Kleiner Schock für Familie

Überraschungsgast am Fenster: Plötzlich schaut ein Waschbär ins Wohnzimmer

Waschbär
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Waschbären haben sich auch in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen mehr als 80 Jahren rasant verbreitet. Insgesamt werden rund 17 500 Exemplare dieser invasiven Tierart gezählt. Eine Reihe auch in Kierspe, wo 13 Tiere im Jahr 2019 zu Tode kamen.

Kierspe - In der Dunkelheit funkeln auf einmal zwei Augen eines Tieres auf. Wenige Augenblicke später gibt es gar einen kleinen Schock für die Familie: Im Obergeschoss ihres Hauses in Kierspe taucht ein Waschbär auf.

Offensichtlich hatte die Neugierde das kleine Raubtier in der Nacht zum Sonntag an die Wohnzimmerfenster des Hauses in der Straße Im Baukholt gelockt. Der Waschbär hatte sich vermutlich über einen Baum auf einem Nachbargrundstück und das Dach gewagt, um wohl einen Blick zu riskieren – angelockt vom Licht.

Ursprünglich stammt der Waschbär aus Nordamerika, seit mehr als 80 Jahren hat er sich aber in Deutschland und Europa verbreitet. Zweifellos werden viele den Waschbären als „sehr knuffig“ bezeichnen. Allerdings dürfe man nicht vergessen, welche Gefahr von diesem Tier ausgehen kann. Denn sie können eine Reihe von Infektionskrankheiten und Parasiten auf Haustiere – bekannt ist, dass der Waschbär auch Katzen beißt – und den Menschen übertragen. 

Waschbär in Kierspe: Tiere seit etwa 20 Jahren in der Region

Diese invasive Tierart – man spricht auch von einem Neozoon, also ein Tier, das sich durch menschliche Einflussnahme in einem Gebiet etabliert hat, in dem es zuvor nicht heimisch war – bevorzugt in natürlicher Umgebung Laub- und Mischwälder sowie die Nähe zu Gewässern und Flüssen. Der Waschbär gilt als anpassungsfähig und benötig lediglich genügend Nahrung und Versteckmöglichkeiten. Tagsüber schläft das Tier auf Bäumen oder in Baumhöhlen. 

Ein neugieriger Waschbär schaut durchs Fenster in das Wohnzimmer einer Kiersper Familie.

In Kierspe gibt es seit etwa 20 Jahren Waschbären, weiß Hegeringleiter Matthias Heveling. Das erste Tier ist in der Volmestadt vor 13 Jahren zur Strecke gekommen, wobei die Statistik des Hegeringleiters nicht unterscheidet, ob es durch einen Jäger erlegt, im Straßenverkehr getötet oder anderweitig verstorben (Stichwort: Fallwild) und gefunden worden ist. Im Märkischen Kreis kamen im vergangenen Jahr insgesamt 55 Waschbären zur Strecke. Nach einem Erlass der EU dürfen invasive Tierarten, die negative Auswirkungen auf die heimischen ökologischen Gebiete haben, bejagt werden. 

Waschbär in Kierspe: Rund 17.500 Tiere in NRW

Wobei sich die Jagd durchaus schwierig gestalte, denn der Waschbär sei nachtaktiv. Außerdem würden hierzulande auch die natürlichen Feinde fehlen. „Vielleicht holt sich mal ein Uhu ein Jungtier“, kann sich Matthias Heveling vorstellen. Der Hegeringleiter weiß aber ebenso, dass der Waschbär zum Beispiel den Staupe-Virus (ähnlich der Tollwut) übertragen kann. Je größer ein Bestand ist, umso schneller verbreite sich das Virus. Mit rund 17 500 Tieren ist der Bestand in Nordrhein-Westfalen – besonders in den Feldrevieren von Ostwestfalen-Lippe, wo es viele Bodenbrüter wie Fasane und Enten geben würde – nicht gerade klein.

Und da die Tiere alles fressen, beispielsweise auch Fallobst, gehen sie auch in Maisfelder, klettern die Stengel hoch, um die Maiskolben abzubrechen und sie dann in aller Ruhe am Boden zu fressen. Ohne Fluchtmöglichkeit auf einen Baum und in die Enge getrieben, greifen Waschbären nicht nur Jagdhunde, sondern auch Menschen an.

"Deutsche"Waschbären

Nicht nur fast alle deutschen, sondern auch die mitteleuropäischen Waschbären sollen von nur zwei Paaren abstammen. Sie sollen im April 1934 in Transportkisten zum Edersee gebracht worden sein. Zuerst wollten die vier Tiere die Kisten gar nicht verlassen, trotz einer Lockfütterung mit angebrüteten Eiern und geschossenen Eichhörnchen.

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