Gema: Erst zahlen, dann musizieren

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Bevor die ersten Töne erklingen sollten sich Veranstalter von Konzerten, Partys oder auch Gottesdiensten mit dem Thema Gema auseinandersetzen.

Kierspe - „Last Christmas“ bei der Weihnachtsfeier oder „I did it my way“ zu später Stunde auf der Silvesterparty – diese Lieder sind bei Veranstaltungen zum Jahresende beliebt. Doch bevor Veranstalter diese Songs über die Lautsprecher erklingen lassen können, sollten sie sich mit dem Thema Gema-Gebühren auseinandersetzen.

Eine geplante Musiknutzung muss im Vorfeld bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte angemeldet werden. Mit der Bezahlung einer je nach Art und Umfang der Veranstaltung berechneten Gebühr besitzen die Organisatoren eine eingeschränkte Lizenz zur Nutzung bestimmter Musikstücke. So müssen Organisatoren von Großveranstaltungen wie dem Soester Weihnachtsmarkt tief in die Tasche greifen. Den Soestern drohte eine Zahlung von 90 000 Euro an die Gema, sie spielten deshalb nur gema-freie Musik. Immerhin 900 Euro musste vor zwei Jahren der Stadtmarketingverein in Meinerzhagen für den Adventsmarkt rund um die Jesus-Christus-Kirche bezahlen.

Bei der Abwicklung können generell viele Fragen auftreten: Wer muss eigentlich wie viel an Gebühren zahlen? Wonach richtet sich die Höhe des zu zahlenden Betrags? Und welche Lieder dürfen überhaupt kostenfrei gespielt werden?

Privat-Personen

Für private Partys müssen keine Lizenzen erworben werden, heißt es auf der Internetseite der Gema. Für eine Veranstaltung zu einem bestimmten Anlass und im öffentlichen Rahmen, also Bälle, Bunte Abende, Vereinsfest oder Zeltfestveranstaltung, gilt das aber nicht. Es gibt aber auch bei der Wiedergabe von Unterhaltungs- und Tanzmusik mit Musikern, etwa in einem Schützenzelt oder im Freien, Unterschiede. Die Vergütungssätze werden je nach Veranstaltung und Tag berechnet. So kostet etwa eine Aufführung in einem Raum bis 100 Quadratmeter bei einem Eintrittspreis von 2 Euro 23,05 Euro. Sollte diese länger als 24 Stunden andauern, wird jeder Kalendertag als eigene Veranstaltung berechnet. Die Größe des Veranstaltungsraumes wird von Wand zu Wand zuzüglich der Flächen unter anderem von benutzten Emporen und Balkonen gemessen. Diese Regelungen gelten nicht für bühnenmäßige Aufführungen, nicht für Tanzlokale sowie nicht bei Bürger-, Straßen-, Dorf- und Stadtfesten sowie für Veranstaltungen ohne Eintrittsgeld oder sonstigen Kostenbeitrag, die im Freien stattfinden.

Sportvereine

Der Deutsche Olympische Sportbund hat mit der Gema eine Zusatzvereinbarung getroffen. Demnach abgegolten sind Gebühren unter anderem für Versammlungen, Weihnachtsfeiern, Festzüge bei Turnfesten oder Vereinsvorführungen; soweit die Musiker kein Geld bekommen.

Religionsgemeinschaften

Die Vergütungssätze der Gema beziehen sich in Gottesdiensten auf die Nutzung von Werken, die im Repertoire der Gema festgelegt werden. So zahlt eine Gemeinde bei einer Größe von bis zu 49 Personen (berechnet nach der durchschnittlichen Besucherzahl des Hauptgottesdienstes) einen jährlichen Satz von 127,60 Euro. Sondertarife haben allerdings der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und die Evangelische Kirche in Deutschland mit der Gema abgeschlossen. Diese erlauben ihnen in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen Musikwerke frei nutzen zu können. Die Verträge gestatten zahlreiche Musikwiedergaben in Gottesdiensten, gottesdienstähnlichen Veranstaltungen und kirchlichen Feiern. Darunter fallen auch Prozessionen. Die Feiern können auch außerhalb kirchlicher Räume stattfinden.

