Das Vaterunser in zwölf Liedern vorgetragen

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Unter der Leitung von Dirk Jeismann interpretierte der Chor „Über Kreuz“ der Landeskirchlichen Gemeinschaft Werdohl das Vaterunser in zwölf Liedern in der Margarethenkirche. J

KIERSPE ▪ „Dies ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe“, fasste die Frau am Altar ihre Erfahrungen zusammen. Hatte sie doch beinah zu jeder Zeile des bekanntesten Gebets der Christenheit seinen göttlichen Kommentar vernommen und musste jetzt ganz neu über die vertrauten Worte nachdenken.

„Genau das ist unser Anliegen: Wir wollen mit Worten und Melodien das Vaterunser neu auslegen und Ihnen Anregungen dafür geben, wie unser Vater im Himmel ist“, erklärte Prediger Oliver Haupt den Konzertbesuchern nach dem einleitenden Anspiel.

Bereits zum vierten Mal führte der Chor „Über Kreuz“ der Landeskirchlichen Gemeinschaft Werdohl unter der Leitung von Dirk Jeismann sein Projekt „Vater Unser“ in Kirchen des Märkischen Kreises auf. Fast ein dreiviertel Jahr lang hatten sich die 16 Sängerinnen und Sänger im Vorfeld in ihren Proben mit den Kompositionen von Jochen Rieger aus dem Jahr 2003 auseinandergesetzt.

„So ist Gott“, getragen und ausdrucksstark erklang das erste vierstimmige Lied, begleitet von Martin Buschhaus am Klavier. Mit ihrer klaren, kräftigen Stimme trat Iris Mauer bei „Es gibt ein Zuhause“ als Solistin in den Vordergrund. Bei den folgenden, teils ruhigen, teils poppigen Melodien bildeten wiederholte Rhythmuswechsel und viel, deutlich zu sprechender Text, die musikalischen Herausforderungen. Bei zwei Liedern wurde auch das Publikum einbezogen und zum Mitsingen motiviert. Neben Iris Mauer übernahmen Angela Daubertshäuser und Axel Boshammer ebenfalls Soloparts.

Nach jedem der zwölf Lieder gab Prediger Oliver Haupt kurze Impulse, die die Textzeilen interpretierten und einen Bezug zu unserem Alltag herstellten. So erinnerte er im Zusammenhang mit der Bitte um „unser tägliches Brot“ zum Beispiel daran, dass die Menschen mehr brauchen, als es zu kaufen gibt. „Abhängigkeit ist unpopulär in unserer Gesellschaft, aber wir können uns nicht alles selbst geben, viele Dinge sind Gaben Gottes“, so Haupt.

Trotz wiederkehrender Ängste und Zweifel lud er dazu ein, Vertrauen zu wagen und das eigene Leben in Gottes Hände zu legen.

Zur meditativen Musik von „God give mercy“ gab es anschließend eine Zeit des Innehaltens, in der Besucher und Chormitglieder die Möglichkeit hatten, einen Brief an Gott zu schreiben und ihn am Kreuz in der Nähe des Altars niederzulegen. Dorthin war ein symbolischer Weg aus Steinen, Blumen und Kerzen gelegt.

Bevor mit „Amen“ das stimmgewaltige Finale des Vater Unser erklang, stellte Prediger Oliver Haupt alle Anwesenden unter den Schutz Gottes und gab ihnen seinen Segen. Neben neuen Anregungen konnten die Konzertbesucher zur Erinnerung auch Liedblätter und frisch gebackene Brote mit auf den Heimweg nehmen. ▪ msh

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