Kierspe

Bilanz des Rekord-Unwetters: 67,5 Liter in 40 Minuten

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Es wird vermutlich noch Tage dauern, bis alle Schäden behoben sind.

KIERSPE ▪ Manch einer, der das Unwetter am Freitag erlebte, fühlte sich an den Orkan Kyrill erinnert, der vor rund fünfeinhalb Jahren massive Zerstörungen im Sauerland verursachte.

Und auch wenn die Feuerwehr allein in Kierspe zu rund 70 Einsätzen fahren musste, so waren die Auswirkungen des Unwetters nicht annähernd so schlimm wie während des Sturms im Januar 2007.

Allerdings kamen am Freitag ungeheure Wassermassen vom Himmel. So hat der Student Marc Thiessenhusen, der die Internetseite Meteo-NRW betreibt und seit Jahren Wetterphänomene für den Raum Kierspe in der Meinerzhagener Zeitung beschreibt, innerhalb von 40 Minuten einen Niederschlag von 67,5 Liter Regen gemessen hat. Außerdem weist Thiessenhusen darauf hin, dass Meteo-Media innerhalb von 20 Minuten mehr als 1100 Blitze auf dem Stadtgebiet von Kierspe auf seinem sogenannten Blitz-Radar verzeichnete.

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Das hatte auch Auswirkungen auf den größten Fluss der Stadt – die Volme stieg nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zwischen 17.45 und 18.30 Uhr um rund einen Meter an. Vereinzelt knickten auch Bäume um, doch einen größeren Schaden im Wald konnte Förster Uwe Treff nach einer ersten Rundfahrt durchs Revier nicht feststellen. Trotzdem werden wohl noch tagelang die Motorsägen zu hören sein, um die Bäume, die an Straßen und Waldrändern Schaden genommen haben, zu beseitigen. Ursache für diese Schäden könnten nach einer Einschätzung von Thiessenhusen sogenannte Fallwinde (Downburst) sein, die innerhalb von Gewittern auftreten und deren Böen Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde erreichen können.

Arbeit bereitete das Unwetter auch noch am Montag dem Bauhof, der beispielsweise den Herlinghauser Weg oberhalb der namensgebenden Ortschaft sperren musste, weil dort große Teile der Asphaltdecke weggespült wurden. Gesperrt werden musste auch der Parkplatz in Schnörrenbach. Umgestürzte Bäume machen ein Parken und Wandern in diesem Bereich zu einem unkalkulierbaren Risiko.

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„Mein Handy hat innerhalb einer Stunde bestimmt 70 Mal geklingelt“, erzählt Bernd Crone, stellvertretender Leiter des Bauhofs. Alle verfügbaren Mitarbeiter wurden am Freitag und Samstag zu Sonderschichten gerufen. „Ganz klar, zunächst gehen wir unserer Verkehrssicherheitspflicht nach“, erklärt er. Die drei leitenden Bauhofmitarbeiter seien unmittelbar nach dem Gewitter das gesamte Stadtgebiet abgefahren. Crone: „Das Unwetter zog diagonal über Kierspe hinweg. Während es die Region rund um den Bahnhof mit seiner vollen Wucht traf, blieb das Dorf weitestgehend verschont.“ Bis in die Nacht waren die Mitarbeiter im Einsatz, nach einer kurzen Erholungsphase ging es am Samstag bereits gegen 5 Uhr morgens weiter. Umgestürzte Bäume, ausgeschwemmte Bankette am Straßenrand, zahlreiche überspülte Brücken, verstopfte Abflüsse und Durchlässe: Unterstützt wurden die städtischen Mitarbeiter von externen Firmen mit Baggern und Spezialgeräten. Noch mindestens eine Woche werden Crone und sein Team mit den Unwetterfolgen zutun haben.

Denn bislang konnten nur die wichtigsten Punkte der Stadt bearbeitet werden. Am Montag waren die Mitarbeiter damit beschäftigt, Spielplätze, Straßen und Waldränder genau unter die Lupe zunehmen: „Es kann sein, dass Fundamente unterspült wurden oder Bäume so stark beschädigt sind, dass wir sie fällen müssen.“

Betroffen von den Folgen des Hochwassers ist aber auch der Wupperverband, der unter anderem die Lingese-Talsperre betreibt. Bereits während des Unwetters wurden in den Regenüberlaufbecken Eicker Mühle und Stöcken Öl festgestellt. Daraufhin legte die Kiersper Feuerwehr auf dem Becken in Stöcken eine Ölsperre. Zusätzlich wurde vom Talsperrenbetreiber eine Ölsperre im Zulaufbereich zur Talsperre gelegt. Bis gestern konnten keine Ölspuren auf der Talsperre nachgewiesen werden. Unklar ist allerdings noch die Herkunft des Öls.

Die Wassermassen, die durch den Lingesebach in die Talsperre gelangten, wiesen eine starke Trübung auf, die vor allem auf mitgerissenen Lehm und abgeschwemmte Bodenpartikel zurückzuführen war. Vor diesem Hintergrund erließ der Wupperverband vorsorglich ein Badeverbot. Sollten jedoch bei Wasserproben, die am Montag genommen wurden, keine gesundheitlich bedenklichen Hinweise gefunden werden, ist damit zu rechnen, dass das Badeverbot zur Wochenmitte wieder aufgehoben wird.

Grundsätzlich rät der Wupperverband aber davon ab, nach starken Niederschlägen in offenen Gewässern zu Baden. ▪ lm/jobek

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