Tödliche Fleischköder: Hundebesitzer haben Angst

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Solche Fleischstücke lagen am Wegesrand. Der Täter hatte es vermutlich auf Hunde abgesehen.

KIERSPE ▪ Hundebesitzer haben Angst um ihre geliebten Vierbeiner. Seit dem Wochenende meiden sie die Wege rund um die Schmiedestraße. Ein bislang Unbekannter hatte dort am Rand eines Wirtschaftsweges Fleischköder ausgelegt – gespickt mit spitzen Nägeln und Injektionsnadeln. Doch nicht nur Hunde waren in Gefahr.

„Das ist wirklich unglaublich“, Dr. Silke Wolff ist geschockt. Die Tierärztin der Kiersper Praxis Klaus hatte bereits von den Ködern gehört. „Damit kann man ein Tier töten“, erklärt sie. Die spitzen Nägel würden zu Verletzungen im Maul, der Speiseröhre und schlimmsten Falls im Magen und Darm sorgen. „Kommt es zu einer Darmperforation, also einem Riss in der Wand des Darms – besteht akute Lebensgefahr“, warnt die Tierärztin. Hundebesitzer, deren Tiere ein Stück Fleisch verschluckt hätten oder sich nicht sicher seien, sollten unbedingt einen Tierarzt aufsuchen.

Gefunden wurden die handgroßen Stücke auf einem Wirtschaftsweg, der zu einem Regenrückhaltebecken führt. Ein beliebter Spazierweg für Hundebesitzer aus dem nahe gelegenen Wohngebiet. Doch in den Wiesen und Wäldern rund um den Weg leben auch etliche Wildtiere, die keinen Besitzer haben, der sie zum Tierarzt bringen kann. „Verschlingt ein Wildtier ein solches Fleischstück und es kommt zu einer Perforation, wird das Tier elendig und langsam sterben“, erklärt die Ärztin. Denn wenn sich der Darminhalt in die Bauchhöhle entleere, seien schwere Entzündungen vorprogrammiert. Hohes Fieber und starke Schmerzen – die früher oder später zum Tod führen – seien die Folge.

„So etwas habe ich noch nicht gehört, ich bin echt schockiert.“ Matthias Heveling, Vorsitzender des Hegerings Kierspe-Rönsahl, ist empört: „Da sind doch nicht nur Hunde in Gefahr. Füchse, Dachse, Wildschweine, Waschbären, Marder, Igel und Greifvögel sind ebenso betroffen – vor allem die Jungtiere sind in Gefahr.“ Denn abgesehen davon, dass Muttertiere an den Folgen der Verletzung sterben können und ihr Nachwuchs alleine nicht überlebensfähig ist, seien gerade ältere Jungtiere in Gefahr. Die seien nämlich gerade dabei, eigene Reviere zu erobern und würden dementsprechend mehr umherstreunen. „Besonders gefährdet sind alle Tiere die eher schlingen, wie beispielsweise ein Fuchs. Katzen sind oftmals eher vorsichtig bei der Nahrungsaufnahme“, ergänzt Wolff.

Die Polizei hat bereits mit den Ermittlungen begonnen, denn der Täter habe sich strafbar gemacht, wie Norbert Pusch, Sprecher der Kreispolizeibehörde erklärte: „Nach Paragraph 13 des Tierschutzgesetzes ist es verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist.“ Bislang seien zwar keine verletzten Tiere gemeldet worden, sollte der Unbekannte aber doch einem Tier Schaden zugefügt haben, könnte der Täter neben einer Geldstrafe auch zu einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verurteilt werden. „Selbst wenn kein Tier zu Schaden kam, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Der Täter muss mit einer Geldstrafe rechnen“, so Pusch weiter.

Bislang geht die Polizei davon aus, das ein „Hunde-Hasser“ am Werk war. Um den Täter zu identifizieren bitten die Beamten um Hilfe. Zeugen, die etwas Verdächtiges beobachtet haben, werden gebeten, sich mit der Meinerzhagener Polizei in Verbindung zu setzen. Sie ist erreichbar unter der Rufnummer (0 23 54) 9 19 90. ▪ lm

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