Verbindung von Literatur, Technik und Kunst

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Zwischen Kniehebelpresse und und Strickmaschinen saßen die Zuhörer im Bakelitmuseum. ▪

KIERSPE ▪ Bei der Lesung der Geschichtenschmiede der Volkshochschule erlebten die Zuhörer und Zuschauer am vergangenen Sonntag gleich drei sehr unterschiedliche Bereiche. Denn der Ort des Geschehens war das Bakelitmuseum im Alten Amtshaus Kierspe.

Dicht gedrängt saß das Publikum zwischen Kniehebelpresse und Strickmaschine. Vitrinen mit Büroutensilien, Küchengeräten und allerlei Haushaltsgegenständen bildeten den Rahmen für die Erzählungen der Volmetaler Autoren. Und im Ratssaal mussten die Porträts der Bürgermeister vorübergehend Seerosen-Bildern weichen.

Wie schon im letzten Jahr war die Matinee wieder mit einer Kunstausstellung verbunden. Und da die Lesung im Zeichen der Seerosen stand, hatten auch die Künstler dieses Thema in den Mittelpunkt ihrer Ausstellung gerückt. Das Bild von Michael Malinowski, das als Vorlage für den Umschlag des Erzählbandes diente, wurde versteigert. Den Erlös stellte der Künstler dem Sozialzentrum „Hand in Hand“ zur Verfügung. Marek Tomicki, der ebenfalls mit zwei Gemälden vertreten war, schloss sich spontan an und spendete ebenfalls einen Teil der Verkaufssumme.

Die kleinen Räume im Bakelitmuseum stellten die Veranstalter vor besondere Herausforderungen. Denn die gut 60 Zuschauer passten weder in den Ratssaal noch ins Bakelitzimmer oder in den Maschinenraum. Also teilte man sich auf. Jeweils drei Autoren lasen in einem der drei Räume und wechselten nach einer kurzen Pause zur nächsten Gruppe. „Bleiben Sie ruhig sitzen, die Autoren kommen vorbei,“ erläuterte Marion Görnig den Ablauf.

Auf diese Weise las jeder der neun Autoren seine Geschichte dreimal. Bei Martina Papini war der Seufz-Faktor hoch. Denn in ihrer Erzählung trauerten zwei Frauen um den gleichen Mann. Anette Klingelhöfer, die nach ihr dran war, bot dazu ein Kontrastprogramm. „Jetzt wird es albern“, kündigte sie an. Und tatsächlich hatte sie die Lacher auf ihrer Seite, als ihre Hauptperson mit viel Geraschel und Diätrezepten eine Meditationsstunde sprengte.

Die meisten Erzählungen sind im Rahmen der Geschichtenschmiede entstanden. So bestand eine Kursaufgabe darin, historische Personen in die Erzählung einzubauen. Georg Luckmann aus Schalksmühle ließ deshalb einen Pariser Tellerwäscher mit Lady Diana zusammentreffen, kurz vor dem tödlichen Unfall. „Dianas Socken“ nannte er seinen Beitrag.

Spannend, rührend, komisch – die Bandbreite heimischen Literaturschaffens war auch diesmal groß und konnte naturgemäß nur eine kleine Auswahl bieten. Nachzulesen sind alle Erzählungen in dem neuen Buch der Geschichtenschmiede. „Seerosen abends“ heißt es und konnte im Rahmen der Lesung erworben werden. Es steht jetzt auch im Buchhandel zur Verfügung.

Die Entscheidung, die Literatur-Matinee in technisch geprägter Umgebung durchzuführen, hatte sich als glücklich erwiesen. Zahlreiche Zuhörer waren auf diese Weise zum ersten Mal ins Bakelitmuseum gekommen und Heimatpfleger Ulrich Finke, der ebenfalls anwesend war, musste zahlreiche Fragen beantworten. Er stand auch nach der Lesung für Führungen durch das Museum zur Verfügung. ▪ Birgitta Negel-Täuber

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