gwk wächst gegen Konjunkturentwicklung

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Die gwk-Chefs Patrick Zeppenfeld und Helmut Gries blicken sehr positiv in die Zukunft. Die Auftragslage des breit aufgestellten Anlagenbauers ist ausgezeichnet. ▪

KIERSPE ▪ Nach dem Tief in den Jahren 2009 und 2010, das praktisch alle Wirtschaftsbereiche betraf, hält die konsolidierende Entwicklung im Haus des Kiersper Anlagenbauers an.

Die Gesellschaft Wärme Kältetechnik (gwk) ist breit aufgestellt und daher weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen einzelner Branchen, wie der geschäftsführende Gesellschafter Patrick Zeppenfeld und Geschäftsführer Helmut Gries, die nun schon seit Jahren erfolgreich die Geschicke des mit Abstand größten Unternehmens im Ort lenken, deutlich machen. Die beiden verweisen auf den positiven Trend und einen sehr guten Auftragsbestand. gwk wächst geradezu mit Siebenmeilenstiefeln, so könnte man beinahe sagen.

Im vergangenen Jahr wurden in China einige Kühlanlagen für international operierende Firmen errichtet. In dem asiatischen Land haben Anlagen made in Kierspe mittlerweile einen ausgezeichneten Ruf. Auch Russland ist für gwk ein zunehmend wichtiger Markt. Renommierte Kunden arbeiten heute in ihren Produktionsprozessen bei der Temperierung und Kühlung mit gwk-Produkten, angefangen bei AEG und Daimler über Hella, Hilti und Kärcher bis Philips, Siemens und VW, um nur einige wenige zu nennen. Überall werden die Kiersper aber zur strengsten Geheimhaltung verpflichtet, der Konkurrenzkampf ist extrem. So konnten zwei Großaufträge im Millionenumfang in Osteuropa und Asien realisiert werden, mehr schon dürfen die Chefs aber nicht verraten.

Dabei ist gwk OEM-Lieferant und passt seine Produkte den Bedürfnissen und natürlich auch farblich der Corporate Identity des jeweiligen Kunden an. Möglich ist das Original Equipment Manufacturing auch durch die hohe Fertigungstiefe im Betrieb, wo die Anlagen vom Einzelteil bis zur Montage der fertigen Anlage und deren Lackierung komplett hergestellt werden.

Im vergangenen Jahr erzielte gwk einen Umsatz von knapp 50 Millionen Euro. Damit konnte der Umsatz von 2010 bis 2012 um 37 Prozent gesteigert werden. Niedergeschlagen hat sich das natürlich ebenfalls im Mitarbeiterbestand, der aktuell bei 386 liegt. Während der vergangenen zwei Jahre kamen mehr als 80 Beschäftigte hinzu. Dabei ist die Leitung des Betriebes in erster Linie auf das Prinzip Nachhaltigkeit angelegt. „Derzeit konzentrieren wir uns am Standort so auf die Vereinfachung und Strukturierung von Prozessen und eine schnellere Auftragsabwicklung“, erklären Zeppenfeld und Gries. Inzwischen wird in bis zu drei Schichten gearbeitet.

Auf der Führungsebene von gwk hat sich einiges verändert: Nicht nur, dass Patrick Zeppenfeld jetzt mit 74 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter ist, gefolgt von seinem Bruder Meiko mit 24 Prozent und sich sein Vater, Firmengründer Reinhard Zeppenfeld, mit nur noch zwei Prozent auch hier weiter zurückgezogen hat, nachdem das beim operativen Geschäft bereits länger so war, nein, es gibt mit Dr. Michael Zaun zudem einen neuen technischen Leiter und mit Christoph Schütt einen neuen Betriebsleiter. Mit den Veränderungen im Gesellschafterbereich ist der Generationswechsel bei gwk jetzt abgeschlossen.

In Deutschland werden von gwk heute 17 zusätzliche Vertriebs- und Servicestellen unterhalten, weltweit kommen nochmals 35 hinzu. Auch in China ist das Unternehmen präsent. Ziel bei der Aufrechterhaltung dieses Netzwerkes ist vor allem die Sicherung einer optimalen und vor allem schnellen Kundenbetreuung. „Wo unsere Großkunden expandieren, werden wir auch aktiv, ob es China, Russland oder Mexiko ist. Wir folgen immer“, informieren Zeppenfeld und Gries.

Chancen durch

neue Technologien

Im vergangenen Jahr beschäftigte sich gwk durch einen führenden Kraftfahrzeughersteller mit der Herstellung von Leichtbauten im Automobilbau aus Kohlefaser- und Glasfasermaterial, wo der Temperierung eine mindestens ebenso große Bedeutung zukommt wie bei anderen Kunststoffen: „Für uns wächst der Markt durch immer neue Verarbeitungstechniken, denkt man nur an WPC, also Wood Plastics Compounds. Diese modernen Holzfüllkunststoffe werden vor allem auf dem Bau bei Dielen und Leisten eingesetzt“, machen die beiden gwk-Geschäftsführer aufmerksam.

Überhaupt hat sich das Anforderungsprofil gewandelt: So beschäftigt sich das Unternehmen auch mit Herstellungsprozessen aus Biofasern, wenn dies zurzeit auch noch eine Nische darstellt. Neuen Innovationen gegenüber zeigt sich der Anlagenbauer stets aufgeschlossen. Im vergangenen Jahr wurde zusammen mit Linde auf der Fakuma so ein Verfahren präsentiert, bei dem recyceltes Kohlendioxid zum Temperieren von Spritzgussmaschinen verwendet wird. Eine Innovation, die viel Aufsehen erregte.

Gelassen sehen die beiden zudem den neuen Entwicklungen bei der Antriebtechnologie im Automobilbau entgegen und erkennen darin für gwk sogar eine Chance. Denn das bedeutet neue Produkte, für die wieder neue Werkzeuge und Prozesse mit speziellen Erfordernissen entwickelt werden müssen. Eine Aufgabe, der sich gwk natürlich gerne stellt. „Zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit und der Qualität der hergestellten Erzeunisse ist die Temperierung als Schlüsseltechnologie unverzichtbar. Materialabhängig werden gleichbleibende oder noch mehr sogar dynamische Temperierungen gebraucht. Die Anforderungen an die Werkstoffe steigen immer mehr“, werfen Zeppenfeld und Gries ein.

Ein weiterer Schwerpunkt von gwk liegt in der energieeffizienten Kühlung. Dieses Segment macht sogar rund die Hälfte des Umsatzvolumens aus. „Bei geschickter Nutzung der Außentemperaturen kann der Stromverbrauch um bis zu 75 Prozent gesenkt werden“, betont Helmut Gries.

Nach wie vor investiert die Firma in die Ausbildung und sichert sich so ihren eigenen Facharbeiternachwuchs: Derzeit werden 24 Lehrlinge in 16 verschiedenen Berufen beschäftigt. Ab August werden es nach Abgängen und Neuzugängen insgesamt 30 sein, wie Patrick Zeppenfeld und Helmut Gries ankündigen. Es werde dann zehn neue Auszubildende geben, drei im kaufmännischen und sieben im gewerblichen Bereich.

Die beiden gwk-Chefs machen angesichts des fortschreitenden Wachstums des Betriebes deutlich, dass es dringlicher denn je erscheint, an der Umsetzung der Erweiterungspläne zu arbeiten. So ist gwk bereits vor einiger Zeit auf die Stadt zugegangen, und hat deutlich gemacht, eine Fläche von 60 000 Quadratmetern zu benötigen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Daran hat sich nichts geändert. „Unsere Anlagen werden immer größer und daher benötigen wir höhere Hallen mit mehr Krankapazitäten“, nennen die beiden die Gründe. Die Möglichkeiten am derzeitigen Standort seien restlos ausgeschöpft. Zwar werden für den schlimmsten Engpass im Bürobreich jetzt vorübergehend Container aufgestellt, doch müsse danach eine Lösung her.

Zeppenfeld und Gries erklären, dass es wichtig wäre, endlich ein Angebot in Händen zu halten, um in die entsprechende Planung einsteigen zu können. „Bislang haben wir von der Kommune aber leider keine konkrete Offerte auf den Tisch bekommen“, sagt Zeppenfeld. Nicht vom Tisch ist alternativ auch ein Wechsel in ein Gewerbegebiet einer anderen Kommune. „Wir werden sicher aber nicht weiter weg gehen als in einen Umkreis von 15 Kilometern, so Zeppenfeld weiter. Er hofft jedoch, dass die Bemühungen der Stadt, eine geeignete Fläche in Kierspe zu finden, erfolgreich sind. Seitens der Bezirksregierung in Arnsberg, darauf hat unlängst Bürgermeister Frank Emde hingewiesen, gibt es inzwischen dafür grundsätzlich grünes Licht.

Erweiterung zwingend

zur Zukunftssicherung

Die Ziele für das laufende Jahr sind formuliert: „Wir streben ein weitgehend gleiches Umsatzvolumen an und sind da ganz optimistisch. So problematisch die Europakrise derzeit auch ist, spielt sie uns als Unternehmen durch den schwächelnden Euro doch sogar zu. Wie ganz Deutschland profitiert gwk davon“, heben Patrick Zeppenfeld und Helmut Gries hervor.

Was die Konjunktur angeht, richte sich die Automobilbranche auf eine Beruhigung ein. Trotzdem werde die Modellpalette immer öfter erneuert, wovon gwk als Anlagenbauer profitiere. Die zwei sehen in der Zukunft für gwk wenig Risikofelder, um die sie sich Sorgen machen müssten. Nicht zuletzt auch wegen ihrer breiten Aufstellung. So laufen die Anlagen in Betrieben der Konsumgüter-, Verpackungs- oder auch Automobilindustrie. Das größte Risiko in Deutschland stellt aus ihrer Sicht die Politik dar, inwieweit diese letztlich dafür sorge, wie wohl sich die Wirtschaft am Standort fühle.

Rolf Haase

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