Tod, Trauer, Trend: Wie sich die Bestattungskultur ändert

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In diesem Jahr hat die Stadt drei Urnenwände mit je 36 Kammern errichten lassen – damit folgt sie einem Trend.

KIERSPE -  Von wegen ewige Ruhe: Die Bestattungskultur ändert sich. Urnen sind gefragt wie nie. Vor allem die Beisetzung in einer Stelenwand wird immer häufiger gewünscht. Geringere Kosten, kein Pflegeaufwand und dennoch eine Gedenkstelle – das sind die Vorteile. Die Stadt folgt diesem Trend und plant den Bau einer weiteren Urnenwand. 2016 sollen dafür 70 000 Euro ausgegeben werden.

Von Matthias Clever

Jeden trifft es – früher oder später. Dennoch denken oder sprechen die wenigsten Menschen gerne über ihn. Der Tod eines Menschen hat aber vor allem für die Angehörigen Konsequenzen. Das klassische Grab wird für 30 Jahre gekauft. Inklusive gilt auf dem städtischen Friedhof die Pflicht, dieses über den gesamten Zeitraum zu pflegen.

„Gerade in der heutigen Zeit, in der viele jüngere Menschen nicht mehr in der Heimatstadt leben, sondern in alle Windesrichtungen verteilt sind, haben Angehörige weniger Zeit und Möglichkeiten, die Gräber zu pflegen“, sagt Klaus Müller, der für Friedhofsangelegenheiten zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Im Sommer alle drei Wochen zum Unkrautzupfen oder alle zwei Tage zum Blumengießen kommen – viele ältere Menschen möchten ihren Nachkommen diesen Klotz der Pflege nicht an die Füße ketten. Daher treffen sie immer häufiger die Entscheidung: Urne statt Sarg.

„Eine gute Alternative zum anonymen Begräbnis ist zum Beispiel eine Urnenwand“, erklärt Müller. Die „Bestattung“ in einem solchen bietet Menschen eine pflegeleichte Alternative zur Erdbestattung. Hier können zum Beispiel Blumen, Kränze und Lichter abgelegt beziehungsweise aufgestellt werden. Die Hinterbliebenen haben also einen Platz zum Trauern und Gedenken.

Die bereits bestehenden Urnenwürfel und die Urnenwand sind seit einiger Zeit auf dem Friedhof voll belegt. Daher hat die Stadt vor einigen Monaten drei Wände mit jeweils 36, also insgesamt 108, Kammern errichtet. In dem 75 000 Euro teuren Bau sind inzwischen 26 Kammern belegt.

Urnenbeisetzung kostet die Hälfte

Neben der nicht nötigen Pflege zählt auch der finanzielle Aspekt. So kostet die Urnenbeisetzung für 20 Jahre (für maximal zwei Urnen) in einer Stelenwand auf dem städtischen Friedhof 800 Euro. Das ist die Hälfte von dem, was die Erdbestattung kostet. 1600 Euro müssen für 30 Jahre gerechnet werden. Dazu kommen noch die Kosten für das Öffnen und Schließen des Grabes. 700 Euro nimmt die Kommune für diesen Dienst. „Die unterschiedlichen Jahreszahlen richten sich nach der Ruhezeit, die eingehalten werden muss.“

Asche der Angehörigen mit nach Hause nehmen

Nach 20 Jahren in der Urnenwand, kann die Asche auf dem Friedhof in einem Gemeinschaftsfeld beigesetzt werden. „Theoretisch können die Angehörigen dann auch die Urnen mit nach Hause nehmen“, sagt Klaus Müller. Die Mindestruhezeit sei dann nämlich vorüber. Ob die Urne ins Regal, auf den Kaminsims oder in den Keller kommt – entscheiden die Hinterbliebenen. „Darauf haben wir keinen Einfluss mehr.“

Das Grab im Garten

Anders sieht dies bei Menschen aus, die sich direkt im Vorfeld dazu entschließen, zu Hause bestattet zu werden. Wenn bestimmte Voraussetzungen eingehalten werden, kann die Kommune eine solche Urnen-Bestattung im heimischen Garten oder auf dem Anwesen genehmigen. Klaus Müller sind in Kierspe zwei Fälle bekannt, bei denen die Stadt genehmigte, eine Grabstätte auf dem eigenen Grundstück zu errichten. „Hier sollte auch bedacht werden, dass der Ort dauerhaft gepflegt werden muss“, verdeutlicht Müller.

Gemeinschaftsfelder für Urnen denkbar

In neun Jahren werden die ersten Urnenkammern auf dem Friedhof frei. „Die können wir dann wieder neu belegen“, sagt Müller. Bis zu diesem Zeitpunkt müssten aber weitere Flächen für Urnenbeisetzungen geschaffen werden. Dadurch wird sich das Erscheinungsbild des gesamten Friedhofs verändern. Gräber werden weniger verkauft, dadurch gibt es mehr Grünflächen und es werden mehr „Hochbauten“ aufgestellt. Eine Alternative zu den Urnenwänden seien auch Gemeinschaftsfelder mit 20 oder 30 Urnen – die mit Tafeln versehen sind, aber nicht gepflegt werden müssen.

„Aber“, sagt Klaus Müller, „die Bestattungskultur ist im Wandel. Vielleicht lockern sich die Gesetze noch weiter und dann gibt es neue Trends.“

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