Kirche auf Mauern aus dem Mittelalter errichtet

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Die Margarethenkirche ist Mittelpunkt des Dorfes. Ob sie auch im Zentrum der Wahrnehmung der Kiersper liegt, wird sich auch an der Spendenbereitschaft für den Turm ablesen lassen.

KIERSPE - Die Margarethenkirche ist immer noch der Mittelpunkt des Dorfes. Doch wie weit sie auch noch immer im Zentrum der Wahrnehmung der Kiersper steht, wird sich zeigen, wenn es darum geht, die rund 150 000 Euro aufzubringen, die die Sanierung des Turmes kostet.

Von Johannes Becker

Die Kirche sollte und wollte immer mehr sein, als nur religiöses Zentrum. Schon ihre Bauart sollte die Menschen einladen und ein Schmuckstück für Kierspe sein.

Man muss schon bis Breckerfeld fahren, um eine ähnlich ortsbildprägende Kirchturmspitze zu finden, wie die, die seit Jahrhunderten die Margarethenkirche prägt. Dass das kein Zufall ist, weiß in Kierspe wohl kaum jemand besser als Hans Ludwig Knau. Intensiv hat sich der ehemalige Ortsheimatpfleger mit dem Gotteshaus beschäftigt – auch im Rahmen der Werkstatt Geschichte.

„Dr. Friedrich Deisting und Wilhelm Meyer haben in ihrem Kierspe-Buch noch vermutet, dass die erste Kiersper Kirche auf einem Platz stand, auf dem sich zuvor ein germanisches Heiligtum befand, doch dafür gibt es keine historischen Belege“, führt Knau aus. Sicher sei, dass eine Kirche an dieser Stelle zum ersten Mal 1147 erwähnt wurde. „Allerdings weiß niemand, wie dieses Gebäude ausgesehen hat“, so Knau.

Deutlich wird durch die Ausführungen von Knau auch, dass die Geschichte der Kirche untrennbar mit der Geschichte Kierspes verbunden ist.

Durch Schenkung des Erzbischofs Heribert wurde Haus Rhade Besitztum des Benediktinerklosters in Deutz. Und so bezieht sich Kierspe im Bezug auf seine erste amtliche Erwähnung auf die gleiche Urkunde wie Köln. Das Schreiben ist übrigens das älteste im Stadtarchiv in Köln und konnte nach dem Einsturz des Archivs auch gerettet werden.

Die Deutzer Benediktiner waren es dann wohl auch, die die erste Kiersper Kirche erbauten. Fortan durften die Ordensbrüder aus der Nähe von Köln über die Berufung des Pfarrers entscheiden – auch noch, als die Kirche längst evangelisch war.

Der erste Kirchbau wurde im 14. Jahrhundert von einem Neubau abgelöst, auf dessen Mauern das heutige Gebäude fußt.

Deutlich wird dies unter anderem an den Außenwänden mit ihren Strebepfeilern und den Maßwerkfenstern, die noch vom Bau des 14. Jahrhunderts stammen.

„Als die heutige Kirche 1806 bis 1819 gebaut wurde, regierten die Preußen und so musste sich die Kiersper Gemeinde an den König in Berlin wenden, um die Erlaubnis für den Bau zu bekommen. Der König wiederum beauftragte seinen Baumeister Philipp Leonhard Pistor mit der Erstellung des Gotteshauses. Auch wenn die alten Mauern genutzt werden konnten, so musste der Baumeister doch einen neuen Turm und ein neues Dach errichten lassen. Den Turm schmückte er dann mit der Zwiebelhaube, die nun renovierungsbedürftig ist“, erklärt Knau.

Für Ärger habe die Konstruktion aber schon kurz nach dem Bau gesorgt. Als zu groß und protzig für das kleine Dorf Kierspe empfand der Adel den neuen Bau. Und so war es an Pistor, sich für das Gebäude zu rechtfertigen. In einem Brief führt er aus, dass die Kirche, wenn man sich von den Höhen auf sie zubewege, einen einladenden Eindruck mache und das Dorf dadurch attraktiv erscheine. Ob die Kiersper das noch immer so empfinden, wird sich sicher auch in ihrer Spendenbereitschaft ausdrücken.

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