Die Natur kreativ gestalten: Traumberuf Förster

Uwe Treff ist seit 25 Jahren Förster in Kierspe. Schon im Alter von zehn Jahren träumte er von diesem Beruf. ▪ Raidt

KIERSPE ▪ Der Trecker kommt den verschneiten Waldweg heraufgerumpelt, an einer Kette zieht er Fichtenstämme hinter sich her. Neben einem Haufen Stämme am Wegrand hält er an, Thomas Proksch steigt aus und löst die Kette. Mit einer Gabel, die vorne an seinem Trecker angebracht ist, stapelt er die Fichtenstämme aufeinander. Dann wendet er und fährt zurück in den Wald, um die nächste Fuhre Holz abzuholen.

„Holzeinschlag und Holzrücken finden fast das ganze Jahr über statt“, sagt Förster Uwe Treff. Andere Arbeiten sind bei den frostigen Temperaturen nicht möglich. „Für die Kulturarbeit müssen Schnee und Frost vorbei sein, weil in die Pflanzlöcher für neue Bäume kein Schnee fallen darf.“

Doch auch mit dem Holzeinschlag hat Uwe Treff viel zu tun. Eine Waldfläche von 2000 Hektar betreut der Förster, das sind 20 Quadratkilometer. Diese verteilen sich aber auf 72 Quadratkilometer Fläche: Von Haus Rhade über Breddershaus bis zur Fürwiggetalsperre erstreckt sich sein Revier. Ausschließlich für Kleinprivatwald ist Treff zuständig, zwischen einem halben und 150 Hektar sind die Grundstücke groß.

„Die Eigentümer haben unterschiedliches Wissen vom Wald“, sagt Uwe Treff. „Manche wissen viel und können gut mit ihrem Wald umgehen, ihnen fehlt aber das Gerät.“ In diesem Fall vermittelt Treff Forstunternehmer wie Thomas Proksch, die den Holzeinschlag für die Waldbesitzer übernehmen. Wer sich nicht auskennt, den berät der Förster. Was kostet die Durchforstung und welchen Erlös bringt sie? Wenn solche Fragen geklärt sind, beauftragen die meisten Eigentümer das Forstamt auch damit, ihr Holz schlagen zu lassen und zu verkaufen.

Thomas Proksch ist einer von fünf freien Forstunternehmern in Kierspe. Mit Uwe Treff arbeitet er oft zusammen, auch aus Werdohl kommen viele Aufträge. Konkurrenzkampf mit den anderen Forstunternehmern gibt es schon, doch er hält sich in Grenzen: „Das passt eigentlich immer“, sagt Thomas Proksch.

Wenn Uwe Treff einen Forstunternehmer beauftragt hat, geht er erst einmal mit ihm durch das betreffende Waldgebiet und zeigt ihm die Eigentumsgrenzen. Die Bäume, die gefällt werden sollen, hat der Förster vorher mit bunter Farbe markiert. Auch andere Fragen sind für den Forstunternehmer wichtig: Wo darf er die gefällten Stämme ablegen? Dürfen die Baumkronen auf dem Nachbargrundstück landen, wenn der Baum umfällt? Wo befinden sich Hindernisse oder große Löcher?

Uwe Treff ist seit 25 Jahren Förster im Revier Kierspe. Der 52-Jährige wuchs im ostwestfälischen Bielefeld auf, seine Ausbildung absolvierte er in Olpe und Göttingen. Dass er Förster werden wollte, stand für ihn schon früh fest: „Seit meinem zehnten Lebensjahr konnte ich mir nichts anderes vorstellen.“

Heute schätzt er die Gespräche mit Waldbesitzern und Unternehmern und freut sich, wenn er für die Eigentümer einen guten Preis für ihr Holz aushandeln konnte. Durch sein Revier zu gehen und Bäume zum Fällen auszuzeichnen heißt für ihn, den Wald zu gestalten: „Ich arbeite gern kreativ mit der Natur“, sagt der Förster.

Nachwuchssorgen hat seine Berufsgruppe nicht. Im Gegenteil: „Viele wollen Förster werden, aber die Aussichten sind schlecht, weil die Länder Geld sparen müssen“, erklärt Treff. Auch sein Revier hat sich 2008 durch Sparmaßnahmen vergrößert. Zwar ist die reine Waldfläche, um die er sich kümmern muss, nicht viel größer geworden. Aber das Gebiet, auf die sich der Wald verteilt, hat deutlich zugenommen. „Die längeren Fahrzeiten fehlen mir, in der Zeit kann ich ja keine Waldbesitzer betreuen“, sagt der Förster. Umso mehr genießt Uwe Treff die Zeit, die er draußen verbringt. „Ich krabbel da ja nicht durch die dicksten Brombeeren“, sagt er und zeigt auf einen dichtbewachsenen Hang. „Aber ich such mir da meinen Weg und das macht Spaß.“ ▪ Constanze Raidt

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