Brandsanierung lässt viele Wünsche offen

Barrierefrei geht anders. Nach dem Neubau der Halle ist eine fast 30 Zentimeter hohe Stufe zwischen den beiden Hallen entstanden. Für Dirk Rohde erschwert sich damit der Warentransport und die Unfallgefahr wird erhöht. Foto: Becker

Es war eine persönliche Katastrophe, die sich vor fast genau einem Jahr an der Waldheimstraße ereignete, als das Unternehmen von Dirk Rohde aufgrund eines technischen Defekts zum großen Teil in Flammen aufging. Mittlerweile steht eine neue Halle und die Maschinen laufen längst wieder. Doch die Sorgen und Probleme enden nicht.

Von Johannes Becker

Ein Kurzschluss in der Hauptverteilung löste am 26. Juli des vergangenen Jahres einen Brand in der Firma Rohde Kunststoffverarbeitung aus. Die große Produktionshalle mit den Spritzgießmaschinen ging damals in Flammen auf und auch eine weitere Halle wurde stark beschädigt. „Wir haben nach dem Brand große Solidarität durch unsere Nachbarn erfahren. Diese haben für uns produziert, uns Maschinen geliehen und Lagerfläche zur Verfügung gestellt. Selbst Wittmann-Battenfeld hat uns sofort mit einer neuen Maschine geholfen“, erinnert sich Rohde, an die Zeit, in der auch in Zelten produzieren musste.

Mittlerweile steht eine neue Halle an der Waldheimstraße. Doch für Rohde ist das neue Gebäude in vielen Punkten eine Enttäuschung. Die Schuld dafür sieht er bei dem Planungsbüro, das er auf Rat seines Versicherungsmaklers beauftragt hatte.

Selbst Laien können die Fehler in der Planung und Umsetzung erkennen. „Vor dem Brand hatten wir in beiden Hallen das gleiche Niveau, heute trennen die Gebäude fast 30 Zentimeter“, erzählt er. Die Ursache für diese Situation, die den Warentransport enorm erschwere, sei darin zu suchen, dass man die neue Bodenplatte einfach auf die alte gegossen habe. „Wenn die alte Platte nicht mehr tragfähig war, hätte man sie abreißen müssen, aber so kann man doch nicht arbeiten“, erklärt Claudia Rohde, die Frau des Firmeninhabers.

Um mit dem Gabelstapler von einer Halle in die andere zu kommen, wurde ein Vordach errichtet. Rohde: „Doch auch dort lief einiges schief. Eine Tragstütze der Halle wurde durch einen Planungsfehler zu kurz gefertigt. Nun ragt ein Stützpfeiler in die Hallendurchfahrt. Der Kommentar des Planungsbüros war: Das ist doch nicht so schlimm, das sind doch nur 14 Zentimeter.“

Doch der Ärger am Vordach endete damit nicht. Vor dem Anbringen des neuen Daches hätte die Attika (ein Dachüberstand) von Brandbelastungen gereinigt werden müssen. Da dieses jedoch unterblieb, verbreitet sich nun ein übler Brandgeruch, wenn die Sonne aufs Gebäude scheint. „Außerdem wurde eine chemische Analyse nicht abgewartet. Jetzt ist die Dachhaut des Vordachs mit dem Dach der kleinen Halle verbunden. Doch dieses muss zum Teil abgerissen werden, weil es zu belastet ist“, erzählt Rhode weiter. Dabei geht er an einem Kühlsystem im Hof seiner Firma vorbei. Dieses hätte eigentlich längst auf dem Dach installiert sein müssen, um die Halle und die Maschinen zu klimatisieren, doch die Anschlüsse erwiesen sich als unbrauchbar. Es sind noch viele Kleinigkeiten, die aber große Probleme bereiten, von denen der Firmeninhaber zu berichten weiß: Eine fehlende Dehnungsfuge zwischen Hallenboden und Trafohäuschen, eine elektronischen Wage, die von den Brandsanierern beschädigt wurde und ein Gabelstapler, der weiter benutzt werden sollte, obwohl er in der brennenden Halle stand und niemand wusste, welchen Schaden das Material genommen hatte.

„Ein Problem ist auch, dass das Planungsbüro Rechnungen abgezeichnet hat, obwohl die Arbeiten fehlerhaft ausgeführt wurden, dafür fehlt das Geld von der Versicherung, um die zu bezahlen, die gut gearbeitet haben“, schildert Claudia Rohde, die auch erzählt, dass das Planungsbüro den ausführenden Firmen untersagt habe, den Bauherren die Angebote zu zeigen. Mittlerweile wurde ein Anwalt beauftragt, sich mit dem Büro auseinanderzusetzen. „Doch auch auf dessen Schreiben wird nicht reagiert“, so Rohde.

Die Hoffnung, ohne einen Gerichtsprozess auszukommen, haben die beiden bis heute nicht aufgegeben – und auch ihren Mut nicht verloren. Derzeit planen sie die Feier des 15. Unternehmensgeburtstages im September. Auf jeden Fall werden die Gäste vieles entdecken können, wenn sie durch die Hallen geführt werden.

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