Konzerte

Wie unterschiedlich die Regelungen bei Konzerten sind, das weiß der Intendant der Rönsahler Kirchenkonzerte Dr. Christoph Luyken. Eigentlich seien die Aufführungen für die Bevölkerung und losgelöst von den Veranstaltungen der Kirche. Aber dadurch, dass sie in der Servatiuskirche stattfinden, laufen sie offiziell über die Kirchengemeinde. „Ich muss nach jedem Konzert das Programm an die Gemeinde schicken, die dann über die Pauschalverträge der EKD mit der Gema abgerechnet werden.“ In anderen Fällen muss der Veranstalter aber die Gebührenzahlung alleinverantwortlich abwickeln. Als Veranstalter gilt in der Regel derjenige, der für die Aufführung, Vorführung oder Wiedergabe in organisatorischer Hinsicht verantwortlich ist. Die Zahlung richtet sich nach unterschiedlichen Kriterien, etwa Raumgröße, Besucherzahl, Eintrittpreise und die gespielten Lieder. So liegt die einmalige Gebühr bei einem Konzert mit bis zu neun Künstlern und ab 100 Besuchern ohne Eintrittkosten bei 36,90 Euro und bei einem Eintrittspreis von 3 Euro bei 49,90 Euro.

Schulen

Schulen gelten generell von der Abwicklung der Gebührenzahlung befreit, erklärt Petra Koch von der Stadt Kierspe als Trägerin der heimischen Bildungseinrichtungen. „Für Schulveranstaltungen mit Musik sowie für viele andere Bereiche der Mediennutzung haben die Länder Gesamtvereinbarungen mit der Gema getroffen.“ Generell rät sie aber bei Fragen, etwa zum Thema Eintritt und Art der Veranstaltung, die Verwertungsgesellschaft zu kontaktieren.

Offene Jugendarbeit

Institutionen der Offenen Jugendarbeit müssen bei Veranstaltungen genau hinschauen. Plant eine Einrichtung etwa eine interne Party und wird diese nicht öffentlich beworben, dann fallen keine Gema-Gebühren an. Handelt es sich aber um eine öffentliche Lesung, ein Konzert oder eine Party, dann müssen die Mitarbeiter diese anmelden. Unterschiedliche Träger haben auch Pauschaltarife mit Vergünstigungen mit der Gema abgeschlossen, etwa über die Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit (BAG OKJE) oder über kirchliche Organisationen. „Es gibt viele unterschiedliche Regelungen. Meine Erfahrung ist, dass man sich im Vorfeld mit konkreten Fragen an die Gema wenden sollte“, erklärt Manuela Behle von der Jugendförderung des Märkischen Kreises, die beratend den Einrichtungen zur Seite steht. Für die Abwicklung seien aber die speziell geschulten Mitarbeiter vor Ort zuständig, erklärt Behle.

Treuhänderin und Urheberrechte

Die Gema wurde 1903 gegründet und vertritt seitdem als staatlich anerkannte Treuhänderin die Rechte von mehr als 70 000 Musikern, Textern, Komponisten und Musikverlegern in Deutschland und von rund einer Million im Ausland. Der Gesamtertrag der Gema belief sich im vergangenen Jahr auf rund 890 Millionen Euro.

Das Urheberrecht erlischt in der Regel nach 70 Jahren nach dem Tod des Künstlers. Ab diesem Zeitpunkt gelten Werke als „gemeinfrei“. Dazu gehören auch eine Liste mit 93 Weihnachtsliedern; unter anderem Klassiker wie „Stille Nacht“ und „Alle Jahre wieder“. Ausgenommen sind moderne Songs wie „Last Christmas“.

Weitere Informationen auf der Internetseite der Gema.

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