Gut gepflegte Kraftprotze mit wenigen PS unter der Haube

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Groß war die Zahl nostalgischer Traktoren und Zugmaschinen, die am Wochenende auf der Rönsahler Woeste zu bestaunen waren.

Rönsahl - Der luftgekühlte „Lanz Bulldog D 9506, Baujahr 1950, mit 3400 Kubikzentimetern Hubraum und dem 45 PS starken Herz unter der Motorhaube, der erst dann in Fahrt kommt, nachdem er „vorgeglüht“ wurde, gehörte sicher nicht zu den ältesten, wohl aber zu denen, die - wie die meisten Traktoren aus der langen Reihe der Nutzfahrzeug-Veteranen - ihre ganz eigene und zum Teil recht abenteuerliche Geschichte zu erzählen wissen.

Sein stolzer Besitzer, Treckerfan Stefan Bories aus Langenfeld, schon am Tag vor dem Treckertreffen mit seinem nostalgischen Gefährt angereist, weiß wohl zu schätzen, was er an seinem alten Schätzchen hat. Der alte Traktor, übrigens noch im mausgrauen Originallack, und auch ansonsten - einmal abgesehen von ganz wenigen im Laufe der Jahre notwendigen kleineren Reparaturen - gänzlich unverändert, ist zweifelsfrei einer der besonderen „Hingucker“ auf dem am Samstag und Sonntag stattgefundenen und alle zwei Jahre auf der Rönsahler Woeste angesagten großen Treffen der Treckerfreunde aus nah und fern.

Dicht von schaulustigen Zuschauern umringt ist der alte „Bulldog“ speziell auch am Sonntagnachmittag, als der Kraftprotz nach erfolgreichem Vorglühen und dem danach möglichen Anwerfen des Schwungrads schließlich auf Betriebstemperatur kommt und dann „einsatzbereit“ ist. Doch im Arbeitseinsatz ist der Traktor schon lange nicht mehr. Im Rahmen der nach Ende des 2. Weltkriegs angesagten Reparationsleistungen im Jahr 1950 nach Frankreich geliefert und nach etlichen Jahren als Re-Import zurückgekehrt, genießt der alte Lanz seitdem seinen wohlverdienten Ruhestand. Bei gelegentlichen Ausfahren, wie der nach Rönsahl, kann der Kraftprotz allerdings zeigen, was er immer noch kann: Beispielsweise den Wohnwagen ziehen und die Familie sicher ans Ziel bringen.

Nostalgie pur auf der einen Seite und auch ein Schuss Moderne - Letzteres ins Spiel gebracht und anschaulich demonstriert vom Kiersper Landmaschinenhändler Martin Viebahn als einem der Mitorganisatoren der großen Schau - waren die tragenden Elemente beim traditionellen „Schnauferl-Treff“ auf der Rönsahler Woeste. Gutes Wetter mit Sonnenschein pur, vor allem aber wohl auch ein gewisses Maß an Tradition waren beste Voraussetzungen für das Gelingen des inzwischen bereits zum siebten Male und im Turnus von zwei Jahren am ersten Wochenende im Wonnemonat Mai in dieser Weise organisierten und inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten zweitägigen großen Treffens der Freunde historischer Traktoren und Landmaschinen.

Denn wieder einmal hatten sich die Mitglieder des veranstaltenden Treckerclubs Müllenbach in enger Zusammenarbeit mit dem Eigentümer alle erdenkliche Mühe gegeben, um Viebahns Scheune und das umliegende Terrain für das große Event entsprechend fit zu machen.

Bereits tags zuvor hatte sich angedeutet, dass das große Meeting der Freunde nostalgischer Traktoren, Zugmaschinen und landwirtschaftlichen Arbeitsgeräts, so wie es Mitte des vorigen Jahrhunderts und zum Teil auch noch davor im Einsatz war und die Arbeitswelt in Ackerbau und Forsten begleitet hatte, auch diesmal wieder zum absoluten „Muss“ für viele Treckerfans werden sollte. Schon am Freitag nämlich tuckerten etliche „Schnauferl“ durchs Dorf, weitestgehend natürlich auf der eigenen Achse, wie das zum Ehrenkodex eines echten Treckerfans gehört, um sich einen günstigen Platz auf dem Ausstellungsgelände zu sichern.

Dieser Trend setzte sich dann verstärkt an den beiden folgenden Tagen fort, sodass insgesamt eine große Anzahl nostalgischer Traktoren, Unimogs und diverses landwirtschaftliches Zubehör früherer Tage zu bewundern waren.

Klangvolle Namen bekannter deutscher und internationaler „Treckerschmieden“, festzumachen beispielsweise an dem der langjährigen Marktführer „Klöckner- Humboldt-Deutz AG“ aus Köln, so manchem Kraftprotz mit dem Markenzeichen „Hanomag“ auf der Kühlerhaube, die Fabrikate Eicher, Fahr, Güldner, Kramer oder John Deere und viele andere ließen das Herz der Fans höherschlagen. Viele „Experten“ pilgerten an beiden Tagen zum erklärten „Mekka“ der Treckerfreunde. Dort bot sich ausreichend Gelegenheit zum Fachsimpeln, dies auch beim Rahmenprogramm und beim Bummel durch die kleine Budenstadt rund um Viebahns Scheune.

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