Kierspe: Museen bleiben noch geschlossen

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Es wird noch dauern, bis im Schleiper Hammer wieder Besichtigungen mit Vorführungen möglich sind. Derzeit kann das Gebäude lediglich für private Feiern genutzt werden.

Kierspe – Als ein Kiersper nach Jahrzehnten geschäftlicher Tätigkeit sein Unternehmen verkauft hat, war Zeit, das eigene Büro aufzuräumen. Dabei kam auch die Ausstattung auf den Prüfstand. Da diese zum großen Teil noch aus Bakelit-Accessoires bestand, landeten etliche der seltenen Stücke im Kiersper Bakelit-Museum.

„Das war aber die Ausnahme, auch wenn viele Kiersper sicher die Corona-Zeit genutzt hatten, ihre Keller und Dachböden aufzuräumen, gab es nicht viel mehr Angebote an den Heimatverein, Funde zu übernehmen, als in normalen Zeiten“, berichtet Silvia Baukloh als Vorsitzende des Heimatvereins, der für die drei Kiersper Museen verantwortlich zeichnet.

Lediglich das Fritz-Linde-Museum habe profitiert und etliche Bücher des namensgebenden Kierspers erhalten, aber auch Bücher von Anny Wienbruch seien abgegeben worden, freut sich Baukloh. Die Museen waren natürlich in der Zeit des strengen Kontaktverbots geschlossen – und sind es im Grunde immer noch. „Theoretisch könnte das Fritz-Linde-Museum wieder für private Feiern genutzt werden. Nachfragen haben wir aber keine, was sicher an den kleinen Räumen im Museum liegt“, so die Vorsitzende. Sie berichtet aber auch, dass das im Schleiper Hammer ganz anders aussehe, dort gebe es durchaus Nachfragen. „Allerdings ohne Vorführungen“, so Baukloh.

Generell sei aber auch der Hammer noch geschlossen, da das Museum vom Mitmachen lebe und man kaum sicherstellen könne, dass jeder Gegenstand der angefasst würde, auch vor der Weitergabe desinfiziert werden könne. Baukloh: „Wie wir mit der Öffnung der Museen weiter verfahren, wollen wir Ende August besprechen. Bis dahin wird sich nichts ändern.“ Das gilt dann natürlich auch für das Bakelit-Museum, wobei dieses für Gruppen mit weniger als zehn Besuchern auf Anfrage geöffnet werden kann, beispielsweise bei einem Familienausflug.

In Kürze wird das Museum Besuch vom Landschaftsverband bekommen. Mitarbeiter des Freilichtmuseums Kommern im Rheinland wollen dann ins Alte Amtshaus kommen, um die Expertise der Kiersper einzuholen. Ist man doch in Kommern zu einem Nachlass gekommen, der eine Bakelit-Sammlung enthält – und mit diesem Thema hat man dort noch gar keine Erfahrung.

Die Ausstellung im Bakelit-Museum steht derzeit nur kleinen Gruppen offen. Wann sich das wieder ändert, soll Ende August entschieden werden.

Generell ist es so, dass die Museen zwar zu sind, die Mitglieder des Heimatvereins aber genug zu tun haben, die Räume zu erhalten. So treffen sich auch die sogenannten Hammerväter wieder wöchentlich, um den Schleiper Hammer zu erhalten. Sie haben die zurückliegende Zeit genutzt, um noch einmal gründlich aufzuräumen und „auszumisten“. „Eigentlich sollte ja in diesem Frühjahr die defekte Turbine ausgebaut und eine neue eingebaut werden, doch aufgrund der Kontaktbeschränkungen war das nicht möglich, weil die Arbeit in einem recht beengten Umfeld stattgefunden hätte. Das müssen wir zu einem späteren Zeitpunkt nachholen“, erklärt die Vorsitzende des Heimatvereins. Zeit haben die auf jeden Fall dafür, denn selbst wenn in absehbarer Zukunft eine Öffnung wieder denkbar wäre, große Veranstaltungen wird es sicher nicht geben. So wurde nun auch der „Tag des offenen Denkmals“, der traditionell im September stattfindet, abgesagt. Baukloh: „Ob wir den Adventsbasar in diesem Jahr veranstalten, ist noch sehr fraglich.“

In den nächsten Wochen wollen sich die Mitglieder des Heimatvereins auch mit der Frage beschäftigen, wie die drei Kiersper Museen weiterentwickelt werden können. „Dabei wird die Digitalisierung eine große Rolle spielen, nicht zuletzt, weil es dafür derzeit auch Fördermittel des Landes NRW gibt“, so Baukloh.

Fördergeld gab es in den vergangenen Monaten bereits für die Museen, um deren Bestand zu ermöglichen. „Das Geld konnte aber nur beantragt werden, wenn die Einrichtung in ihrer Existenz bedroht war. Das ist bei uns bis heute nicht der Fall gewesen. Aber auch wir müssen an unsere Rücklagen gehen, da auch wir laufende Kosten haben – uns die Einnahmen aus der Vermietung der Räume aber fehlen“, erklärt Baukloh.

Die drei Kiersper Museen

Die erste Erwähnung des Schleiper Hammers stammt aus dem Jahr 1815, wobei der Hammer selbst sicher etliche Jahre älter ist. Später wurden Breitewaren herggestellt wie Spaten, Schaufeln, Hacken oder Rübenheber. Seit 1989 befindet sich der Hammer im Besitz des Heimatvereins, der das Gebäude zu einem Museum ausgebaut hat, das die Tradition der Breitewarenschmiederei im oberen Volmetal in den 1930er Jahren präsentiert. In einer zweiten Abteilung wird die Anfangszeit der Bakelitpressen dargestellt. Diese Fabrikation hat sich ebenfalls seit den 1930er-Jahren im oberen Volmetal entwickelt.

Das Bakelit-Museum Kierspe befindet sich im Alten Amtshaus von Kierspe. Bakelit wurde 1905 von Leo Hendrik Baekeland erfunden und war der erste industrielle Kunststoff. Der Heimatverein eröffnete das Museum 2003, um Produkte aus Bakelit zu zeigen, da es in der Gegend von Kierspe verarbeitet wurde. Das Fritz-Linde-Museum beschäftigt sich mit Leben und Werk zwei Kiersper Schriftsteller. Zum einen mit dem Kiersper Heimatdichter Fritz Linde, zum anderen mit der Schriftstellerin Anny Wienbruch, die rund 80 Kinderbücher schrieb, die eine Gesamtauflage von rund 200 000 Exemplaren hatten.

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