Blaues Kreuz: „Sucht bestimmt das Leben“

Den Vortrag beim Frühjahrstreffen des Kreisverbandes des Blauen Kreuzes hielt Reisesekretär Tjard Jacobs. Er nahm immer wieder Bezug auf persönliches Erleben, das seine Zuhörer gut nachvollziehen konnten. - Fotos: Negel-Täuber

Kierspe - Der Saal im Gemeindehaus der Christuskirche war vollbesetzt, als Tjard Jacobs seine Rede begann. Zur Frühjahrsversammlung des Kreisverbandes Sauerland des Blauen Kreuzes waren Vertreter aus den Ortsvereinen und Begegnungsgruppen gekommen. „Normalerweise richtet der Ortsverein Altena-Evingsen die Treffen aus,“ berichtete Ute Afflerbach, eine der Kiersper Gruppenleiterinnen, „aber diesmal haben wir uns dafür stark gemacht.“

Von Birgitta Negel-Täuber

Redner Tjard Jacobs ist Reisesekretär des Blauen Kreuzes in Norddeutschland. Seine Rede war eigentlich eine evangelikale Predigt und machte den christlichen Hintergrund der Selbsthilfeorganisation deutlich. Mit viel Emphase und ausladenden Gesten nahm Jacobs Passion und Auferstehung als Gleichnis für die persönlichen Nöte und Tragödien, die sich im Leben von Suchtkranken und ihren Angehörigen abspielen. Jacobs ist „von Geburt“ Blaukreuzler, also Mitglied aus christlicher Motivation und hatte in einer Gruppe seine alkoholabhängige Frau kennengelernt. Er nahm deshalb immer wieder Bezug auf persönliches Erleben, das seine Zuhörer gut nachvollziehen konnten. „Leben ohne Alkohol hat keinen Sinn, deshalb trinke ich weiter,“ zitierte er einen Freund.

Der Kreisverband Sauerland organisiert für die elf Ortsvereine Tagungen, Seminare, Feiern und Ausflüge. Er ist auch Träger der Beratungsstelle in Altena, die mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter besetzt ist und hält Kontakt zur Jugendgerichtshilfe und zur Fachklinik Radevormwald. Das Café „Extra-Dry“ in Lüdenscheid wird vom dortigen Ortsverein betrieben. Die Sucht bestimme, auch bei „trockenen“ Alkoholikern, die gesamte Lebensgestaltung, sagte Ute Afflerbach und Arne Machel fügte hinzu: „Wir sind alle Experten, der Austausch hilft den Betroffenen weiter. Das ist das Prinzip sämtlicher Selbsthilfegruppen.“ Die Ortsgruppe Kierspe gehört zu den großen im Kreisverband, bis zu dreißig Teilnehmer kommen zu den Treffen. Das sind Betroffene und Angehörige quer durch alle sozialen Schichten. Die Altersspanne liege zwischen 25 und 75 Jahren, aber die meisten seien „best ager“. Manche Teilnehmer würden nur über einen begrenzten Zeitraum zu den wöchentlichen Treffen kommen, als eine Art Krisenintervention. Andere seien mitunter jahrzehntelang dabei, um nicht das Gefühl für ihre besondere Problematik zu verlieren. Ute Afflerbach hat dabei die Erfahrung gemacht: „Leben ohne Alkohol ist nicht leichter, aber intensiver.“ Die Kiersper Gruppe trifft sich montags ab 19.30 Uhr im Lutherhaus.

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