Tollwut-Schild verwirrt Hundebesitzer

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Ein Schild in Haus Rhade weist auf die Gefahr von Tollwut hin. Ob dieses Schild einst vergessen wurde oder ob es sich um einen schlechten Scherz handelt, ist unklar. Klar ist, dass dieses Schild entfernt wird.

Kierspe - Schaum vor dem Mund, ein aggressives Verhalten und den Tod vor Augen – so sahen noch vor einigen Jahren Tiere, vor allem Füchse, aus, die mit Tollwut infiziert waren. Die Zeiten sind längst vorbei. Wirklich?

Im Bereich von Haus Rhade scheint man daran nicht glauben zu wollen. Denn dort wird vor der – auch für den Menschen – immer tödlich verlaufenden Infektionskrankheit gewarnt. „Tollwut! Gefährdeter Bezirk“ ist auf dem roten Schild an einem Baum, der an der Straße steht, die von der B 54 zu Haus Rhade führt, zu lesen. 

Warum wird vor einer Viruserkrankung, die es seit 2008 in Deutschland offiziell nicht mehr gibt, gewarnt? Jobst-Ulrich Trappe, Beamteter Tierarzt im Kreisveterinäramt in Lüdenscheid kann sich darauf keinen Reim machen: „Entweder handelt es sich um ein altes Schild, das vergessen wurde – oder es wurde illegal dort aufgehängt. Wir werden es auf jeden Fall entfernen.“ 

Problematisch an dem Schild ist sicher nicht, dass es vor einer Krankheit warnt, die es – in seiner erschreckenden Form – in Deutschland gar nicht mehr gibt, sondern, dass dieses Schild auch eine rechtliche Bedeutung hat. Der Tierarzt im Dienst des Märkischen Kreises muss selbst einen Moment überlegen, welche. Zu lange ist es her, dass sich mit dem Thema beschäftigt werden musste. „In gefährdeten Bezirken müssen Hunde an der Leine geführt werden, Katzen dürfen nicht freilaufen und grundsätzlich dürfen Tiere aus solchen Bereichen nicht einfach ausgeführt werden“, erzählt er, schränkt aber auch ein, dass sich an solche Vorschriften kaum ein Hundehalter gehalten habe, als es die Krankheit noch gab. 

Matthias Heveling, Vorsitzender des Hegerings Kierspe-Rönsahl, kann sich ebenfalls nicht erklären, wie solch ein Schild heute noch an einem Baum hängen kann. Der Jäger kann sich aber noch gut an die Zeiten erinnern, als die Tollwut noch weit verbreitet war – und er erinnert daran, dass die „Ausrottung“ der Erkrankung letztlich dem Engagement der Jäger zu verdanken sei. „Anfangs hatte man versucht, die Köder mit Flugzeugen abzuwerfen. Doch schnell zeigte sich, dass die Impfstoffe überall landen, aber nicht unbedingt dort, wo sie auch von Füchsen gefunden und gefressen werden“, erzählt Heveling. Schließlich habe man sich der Jäger bedient, um die Köder dort auszulegen, wo sie auch die Tiere erreichen, die für die Ausbreitung der Krankheit verantwortlich sind. Heveling: „Schließlich wussten wir am besten, wo sich die Füchse aufhalten.“ 

Grundsätzlich freut er sich, als jemand, der häufig im Wald unterwegs ist, dass die Krankheit besiegt wurde. Allerdings schränkt er ein, dass die Erkrankung auch für eine starke Reduzierung der Füchse gesorgt habe. Vorteile durch die Schilder will er auch in anderer Hinsicht nicht von der Hand weisen. Natürlich gebe es immer mal wieder Probleme mit wildernden Hunden, vor allem in der Zeit, in der viele Kitze im Wald anzutreffen seien. Grundsätzlich schätzt er dieses Problem aber als nicht zu groß ein. Wesentlich mehr Rehe würden durch den Straßenverkehr getötet. „Problematisch ist vielmehr die Unruhe, die ein freilaufender Hund in den Wald bringt. Gerade dann, wenn die Tiere mit ihrem Nachwuchs Ruhe brauchen“, erzählt der Jäger. Deshalb sei es wichtig, dass die Hundebesitzer ihre Tiere tatsächlich unter Kontrolle hätten und sicher sein könnten, dass diese nicht frei lebenden Tieren nachjagen.

Matthias Heveling, Vorsitzender des Hegerings.

Während man gegen einen freilaufenden Hund machtlos sei, sehe das bei der Verhinderung von Wildunfällen anders aus. Mit großem Aufwand hätten die Jäger in den vergangenen Jahren an den Leitpfosten neben den Straßen blaue Reflektoren angebracht. „Trifft das Licht eines Autoscheinwerfers auf diese Reflektoren, dann wird es als blaues Licht reflektiert und hält die Tiere davon ab, sich in diesem Bereich aufzuhalten“, so Heveling, der aber nach eigener Beobachtung glaubt, dass sich mittlerweile die Tiere an die Reflektoren gewöhnt hätten und sich von diesen nur noch bedingt vom Betreten der Straßen abhalten lassen würden. 

Und auch in einem anderen Bereich des Tierschutzes waren die Jäger in den vergangenen Jahren sehr aktiv. Als 2009 die „klassische“ Schweinepest ihre Hochzeit erlebte, wurden wieder die Jäger eingesetzt, um die Köder zu verteilen. Heveling kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, an denen er mit großen Tüten voller Impfstoff im Kofferraum unterwegs war, um die Köder an die Jäger zu verteilen. „In vier Jahren haben wir im Hegering rund 56 000 Köder ausgelegt, wobei jeder einzelne knapp unter der Oberfläche vergraben wurde, damit andere Tiere diese nicht fraßen. Die Wildschweine haben den Lockstoff aber gerochen, die Köder ausgegraben und gefressen.“ Letztlich haben diese aufwendigen Maßnahmen zur erfolgreichen Bekämpfung geführt. 

Doch, was sich als probates Mittel gegen die Tollwut und die „klassische“ Schweinegrippe erwiesen hat, wird bei der Afrikanischen Schweinegrippe, die sich derzeit schnell verbreitet, nichts bewirken, da es keinen Impfstoff gegen diese Erkrankung gibt.

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