Ungeschminkter Blick auf die kleinen Schwächen

Die „Senior-Ritas“ begeistern mit ihrem „Best of“-Programm in der Gesamtschule.

KIERSPE ▪ Sie wollten nur das Beste geben, es war für sie aber auch nur das beste Publikum gut genug. „Best of“ hieß das Programm, das die „Senior-Ritas“ am Samstagabend vor einem fast bis auf den letzten Platz besetzten PZ der Gesamtschule auf die Bühne brachten.

Sketche aktualisiert

In acht Jahren hatte sich so mancher Programmpunkt der kleinen Kabarett-Gruppe um Bärbel Bernhage als Hit entpuppt und verlangte nach einer Wiederholung. Den besten Sketchen wurde diese nun am Samstagabend gewährt. Nicht alles wurde dabei in der Urfassung gespielt. Hier wurde ein Sketch aktualisiert, dort ein Lied den jetzigen Gegebenheiten angepasst, doch das Grundgerüst war geblieben.

Fast zweieinhalb Stunden Programm spulten die Senior-Ritas ab, immer mit Biss und dem Blick auf die kleinen Schwächen der Menschen.

Karge Bühnendekoration

Karg war die Bühnendekoration. Ganz in Schwarz war der Hintergrund, lediglich vier rote Stellwände gaben etwas Farbe. Doch das reichte vollkommen aus, mehr wäre zuviel gewesen. So wurde der Blick nicht abgelenkt und konzentrierte sich auf das Geschehen.

Das Kleinstadtleben demonstrierten alle Senior-Ritas gleich zu Beginn, bevor Giovanna als Putzfrau, gespielt von Solange Schnippering, im herrlichsten deutsch-italienisch radebrechend von ihren neuen Schuhen schwärmte. „Rot wie ein Ferrari, vorne tiefer gelegt und hinten offen, wie ein Cabrio“, sinnierte sie über ihre neue Liebe. Mit ihren Schuhen wirbelte sie von nun ab über die Bühne, aber auch in den Saal. Dort holte sie sich Luigi. „Er ist ganz gemutlich“, charakterisierte sie ihn und meinte damit wohl, „recht langsam“.

Ungeschminkte Wahrheiten

Bärbel Bernhagen verwehrte sich gegen die Vorwürfe ihrer Freunde, sie sei fernsehsüchtig, seit sie Rentnerin sei. Dabei war dem gar nicht so. Immerhin: Morgens trank sie Kaffee beim Frühstücksfernsehen, mittags lieferte sie sich ein Kochduell mit Sarah Wiener, Johann Lafer und Tim Mälzer. Ab und zu ging sie zum Bergdoktor, hatte auch schon mal einen Gerichtstermin bei Barara Salisch oder sie gönnte sich abends ein Glas Wein beim Winzerkönig. Doch oft hatte sie danach den Kanal aber endgültig voll.

„Wie werde ich am schnellsten alt“, darüber diskutierten Frau Müller-Anus, Frau Dr. Jungmittelalt und die Moderatorin ausgiebig und gaben zu diesem Thema Tipps.

Beim Klassentreffen wurde es dann so richtig bissig. Die Fehler und Eigenartigen der früheren Mitschülerinnen kamen nun ungeschminkt zu Wort. Wollte eine Mitschülerin damals Opernsängerin werden, war sie heute Garderobendame in der Oper. Nur die, von der sie damals am wenigsten erwartet hatten, der gehörte heute das Gasthaus, in dem sie ihr Klassentreffen feierten. Höhepunkt und zugleich Abschluss des amüsanten Abends war der „Kierspe-Rap“, in dem Doro Kurte und Solange Schnippering geistige Meisterleistungen vollbrachten. Thematisch angepasst an das Jahr 2010 rappten sie durch Fettnäpfchen und Schwächen ihrer Heimatstadt und kamen doch zu dem Schluss, dass es „Liebe auf den zehnten Blick“ sei.

Kurzweilig und humorvoll

Kurzweilig, humorvoll und mit einem guten Blick auf die Gesellschaft im Ganzen und die Menschen im Einzelnen war das gezeigte ein Programm, welches vom Publikum in vollen Zügen genossen werden konnte. Den Beifall hatten sich alle mehr als redlich verdient. ▪ msh

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