Präzision in Kunststoff seit 50 Jahren made by Lahme

1999 übernahm Karsten Lahme die Geschäftsführung. Er blickt heute optimistisch in die Zukunft und sieht sein Unternehmen gut gerüstet.

KIERSPE ▪ Innovativ zeigte sich das Unternehmen auch im Jahr 1998, als der kombinierte Tornister und Kindersitz Rucky entwickelt wurde. Der gesamte Prozess bis zur Realisierung in einem völlig fremden Produktbereich lief im eigenen Hause ab.

„Wir arbeiteten dabei mit Mercedes Benz zusammen“, erinnert sich Firmenchef Karsten Lahme noch gut daran. Wegen dieses Produktes, das sich dann aber nicht am Markt durchsetzte, so dass letztlich nur eine geringe Stückzahl hergestellt wurde, erweiterte der kunststoffverarbeitende Betrieb Lahme, der 2013 auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblickt, seinen Maschinenpark um eine Spritzgießmaschine mit einer Schließkraft von 500 Tonnen, die bis dahin die größte war.

Das im Jahr 1963 gegründete Unternehmen verfügt über eine lange Tradition im Kunststoffspritzguss. Auf über 7000 Quadratmeter Fläche wird heute an mehr als 55 Spritzgussmaschinen mit Schließkräften von 150 bis 700 Tonnen in drei Schichten produziert. Hergestellt werden können Teile mit einem Gewicht von 0,1 bis 1800 Gramm. Unter anderem kommen die Griffmulden und Griffe an den Türen von Generationen von Scania-Lastwagen weitgehend unverändert aus Kierspe.

Hohe Automatisierung und eine PPS-überwachte Fertigung gewährleisten heute eine optimale Liefertreue. Als regelmäßiger Entwicklungspartner und als Lieferant von hochpräzisen Kunststoffspritzgussartikeln erfüllt Lahme höchste Ansprüche der Kunden, was auch nochmals 2010 unterstrichen wurde, als die Firma Kirchhoff Automotive den Kiersper Betrieb als Lieferant des Jahres auszeichnete. Kirchhoff gehört zu den wichtigsten Kunden von Lahme. Außerdem sind die Kiersper zertifiziert nach der DIN EN ISO 9001, ISO/TS 16949 und ISO 14001, was in den Jahren 2004 bis 2007 erfolgte. Da kam es zudem zu einem VW-Audit als Entwicklungspartner mit einem hohen Erfüllungsgrad von 92 Prozent.

Im Mittelpunkt stehen bei der Produktion zu 65 Prozent Produkte für die Automobilzulieferindustrie aus verschiedensten technischen Kunststoffen. Daneben runden Zubehörartikel für die Flüssiggasindustrie, Stülp- und Schraubdeckel für die Verpackungsindustrie sowie komplette Montagen von Baugruppen die Produktpalette ab.

Kernkompetenzen sind der Einsatz neuester Technologien sowie die eigene Konstruktion und der Werkzeugbau. Möglich sind hier HSC-Fräsen, CNC-Drehen, Senk- und Drahterodieren und Laserschweißen. Allerdings werden heute viele Werkzeuge auch bei Partnern bezogen, in China, überwiegend mittlerweile aber in Portugal. „Etwa zehn bis 15 Prozent stellen wir nach wie vor aber selbst vor Ort her“, so Karsten Lahme, der seit 1999 geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens ist. Er hat nach einer Werkzeugmacherausbildung bei der Firma Helit an der Märkischen Fachhochschule Iserlohn studiert und ist diplomierter Wirtschaftsingenieur. Anschließend ist er 1997 dann hauptberuflich in den elterlichen Betrieb eingestiegen.

Die Verfahren für Mehrkomponentenspritzguss, Hybridtechnologie, Verbindungs- und Fügetechniken für Kunststoffe gehören genauso zum Leistungsumfang von Lahme wie InMould-Labeling und Dekoration. Neben dem Kunststoffspritzguss werden ebenfalls technische Kunststoffe auf Dreh- und Fräszentren mechanisch bearbeitet. Hier kann PTFE genauso verarbeitet werden wie andere Spezialmaterialien.

