Kiersper Bienenvölker so gesund wie selten zuvor

Der Vorsitzende des Imkervereins Kierspe-Meinerzhagen Klaus Loskand freut sich ebenso wie seine Imkerkollegen über einen ungewöhnlich guten Start der Bienenvölker in die Saison 2014. Die Varroamilbe konnte diesmal kaum Schaden anrichten. - Fotos: Schüller

Kierspe -  Die Luft scheint vor den Einfluglöchern der Bienenstöcke vom Summen der Insekten zu vibrieren. Hunderte der kleinen Brummer schwärmen aus, andere setzen zum Landeanflug an, krabbeln emsig in den Stock, um Pollen und Nektar in die Waben zu bringen. „Die Bienen sind so gut wie selten zuvor durch den Winter gekommen“, freut sich Imker Klaus Loskand.

Von Petra Schüller

Der Vorsitzende des Imkervereins Kierspe-Meinerzhagen spricht dabei nicht nur von seinen eigenen zwölf Bienenstöcken, die von rund 500 000 Bienen bewohnt werden.

Denn in jedem Stock leben über die Sommermonate, wenn die Population am größten ist, zwischen 30 000 und 50 000 Tiere. Die jährliche Umfrage unter den rund 80 Mitgliedern des Imkervereins brachte das zweitbeste Ergebnis seit der ersten Befragung im Jahr 2003 zutage: Fast 95 Prozent der heimischen Bienenvölker überstanden den Winter bei bester Gesundheit. Grund: Das eiskalte Frühjahr 2013. „Die Varroamilbe ist der Bienenfeind Nummer eins“, erklärt Loskand. Der mikroskopisch kleine Killer kann sich aber nur in der Brut der Bienen vermehren, und die begannen bei frostigen Temperaturen eben einfach viel später mit ihrer Brutpflege.

Während das Bienensterben in aller Munde ist und deutschlandweit nicht nur Imker und Naturschützer in Alarmbereitschaft versetzt, scheint in hiesigen Gefielden die Welt noch in Ordnung zu sein. „Wir haben hier keine riesigen Monokulturen in der Landwirtschaft, wie sie andernorts zu finden sind“, nennt Loskand einen wichtigen Grund. Schließlich stehen vor allem die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide im Verdacht, das massenhafte Sterben zu verursachen. So habe es nur einmal vor etwa 15 Jahren einen solchen Fall in Kierspe gegeben. „Damals konnten wir die toten Tiere schaufelweise einsammeln“, erinnert er sich. Die Analyse eines Instituts in Braunschweig habe ergeben, dass tatsächlich Pflanzenschutzmittel verantwortlich waren. „Wir hatten damals allerdings nicht die Landwirte sondern vielmehr einen Hobbygärtner im Verdacht, die giftigen Stoffe großzügig einzusetzen“, so Loskand.

Den Bienen kommt derzeit auch das warme Frühjahr zugute. „Die Natur ist im Vergleich zum langjährigen Mittel zwei bis drei Wochen voraus“, hat Loskand festgestellt. Die Bienen hätten schon früh begonnen, großflächige Brutnester anzulegen. „Die Königin legt bis Mitte Juli jeden Tag rund 2000 Eier“, weiß der Imker. So erfreulich das für Volk und Imker ist – so förderlich ist es allerdings auch für die Varroamilbe, die nun ebenfalls ideale Bedingungen für ihre Verbreitung vorfindet. Doch die Bienenvölker sind nicht auf sich gestellt: Imker Klaus Loskand führt sein Hobby mit Leidenschaft aus und sieht mindestens einmal in der Woche nach dem Rechten. Den Milbenbefall bekämpft er mit Ameisen- und Oxalsäure, er sorgt dafür, dass die Völker immer genug Wachsplatten zur Verfügung haben, um Waben zu bilden und Nektar einzulagern, und er teilt die Völker, bevor sie gemäß ihrer Natur selber einen neuen Schwarm bilden. „Sie hätten in der freien Natur fast keine Chancen zu überleben“, ist er überzeugt. Schließlich gebe es kaum noch abgestorbene Bäume oder vergleichbare Orte, an denen die Völker sich einnisten können. Imkern ist derzeit „in“. So sehr Loskand sich über viele neue Kollegen freut, so sehr liegt ihm aber auch daran, die Bienenvölker gut aufgehoben zu wissen. „Wer diesem schönen Hobby nachgeht, sollte wissen, dass gerade in der Saison von Mai bis Mitte Juli regelmäßig einige Stunden Arbeit anstehen“, macht er aufmerksam. „Der Imker muss den Bienenvölkern zu ganz bestimmten Zeiten Hilfestellung geben, sonst können sie nicht überleben.“

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