Taubenrettung durch engagierte Tierschützer

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Lieselotte Koopmann (links), Bärbel Höll und Hans Krömer mit dem Gast aus dem Norden.

Kierspe - Nicht nur Feriengästen aus den Niederlanden oder dem Ruhrgebiet gefällt es gut im Sauerland – augenscheinlich fühlen sich auch Brieftauben dort wohl.

Von Johannes Becker

Es ist schon einige Wochen her, da wurde täglich eine beringte Taube am Rewe in Kierspe gesehen – und von Tierfreunden mit Brotkrumen gefüttert. „Das konnte aber auf Dauer nicht gutgehen, deshalb habe ich Bärbel Höll informiert und wir haben gemeinsam vergeblich versucht, das Tier zu fangen“, erinnert sich Lieselotte Koopmann. Auch als sich Taubenzüchter Hans Krömer in die Fangaktion einschaltete, stellte sich kein Erfolg ein.

Regelmäßig ging Koopmann an dem Markt vorbei, um nach dem Tier zu sehen. „Irgendwann war die Taube in den Markt gelaufen und dort konnte ich sie fangen“, freut sich Koopmann. Anschließend konnte Züchter Krömer das Tier bei Bärbel Höll abholen. Der Taubenfreund setzte den Gast in einen Quarantäneraum neben seiner Garage und päppelte ihn mit Spezialfutter, frischem Wasser und Vitaminen auf. Zwischenzeitlich hatte er den Eigentümer des Vogels in Neustadt an der Ostsee benachrichtigt. „Von dem erfuhr ich, dass die Taube auf einem Weitstreckenflug von Südfrankreich unterwegs war“, so Krömer. Je nach Wind und Wetter sind die Tauben mit 60 bis 100 Kilometern in der Stunde unterwegs und schaffen auch bis zu 1000 Kilometer am Tag. Doch dieser Vogel hatte sich – aus welchem Grund auch immer – für eine Pause in Kierspe entschieden.

Krömer entließ das Tier nach einer Woche der Pflege, damit es seine Reise an die See fortsetzen konnte. Doch statt eines Anrufes vom Eigentümer aus Norddeutschland kam nach zwei Tagen ein Anruf von Lieselotte Koopmann, die Krömer mitteilte, dass die Taube wieder am Rewe gesichtet worden sei.

Noch am gleichen Tag gelang es dem Kiersper Züchter die Taube erneut einzufangen und in seiner Quarantänestation unterzubringen. Nach ein paar Tagen setzte er sie in seinen Schlag zu den anderen Vögeln. Von dort machte sich das Tier nach einigen Tagen auf in den Norden. „Am nächsten Tag rief mich der Züchter an und meldete das Eintreffen der Taube. Auch bei den Tierschützerinnen Höll und Koopmann bedankte sich der Vogelfreund.

Damit hätte die Geschichte eigentlich für die Kiersper Tierfreunde enden sollen – doch die Taube sah das wohl anders. Aufgeschreckt durch einen Greifvogel – die größte Gefahr für die sportlichen Tauben – nahm das Tier erneut Kurs auf Kierspe. „So etwas passiert ausgesprochen selten“, erzählt Krömer, der sich nun wieder um den gefiederten Feriengast kümmert. In wenigen Tagen will er den Vogel erneut fliegen lassen – in der Hoffnung, dass dieser wieder zu seinem Besitzer fliegt. Krömer: „Ich bin mit dem Eigentümer so verblieben, dass sich die Taube nun selbst aussuchen darf, wo sie in Zukunft leben will.“

Ungewöhnlich ist es nicht, dass nicht alle Tauben in ihren Heimatschlag zurückkommen. Starker Wind und Hochspannungsleitungen im Gegenlicht beenden manchen Flug vorzeitig. „Meist sind es aber Greifvögel, die die Tauben schlagen“, erklärt Krömer. Rund zehn Prozent der Tauben überleben die Wettflüge nicht. Entkommen sie Stromleitungen und Fressfeinden, können die Tiere ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen.

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