Kiersper Autorin Ursula Schröder veröffentlicht neuen Roman

Historische Genauigkeit ist wichtig

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Ursula Schröder hat einen neuen Roman veröffentlicht. Der Titel "Schmiedeeisen-Sommer".

Kierspe – Pauline und Jakob verbringen ihre Flitterwochen in der Nähe von Kierspe in Jakobs Herrenhaus. Pauline kennt die Gegend nicht, aber ortskundigen Lesern kommt der Herrensitz vielleicht bekannt vor – Haus Isenburg stand dafür Pate.

Angesiedelt im Jahr 1860 Der neue Roman der Kiersper Autorin Ursula Schröder ist im Jahr 1860 angesiedelt und verweist mit seinem Titel „Schmiedeeisen-Sommer“ (erschienen bei SCM Hänssler) auf die regionale Industrie dieser Zeit. Der Finanzier Jakob – heute würde man ihn wohl Investor nennen – pflegt geschäftliche Beziehungen zu den Reidemeistern, während seine junge Frau hier erste Kontakte knüpft. Weitere Schauplätze sind das elterliche Gut von Pauline und die pompöse Villa in Düsseldorf, in der Jakob aufgewachsen ist. Dabei trennen die jungen Eheleute Welten. Während Pauline aus westfälischem Adel stammt, ist Jakob der uneheliche Sohn einer Dienstmagd, zu Geld gekommen durch Glück, Geschick und harte Arbeit. Die Villa hat er vom jüdischen Dienstherrn seiner Mutter geerbt. Dass Pauline ihn geheiratet hat, geschah auf Wunsch ihrer Familie: Die ist finanziell klamm und sieht angesichts von Jakobs Reichtum über seine nicht standesgemäße Herkunft hinweg. 

Intensive Recherche

„Im 19. Jahrhundert sind viele Gutsbesitzer gescheitert,“ weiß Ursula Schröder nach langer, intensiver Recherche. Sie verpassten den Anschluss an neue Methoden und Techniken, die sich auch in der Landwirtschaft durchsetzten. Das 19. Jahrhundert fasziniert die Autorin mit seinen Gegensätzen zwischen erstarkendem Bürgertum und preußischem Adel, der sich an seine Privilegien klammerte. Das zweite Konfliktfeld eröffnet sich im privaten Bereich: „Was passiert, wenn zwei gänzlich unterschiedlich geprägte Menschen zueinander kommen?“ Pauline und Jakob tun alles um aus ihrer Ehe eine Liebesbeziehung zu machen, aber leicht ist das nicht. Vor allem Jakobs Mangel an religiöser Bindung erschreckt Pauline. Ihre Zofe kann sie zwingen, mit ihr zur Kirche zu gehen, mit dem Ehemann geht das nicht. 

Kontakte zu Experten

Historische Romane entstehen selten ausschließlich in schöpferischer Einsamkeit, Recherchen und Kontakte zu Experten sind unerlässlich. Weil Pauline und ihre Zofe in Düsseldorf eine freie Gemeinde besuchen, brauchte Ursula Schröder auch dazu Informationen. Der derzeitige Pastor der FEG Düsseldorf half ihr bereitwillig weiter, in Kierspe stand ihr Heimatpfleger Ulrich Finke zur Seite. „Er hat mir sehr geholfen,“ zeigt die Autorin sich dankbar. Sein großes Detailwissen sei für sie unverzichtbar gewesen. Und als der Roman endlich fertig war, unterzog ihn die Verlagslektorin einer strengen Prüfung. Die war nicht nur stilsicher, sondern entdeckte auch die ein oder andere Ungenauigkeit – die entsprechenden Passagen schrieb die Autorin daraufhin um. 

Leser nicht belehren

Historische Genauigkeit sei wichtig, betont Ursula Schröder. „Die Leser wollen etwas lernen, ohne sich belehrt zu fühlen.“ Diesem Anspruch wird sie gerecht, wie die Szene mit dem Badezimmer zeigt. Pauline ist hin und weg, in Jakobs Haus kommt heißes und kaltes Wasser aus der Wand! Begeistert beschreibt sie dieses Wunder der Technik in einem Brief an ihre Familie – daraufhin lässt ihr Bruder aufwendig sein Haus umbauen, denn seine Frau will jetzt auch ein Bad.

Information Der Roman „Schmiedeeisen-Sommer“ ist im Buchhandel erhältlich. Eine Lesung ist auch schon geplant, am 7. Oktober in der Stadtbibliothek.

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