Aufatmen: Abbindung der Straße ist vom Tisch

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Mehr als 20 Anwohner fanden sich im Umwelt- und Bauausschuss ein, um sich mit ihrem Protest gegen die geplante Abbindung der Straße Vor den Eicken Gehör zu verschaffen. ▪

KIERSPE ▪ Nach Bekanntwerden der Planung, die Straße Vor den Eicken an der Kreuzung nahe der Ortslage Padberg durch Poller von der Kerspetalstraße abzubinden und aus Richtung Dorf nur noch für den Anliegerverkehr freizugeben, reagierten viele Bürger verärgert.

Besonders auch darüber, dass das so „klammheimlich“, wie es hieß, gemacht werden sollte. Aber nach der aktuellen Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses besteht diese Gefahr jetzt nicht mehr, denn die Kommunalpolitiker beschlossen einstimmig, erst einmal eine Bürgerversammlung einzuberufen mit allen beteiligten Behörden wie Polizei, Straßenverkehrsamt des Märkischen Kreises, Wupperverband, Wuppertaler Stadtwerken als Betreiber der Kerspetalsperre und Stadt sowie außerdem Politik und Anwohnern.

Es geht dann darum, für den Bereich eine Lösung zu finden, die alle Belange, die der Anwohner, des Kraftfahrzeugverkehrs, aber auch die des Trinkwasserschutzes sowie der Schulwegsicherung, berücksichtigt. Die Ergebnisse sollen dann zusammengefasst in einen Beschluss des Fachausschusses münden. Festgelegt wurde von dem Gremium jedoch zugleich, dass eine Abbindung der Straße von vornherein nicht zur Diskussion steht und abgelehnt wird. Die Bürger können also erst einmal aufatmen.

Mehr als 20 Anwohner aus dem Gebiet fanden sich spontan zu der Ausschusssitzung im Rathaus ein, in der das Thema auf der Tagesordnung stand. Helga Böhse erklärte eingangs, dass es Familien gibt, die dort schon 100 Jahre wohnen und auch die Verbindungsstraße in Richtung Dorf existiere in der Form bereits sehr lange. Zudem sei es doch ein Witz, dass ein neuer Netto-Markt errichtet und dann die Straße gesperrt werden solle. Angesichts des erforderlichen Umweges könne genauso gleich zum alten Netto am Wildenkuhlen gefahren werden. Ingo Bieker erklärte, dass durch die Abbindung andere ebenfalls enge Straßen in dem Bereich noch stärker belastet würden.

Sämtliche Politiker in dem Gremium zeigten volles Verständnis für die Sorgen und die Unsicherheit der Menschen und wandten sich ebenfalls eindeutig gegen den Vorschlag der Verwaltung. So machte Jürgen Rothstein (FDP) darauf aufmerksam, dass es überhaupt keine Wendemöglichkeit für Lastwagen oder auch die Müllabfuhr gebe. Wenn eine solche noch eingerichtet werden müsse, dann könne aus der vermeintlich preisgünstigsten Lösung schnell eine ziemlich teure werden, konstatierte er.

Dieter Grafe (UWG) erklärte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gefahr in dem Bereich wirklich so schlimm ist“. Wenn dem jetzt stattgegeben werde im Interesse der Wuppertaler Stadtwerke, dann könne die Stadt hinterher vielleicht auch noch andere Straßen sperren, unkte er und brachte zudem noch die Probleme für die Landwirte, die hier Flächen hätten, ins Gespräch. Marie-Luise Linde (CDU) pflichtete bei: „Keiner im Ausschuss will, dass die Straße abgebunden wird“. Sie bemängelte außerdem, dass der Gewässerschutz im Fall der Kerspetalsperre so streng gehandhabt werde wie bei keiner anderen Talsperre.

Erich Mürmann (SPD) forderte, dass bei der Finanzierung der umzusetzenden Maßnahmen die Wuppertaler Stadtwerke unbedingt mit ins Boot geholt werden müssten, denn diese hätten sicher das größte Interesse am Schutz ihres Wassers. Von allen Seiten gab es Kritik an der Beschlussvorlage der Verwaltung: „Die Stadt hätte im Hinblick auf die betroffenen Bürger etwas sensibler vorgehen müssen“, betonte Peter Christian Schröder (Freie Wähler). „Es ist nicht in Ordnung, dass eine solche Planung ohne die Bürger passiert“, befand genauso Hermann Reyher (Grüne).

Eingangs hatte für die Verwaltung Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer die Planung vorgestellt, zunächst allerdings ausdrücklich betont, dass diese keine Idee der Stadt sei, sondern auf einen Gefahrenhinweis des SPD-Politikers Carsten Möller zurückgehe. In der Verkehrskommission und im Gespräch mit den Wuppertaler Stadtwerken sowie dem Wupperverband seien dann verschiedene Möglichkeiten durchgespielt worden, um die Strecke sicherer zu machen. Ziel sei gewesen, einerseits die Verkehrsbelastung zu senken, die Schulwegsicherheit zu erhöhen und den Gewässerschutz zu verbessern. Er nannte dann noch Zahlen, die belegten, wie hoch das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle ist. So seien in vier Tagen 2212 Fahrzeugbewegungen gezählt worden, darunter auch Lastwagen. Und die gemessenen Geschwindigkeiten waren ebenfalls relativ hoch.

Es seien verschiedene Alternativen erwogen worden: Für eine Einbahnstraßenregelung müssten 3000 Euro ausgegeben werden, Fahrbahneinengungen kosteten 12 000 Euro, Leitbaken 2000 Euro, die Ausweisung einer Anliegerstraße würde ebenfalls mit 2000 Euro zu Buche schlagen und das Abbinden durch Poller nur mit 500 Euro. Andere Möglichkeiten wie Leitplanken wurden für die Schulkinder, die dann nicht mehr ausweichen könnten, für zu gefährlich angesehen. Die Anlage eines Gehweges, was wegen des zur Verfügung stehenden Platzes nur in Verbindung mit einer Einbahnstraßenregelung machbar wäre, würde 65 000 Euro kosten. Sogar eine Lichtzeichenanlage war diskutiert worden.

In der Sitzung kam dann noch die Anregung, den Bachlauf zu verlegen, der um die Ortslage herum geführt und dann zugleich auch renaturiert werden könnte. Gegenwärtig fließt er in begradigter Form an den Häusern vorbei. Das Thema Vor den Eicken wird nun in der Bürgerversammlung noch einmal besprochen, dann aber unter Ausschluss der Abbindungsvariante.

Rolf Haase

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