Totschlag-Prozess

Belästigte das Opfer eine Frau?

Kierspe/Köln - Dramatisch und mit Tränen begann am Freitag der zweite Verhandlungstag vor dem Kölner Landgericht gegen den 33-Jährigen aus Kierspe, der einen 24-Jährigen vor einer Gummersbacher Diskothek durch den Schlag mit seinem Gipsarm und einem Tritt vor den Kopf getötet haben soll.

Auf dem Flur des Gerichtsgebäudes lagen sich der Angeklagte und der 25-jährige Bruder des Opfers weinend in den Armen.

Möglich war dies, weil der Kiersper nach der Tat im April 2012 schon im Juni desselben Jahres von der Untersuchungshaft verschont wurde, um an seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu können.

Ein bedrückendes Bild auch im Zuschauersaal: Da sitzen auf der einen Seite die Eltern des Opfers und auf der anderen Seite die Eltern des Angeklagten, alle mit verzweifelten Gesichtern. Und nur weil ein alkoholbedingter Streit über eine Lappalie so tragisch geendet hatte?

Der Bruder des Getöteten, ein Feinmechaniker aus Wiehl, konnte sich bei seiner Aussage an fast gar nichts erinnern. „Wir sind zusammen aus der Disko, ich weiß nicht, ob es die Luft war, auf jeden Fall hat es mich weggeknallt.“ Wie sich später herausstellte, habe er 2,8 Promille Blutalkohol gehabt. Er müsse wohl geschlagen worden sein, schließlich habe er die Wunde im Gesicht gehabt, aber er sei erst an einer ganz anderen Stelle wieder wach geworden. Da sei die Polizei schon vor Ort gewesen und sein Bruder im Krankenwagen.

Die Bombe ließ dann ein damaliger Türsteher der Diskothek platzen. Der 41-Jährige sagte aus, dass er das Opfer kurz vor der Tat verwarnt habe. „Da war eine Frau zu mir gekommen und hatte sich beschwert, dass sie von ihm belästigt worden sei.“ Sofort legte das Gericht dem Zeugen Fotos von der Ehefrau des Angeklagten vor. Der Zeuge konnte sich jedoch nicht sicher erinnern, ob das die belästigte Frau war oder nicht.

Verteidiger Andreas Trode bemängelte, dass dieser Vorfall in den polizeilichen Vernehmungen nicht auftauche, die Verteidigung im Gericht überrascht werde. Der Vorsitzende Richter Dr. Jörg Michael Bern entschied, dass die Beweismittel jetzt eingeführt werden können.

Die ehemalige Chefin der Diskothek sagte aus, dass sowohl der Angeklagte als auch das Opfer nicht übermäßig betrunken gewesen seien, richtig heftige Ausfallerscheinungen habe sie nur bei dem Bruder des Opfers bemerkt. Sie war immer noch fassungslos: „Es war alles ruhig, alle haben sich normal verabschiedet, waren gut drauf und um die Ecke passiert dann so was.“

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