Bilanz gezogen

Flüchtlinge: Resümee nach vier Jahren Arbeit gezogen

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Informationen vom Verein, aber auch viele Gespräche am Rande – damit war der Zweck der Veranstaltung wohl erfüllt.

Kierspe – Nach mehr als vier Jahren Flüchtlingsarbeit wollten die Ehrenamtlichen von Menschen helfen Rückschau halten und Bilanz ziehen.

Dazu luden sie alle Beteiligten ins Soziale Bürgerzentrum ein: Flüchtlinge und Helfer, Verantwortliche aus Politik, Verwaltung, Kirchengemeinden und Jobcenter. Dabei wurde an diesem Nachmittag eines klar: Die Integration von Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern mit gänzlich unterschiedlichen Biografien und Erfahrungen ist eine Mammutaufgabe. Vieles wurde erreicht, vieles bleibt zu tun.

Den Auftakt machten die Flüchtlinge selber, von denen sich mancher längst nicht mehr als Flüchtling fühlt. Zu ihnen gehört die Architektin Sydra Issa, die 2015 aus Syrien nach Kierspe kam und mittlerweile in Wuppertal in ihrem Beruf arbeitet. Auch die Familie Mohammad hat es geschafft: Sie betreibt inzwischen in der Dortmunder Innenstadt einen Imbiss, nach eigenen Angaben mit neun Mitarbeitern.

Praktische Arbeit meist kein Problem

Das sind Ausnahmen, aber auch die anderen Gäste konnten von Erfolgen berichten. 62 Menschen, die immer noch von den Ehrenamtlichen unterstützt werden, besuchen inzwischen fortgeschrittene Sprachkurse, studieren oder sind in Berufsausbildung. 

Die praktische Arbeit ist dabei meist kein Problem, wohl aber die Berufsschule. „Ohne massive Unterstützung ist ein erfolgreicher Abschluss oft nicht möglich,“ resümierte Hans Bothe. Der Verein bietet deshalb Nachhilfe für Berufsschüler an.

Die Vereinsmitglieder ergänzten die persönlichen Erfahrungen der Einzelnen durch die Rahmenbedingungen, die einerseits von der Politik vorgegeben werden, andererseits Kiersper Besonderheiten darstellen. Dazu gehörte der Wohnungsleerstand im Jahr 2015. Er habe es ermöglicht, Familien dezentral in Wohnungen unterzubringen, berichtete Karin Schmid-Essing. 

Vor allem aber war die Hilfsbereitschaft der Kiersper Bevölkerung geradezu überwältigend: Fritz Schmid zählte eine beeindruckend lange Liste von Firmen und Institutionen auf, die durch praktische Hilfe und Spenden die Arbeit des Vereins immer noch unterstützen.

Bürokratische Hürden seien hoch

Auch das Interesse der Politik an dem Treffen war groß, zahlreiche Ratsmitglieder waren gekommen. Die Stadt wurde durch Marie-Luise Linde vertreten, die Verwaltung durch Oliver Knuf. Der hörte sich an diesem Nachmittag Lob, aber auch viel Kritik an. Die bürokratischen Hürden seien hoch, berichtete Gundula Schneider. „Immer wieder knirschte es bei der Zusammenarbeit mit der Stadt.“ Dass die häufig nicht anders konnte, weil die Mitarbeiter Verwaltungsvorschriften umsetzen mussten, erkannte sie dabei durchaus an.

Bürgermeisterin Marie Luise Linde (2. von links) vertrat Stadt und Rat bei der Veranstaltung.

Im Laufe der Zeit hat sich die Arbeit aller Beteiligten verändert: Die Zahl der Sprachkurse hat inzwischen zugenommen, die Zahl der Ehrenamtlichen nahm hingegen spürbar ab. Ein wenig Entlastung kommt durch die Flüchtlinge selber, von denen etliche sich für ihre neu hinzugekommenen Landsleute engagieren.

Die zahlreichen Informationen konnten die Besucher auf großen Plakaten nachlesen, die der Verein im großen Café aufgehängt hatte.


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