Karsten Lahme sieht das Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet. Die Geschäftstätigkeit in den Kernmärkten soll, so sein Ziel, weiter gestärkt und ausgebaut werden, indem Kunden von der ersten Idee bis zur Serienreife begleitet werden. Der Lahme-Chef denkt an das Krisenjahr 2009 zurück, als einige Mitarbeiter abgebaut werden mussten und es Kurzarbeit gab. Inzwischen seien viele wieder zurückgeholt worden, so dass es derzeit rund 100 Beschäftigte gibt. Wettbewerbsfähig gemacht hat der Chef den Betrieb durch ständige Investitionen in die Automation, angefangen bei der vollautomatischen Montage von Einzelteilen, über den Einsatz von Knickarmrobotern und die vollautomatische Dekoration von Spritzgussartikeln im Herstellungsprozess bis zur photooptischen Einzelfallprüfung.

Gegründet wurde die Firma von Karl-Heinz Lahme im 1963 in Rinkscheid am eigenen Wohnsitz in einer Scheune als Metall- und Kunststoffwarenfabrikation. Lahme stellte zunächst Zubehör für die Flüssiggasindustrie her und hatte Patente über Verschlussmuttern und Kappen für Propangasflaschen. „Eine Produktlinie, die bis heute durchläuft“, wie der heutige Chef und Sohn des Firmengründers, Karsten Lahme, anmerkt. Zehn Jahre später erfolgte dann der Umzug nach Kierspe, wo ein Grundstück im Industrie- und Gewerbegebiet Wildenkuhlen erworben worden war. Dort wurde an der Osemundstraße ein neues Fabrikgebäude errichtet, das zuerst gar nicht komplett genutzt werden konnte, sondern nach hinten hinaus zum Teil vermietet war. Damals wohnte Karl-Heinz Lahme noch in Rinkscheid und fuhr jeden Tag nach Kierspe, was im Herbst des Jahres dann zum Problem wurde, weil wegen der Ölkrise ein Fahrverbot verhängt wurde. Doch er erhielt eine Sondergenehmigung.

1981 kam es zu einer Beteiligung an dem Meinerzhagener Unternehmen Bonaplastik, womit der Einstieg in die Herstellung von Deckeln für die Lebensmittelindustrie passierte. So entstanden Verschlüsse für Senf- und Honiggläser, die auch heute noch hergestellt werden. „Unter anderem befinden sich auf den Gläsern des Imkerverbandes Deckel made by Lahme. Die gute Unternehmensentwicklung erforderte dann schon 1964 eine Erweiterung, so dass ein Anbau errichtet wurde und sich die Gebäudefläche verdoppelte. 1987 übernahm Lahme dann die Firma Kunststofftechnik Ilgen in Lüdenscheid und stieg in die mechanische Bearbeitung technischer Kunststoffe ein.

Nach dem Fall der Mauer entstanden Überlegungen für eine Betriebsvergrößerung durch ein Zweigwerk in den neuen Bundesländern, doch wurden diese wieder aufgegeben, nachdem 1990 durch einen Großbrand in der direkten Nachbarschaft das Unternehmen Ernst Schürfeld, der älteste Werkzeugbau in Kierspe, abbrannte und sich herausstellte, dass der Betrieb auch nicht wieder aufgebaut werde sollte. Auf diesem Grundstück, das erworben worden war, wurde dann ein Neubau für die Firma Lahme errichtet. Zwischen 1993 und 1995 erfolgte die Verlagerung von Bonaplastik und Kunststofftechnik Lahme an den Standort Kierspe. Damit wuchs die Mitarbeiterzahl auf rund 60 an. In dieser Zeit wurde der Betrieb erstmals nach der DIN EN ISO 9000 zertifiziert. Zwei Jahre später kam es zur offiziellen Verschmelzung der Teilunternehmen zur Lahme GmbH & Co. KG Präzision in Kunststoff.

2001 wurde die erste Lagerhalle mit Hochregellager gebaut und erst im vergangenen Jahr dann die zweite. Der heute 84-jährige Seniorchef schied 2009 aus der aktiven Geschäftsführung aus.

In der nächsten Woche feiert Lahme das 50-jährige Bestehen gebührend mit Kunden, Mitarbeitern und Freunden. Zunächst kommt es am Donnerstag zu einem Kundentag mit Hausmesse, Kunststofffachvorträgen und Unternehmensbesichtigung. Und am folgenden Samstag sind dann alle Mitarbeiter, deren Verwandte, Freunde und Bekannte eingeladen zu einem großen Feier mit zahlreichen Attraktionen. Unter anderem treten zwei Bands auf, ein Grilltruck fährt vor, es gibt einen Segway-Parcours und abends ein großes Feuerwerk.

Rolf Haase

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare