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Ukraine-Krieg: Kaminöfen gefragt wie nie

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Von: Johannes Becker

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Statt des Kehrbesens hat Björn Knape oft das Messgerät in der Hand, denn die Schadstoffwerte der Heizungsanlagen nehmen einen immer größeren Stellenwert ein.
Statt des Kehrbesens hat Björn Knape oft das Messgerät in der Hand, denn die Schadstoffwerte der Heizungsanlagen nehmen einen immer größeren Stellenwert ein. © Becker, Johannes

 Als Björn Knape vor vier Monaten den Kehrbezirk von Winfried Wurm übernahm, war vom Krieg in der Ukraine noch keine Rede. Damals ging er, wie die meisten seiner Kollegen noch davon aus, dass die Arbeit der Schornsteinfeger durch moderne Brennwert-Anlagen und Wärmepumpen eher weniger wird. Doch nun deutet sich das Gegenteil an, der Kaminofen erlebt eine Renaissance.

Kierspe - „Das Telefon steht gefühlt nicht mehr still. Viele meiner Kunden sind verunsichert und wollen einen Kaminofen einbauen, um sich von Gas und Öl unabhängiger zu machen“, berichtet Knape. Er weist aber auch darauf hin, dass es gerade viele Hindernisse gebe, die der Installation eines solchen Ofens, der mit Holz beheizt wird, entgegenstehen. Dabei geht unter anderem um neue Grenzwerte bei den Schadstoffemissionen und Feinstaubwerte der Öfen. „Die alten Öfen haben meist keine Chance mehr, eine Zulassung zu bekommen. Deshalb sollte sich der Käufer eines gebrauchten Ofens gut anschauen, was er erwirbt. Da sollte man möglichst im Vorfeld den Schornsteinfeger oder Hersteller fragen. Es nützt auch nichts, wenn der Ofen bis zum Verkauf genutzt wurde. Denn einige Öfen haben Bestandsschutz, dürfen aber an einem neuen Ort nicht mehr in Betrieb gehen“, erklärt Knape.

Dazu kämen, so der Schornsteinfegermeister weiter, neue Vorgaben bei der Ausgestaltung des Schornsteins. So müssten diese seit Anfang dieses Jahres über den First hinausragen. Knape: „Das ist sehr kostenintensiv und muss gut überlegt werden.“ Und letztlich gebe es bei Öfen und Zubehör mittlerweile lange Lieferzeiten.

Allerdings kann der Schornsteinfegermeister den ratlosen Kunden kaum eine Empfehlung geben. „Die Nachfrage nach Gas ist gering. Wobei viele gerade erst umgestellt oder bestellt haben. Zur Ölheizung kann man auch nicht raten, da nach jetzigem Stand solche Heizungen zukünftig nur noch in Ausnahmefällen eingebaut und in Betrieb genommen werden dürfen“, sagt Knape. Bis zum Ausbruch des Krieges hätte er immer zu Gasheizungen geraten, da sich Erd-, oder auch Luft-Wasser-Wärmepumpen nur mit großem Aufwand und hohen Kosten im Baubestand einsetzen ließen. „Meist geht das nicht ohne eine Dämmung des Gebäudes und den Austausch der vorhandenen Heizkörper.“ Er sei sicher, dass sich in den kommenden Jahren in diesem Bereich viel tun werde, doch derzeit gebe es nicht so viele Möglichkeiten, sich von fossilen Energieträgern zu verabschieden.

Ob Pelletanlagen eine echte Alternative seien, könne er nicht er nicht beantworten auch im Hinblick auf den sich stark veränderten Wald in Deutschland.

Unter steigenden Preisen und Materialengpässen haben aber nicht nur seine Kunden zu leiden, sondern auch Knape. Als Beispiel nennt er die Edelstahlreinigungsklappen, deren Preis sich innerhalb kürzester Zeit verdoppelt hätte.

All das führt zu der starken Nachfrage seiner Kunden, die Björn Knape derzeit am Telefon und bei persönlichen Gesprächen erlebt. Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass er so viele Kiersper so schnell zumindest telefonisch kennenlernen würde, denn in den vier Monaten, die er jetzt in Kierspe arbeitet, war er noch längst nicht in jedem Haus seines Bezirks, auch wenn er zwischen fünf und 15 Besuche am Tag absolviert.

Kaminöfen sind ein großes Thema bei den Kunden – und damit auch bei Schornsteinfegermeister Björn Knape.
Kaminöfen sind ein großes Thema bei den Kunden – und damit auch bei Schornsteinfegermeister Björn Knape. © Becker, Johannes

„Ich bin glücklich, diesen Schritt gemacht zu haben. Natürlich habe ich überlegt, wie es sein wird, nach 17 Jahren, die ich angestellt gearbeitet habe, nun in einem neuen Bezirk tätig zu sein. Doch bis jetzt wurde ich überall freundlich empfangen. Es gab in den ersten vier Monaten noch keinerlei Probleme, das ist sicher außergewöhnlich“, freut sich Knape über die herzliche Aufnahme, die er in Kierspe erlebt hat.

Man merkt dem Schornsteinfeger an, dass er für seinen Beruf brennt – aber auch alles dafür tun möchte, dass bei seinen Kunden kein Brand oder ein anderes Unglück entsteht. So nutzt er das Gespräch mit der MZ auch, um auf die Gefahr durch Dohlennester in Schornsteinen hinzuweisen (Infokasten). Er bringt das Gespräch aber auch auf das Ofenrohr, das den Kaminofen mit dem Schornstein verbindet. „90 bis 95 Prozent der Kaminbrände entstehen dort. Auch, weil viele nicht wissen, dass dieses Rohr nicht vom Schornsteinfeger gereinigt wird. Dafür ist der Kunde selbst verantwortlich“, so Knape.

Ausbildung

Wie bei anderen Handwerkern auch, fehlen den Schornsteinfegermeistern die Auszubildenden. Deshalb beteiligt sich auch Björn Knape an einer Initiative der Innung, um Nachwuchs zu gewinnen. Interessenten können sich im Netz unter www.schornsteinfegerinnung.de informieren.

Lebensgefahr durch Dohlen

„Dass Dohlen in Schornsteinen ihre Nester bauen, kommt immer wieder vor. Allerdings habe ich das in Kierspe erstaunlich oft erlebt“, sagt Schornsteinfeger-Meister Björn Knape – in den ersten vier Monaten dieses Jahres habe er vier Nester entfernt, zwei davon hätten sich im gleichen Gebäude befunden.

Meist würden diese Nester durch eine Störung oder einen Ausfall der Heizung bemerkt, erklärt er. In einem Fall habe der Hausbesitzer jedoch bereits von einem merkwürdigen Geruch und beschlagenen Brillengläsern in dem Raum berichtet, in dem sich die Heizung befindet. „Da bestand schon Lebensgefahr“, sagt Knabe. Denn durch die Nester würden sich die Abgase stauen und dann im Heizungsraum austreten. Das könne zu einer Kohlenmonoxid-Vergiftung und zum Tod führen. „Dagegen hilft ein CO-Melder. Die Geräte kosten nicht viel und warnen zuverlässig vor dem Gas“, so der Fachmann.

Bislang habe er die Tiere ausschließlich in Schornsteinen entdeckt, an denen eine Gasheizung angeschlossen sei. Die Tiere würden auch die rauen Oberflächen der Schornsteine benötigen, um ihre Nester bauen zu können. „In den Rohren, die bei den modernen Brennwertkesseln in den Schornstein eingebaut werden, besteht keine Gefahr“, sagt Knape.

Er berichtet von einem Fall, in dem die Vögel in der Zeit zwischen Entfernung des Nestes – „das ist dann oft ein ganzer Müllsack voller Äste“ – und dem Termin des Klempners, der den Kamin mit einem Gitter verschließen wollte, begonnen hatten, ein neues Nest zu bauen.

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