nicht schlecht, als sie am Samstag zu ihrem letzten „Arbeitstag“ am Kamperbach 67 kamen. Viele Freunde, Mitarbeiter und Flüchtlinge drängten sich in den Räumen des Möbellagers. Auf dem Tisch standen statt Geschirr Häppchen, Salate und Kuchen und viele der Anwesenden hatten Blumen oder Geschenke in der Hand.

Gundula Schneider vom Arbeitskreis Kümmerlinge fand zur Verabschiedung die richtigen Worte. „Wenn wir Euch nicht gehabt hätten, wären wir Ende 2015 zusammengebrochen“, erinnerte sie. „Viele Menschen kamen damals zu uns. Sie sind inzwischen gute Freunde von uns geworden. Ihr ward ein ganz großer Segen für uns“, sagte Schneider und überreichte zum Dank beiden einen Hotelgutschein.

Dabei war das Engagement von Ludmilla und Steffen Pieta für Kierspe nicht selbstverständlich. Begonnen hatte für sie alles im Dezember 2014. „Wir hatten damals gehört, dass Flüchtlinge nach Kierspe kommen“, so Ludmilla Pieta. „Hartmut Pieta, der Vater meines Mannes, konnte zu einem Termin bei ,Menschen helfen‘ nicht und so sprangen wir beide ein.“ Für Ludmilla und Steffen Pieta war damit der Start zur Mithilfe gefallen und sie brachten sich von Monat zu Monat mehr ein. Das Ehepaar half bei der Einrichtung von Wohnungen - auch als das Möbellager entstand, waren sie mit dabei. Anfangs gelang das Sortieren und Ausgeben der Möbel allein, doch irgendwann wurde es Pietas doch zu viel und sie bekamen Hilfe. Inzwischen haben sie zahlreiche Helfer, darunter auch Flüchtlinge.

Ludmilla und Steffen Pieta gingen in ihrer Aufgabe auf. So waren sie unter der Woche fast täglich im Möbellager, verrückten, sortierten und warfen auch mal schlechte Dinge weg. Beruflich waren beide in Herscheid in einem kleinen Betrieb tätig, haben sich inzwischen beruflich aber verändert. Dabei hat Ludmilla Pieta ihre Leidenschaft sogar zum Beruf gemacht und ist für die Stadt Lüdenscheid im Sozialamt tätig, kümmert sich dort um die Unterbringung von Flüchtlingen, Asylanten und Spätaussiedlern. Diese Arbeit nimmt sie so in Anspruch, dass ihr nicht mehr die Zeit bleibt, bei „Menschen helfen“ in der bisherigen Form zu helfen.

In Erinnerung bleiben wird beiden besonders eine junge afghanische Familie mit ihrem kleinen Kind. „Das Kind war apathisch und ich sagte mir, da stimmt etwas nicht“, so Ludmilla Pieta. „Wir fuhren mit den Eltern und dem Kind ins Krankenhaus. Dort wurde ihm geholfen und der Arzt sagte uns später, mit unserem Eingreifen sei das Kind dem Tod von der Schippe gesprungen.“

Doch auch ohne das Ehepaar soll das Möbellager von „Menschen helfen“ natürlich weiterhin Bestand haben. Nur wie, das wissen die Verantwortlichen noch nicht. „Das muss noch geklärt werden“, sagte Gundula Schneider. „Wir werden am zweiten Samstag im Juli wie gewohnt geöffnet haben und danach werden wir uns entscheiden.“ Auch wenn Ludmilla und Steffen Pieta die Verantwortung für das Möbellager nun in andere Hände legen: Wenn es ihnen möglich ist, wollen sie weiter mithelfen. Für die kommenden Jahre streben sie an, nach Kierspe zu ziehen. Dann ist der Weg auch nicht mehr so weit und sie können sich häufiger im Möbellager sehen lassen.

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