Auftritt in Kierspe

ZDF-Kabarettist teilt aus

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Anspruchsvoll – auch, was seine Besucher angeht: der Kabarettist Max Uthoff.

Kierspe - Politischer Verstand war am Samstagabend im Pädagogischen Zentrum (PZ) der Gesamtschule gefragt, wo Kabarettist Max Uthoff auf Einladung des Kulturvereins KuK einen Rundumschlag gegen aktuelle Politiklandschaften und eine wenig widerständige Gesellschaft startete.

Der bezahlten Selbstverständlichkeit, dass er als der Mann auf der Bühne zu liefern habe, begegnete er mit Nachfragen. „Was erwarten Sie von diesem Abend?“ Viele wollten sicherlich die Existenz eines prominenten Fernseh-Kabarettisten durch seine Präsenz in Kierspe bestätigt sehen. Und sie wurden nicht enttäuscht, zunächst jedoch nach möglichen Parteizugehörigkeiten kategorisiert. 

Die Anwesenheit von CDU-Wählern hielt Max Uthoff für ausgeschlossen: „Ich erwarte schon ein Minimum an politischem Verstand.“ FDP-Wähler? Unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. AfD-Wähler? Deren Fundamentalopposition verführe ihre Anhänger zuweilen zu Sympathien für begründete Regierungskritik des Satirikers – ein großes Missverständnis. 

Parteien kriegen ihr Fett weg

Max Uthoff heuchelte Mitgefühl für Alexander Gaulands tiefe Melancholie, die sich letztlich daraus speise, dass er das tausendjährige Fliegenschiss-Zeitalter verpasst habe. Björn Höcke gehe es nicht anders: Er würde Stalingrad aber gar nicht erreichen, weil er schon zehn Minuten eines ZDF-Interviews nicht durchstehe, spottete Uthoff. 

Sozialdemokraten und Grüne kamen nicht viel besser weg: „Ich möchte möglichst wenig von Olaf Scholz sehen.“ Skepsis auch gegenüber Grünen-Chef Robert Habeck: Dieser dosiere seinen als frisch verkauften Politikstil schon jetzt so, dass einer möglichen Regierungsbeteiligung möglichst wenig entgegenstehe. 

In einer Zeit, wo vernünftige politische Entscheidungen nicht zu erwarten sind, gebe es nur ein Mittel, um „so etwas wie Widerstand zu versuchen“: Den sorgfältig abgewogenen Kaufakt und vernünftigen Verzicht, weil unsere derzeitige Lebensweise „nicht ohne Opfer“ zu haben sei. Im Tausch gegen Rohstoffe – eine Hauptursache für Kriege – liefern Industrieländer ihren Müll nach Afrika und Asien.

Mit dem Zufall eines Münzwurfs teilte Uthoff das Publikum in „Nord“ und „Süd“ und gab den Antipoden Hinweise, wie sie mit der anderen Hälfte der Welt umzugehen hätten – mit vielen Anleihen bei den realexistierenden Auswirkungen neoliberaler Ideologie. 

Psychogramme eines nie genügsamen Weltreisenden

Viele geschliffene Späße garnierten die politische Analyse. So lieferte Max Uthoff auch das Psychogramm eines nie genügsamen Weltreisenden und einen Rundgang über einen imaginären Friedhof mit ehrlichen Grabsteinen. In dem Programm, das den Titel „Moskauer Hunde“ trug, spottete er über die Liebe saturierter Wohlstandsbürger zu ihren Vierbeinern. 

Nicht besser kamen SUV-Fahrer davon. Max Uthoff empfahl den Aufkleber: „Die Zukunft meiner Kinder geht mir am Arsch vorbei.“ Prügel bekamen auch Autostoßstangenfetischisten: „Wer möchte mit einem Kretin befreundet sein, der sein Auto braucht, um sich seiner selbst zu vergewissern?“

Konstruktiv war Uthoffs Vorschlag der Einführung eines „Beate-Klarsfeld-Tages“ am Tag der berühmten Ohrfeige am 7. November – zu begehen mit Kiesinger-Törtchen und „Adolf-Nestern“: Das dazugehörige Rezept sorgte für hörbares Vergnügen im Publikum: „Da darf auch nur ein Ei rein.“

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