Anwohner ärgern sich über Raser

Die tägliche Rallye auf der Thingslindestraße

+
Die Anwohner Christian Beer (links) und Oliver Demuth sind unglücklich über die Geschwindigkeiten, die von manchen Fahrzeuglenkern auf der Thingslindestraße gefahren werden.

Kierspe - „Die Thingslindestraße hat sich zu einer Ersatzhauptstraße entwickelt – und die Leute fahren genauso schnell wie auf einer Bundesstraße.“ Oliver Demuth ist mehr als unzufrieden mit dem Verhalten der Autofahrer auf der Thingslindestraße. Beschwerden bei der Stadtverwaltung brachten bislang keinen Erfolg.

Oliver Demut schildert unschöne Szenen, die er immer wieder an der Straße, an der er seit Jahren lebt, beobachtet. Er berichtet von wild gestikulierenden Autofahrern, wenn er diese beim Ausfahren aus seiner Einfahrt kurz behindert, von schnellen Fahrzeugen, die auf den ebenen Bürgersteig im Begegnungsverkehr ausweichen und von Fahrern, die das Abbremsen und den Schlenker vor der Verkehrsinsel vermeiden wollen und deshalb auf der „falschen“ Seite an dieser vorbeifahren.

Links vorbei an der Verkehrsinsel

Ein paar Meter weiter oben wohnt Christian Beer. Auch er ist unglücklich über die Situation auf der Straße vor seinem Haus: „Seitdem die Hecke an der Einmündung des St.-Hedwigs-Wegs entfernt wurde, ist der Weg so gut einsehbar, dass die Autofahrer jetzt auch richtig Gas geben, wenn sie die Straße hinauffahren.“ Beim Herunterfahren der Wagen gelte Gleiches für den Birkenweg. „Da wird kaum einer langsamer“, ist sich Beer sicher. Seine Sorge gilt vor allem kleinen Kindern und Senioren, aber auch den Haustieren der Anwohner. „Es gibt Stoßzeiten. Immer, wenn Schichtwechsel bevorstehen oder nach dem Arbeitsende, dann beginnt die Rallye“, sagt Beer. Abgesehen von der Geschwindigkeitszunahme nach dem Entfernen der Hecke habe das schnelle Fahren vor allem zugenommen, seitdem die Straße vor einigen Jahren in einen „hervorragenden“ Zustand durch einen Ausbau versetzt worden sei. „Aber der Verkehr hat ja auch generell zugenommen. Das führt dazu, dass auch immer mehr Fahrer nach Ausweichstrecken suchen“, so Beer. Mit seinen Sorgen habe er auch schon beim Ordnungsamt vorgesprochen und sich im Rahmen der Sprechstunde an Bürgermeister Frank Emde gewandt. „Aber von da ist bisher nichts gekommen. Vom Ordnungsamt kam gar die Einschätzung, dass sich die Situation aufgrund der Rechts-vor-links-Situation gar nicht so darstellen könne, wie ich sie schildere“, ärgert sich der Anwohner über die Reaktion der Verwaltung. Man habe auch schon zur Selbsthilfe gegriffen und die eigenen Wagen auf der Straße geparkt. Was aber nicht ganz einfach sei, wenn man nicht den Nachbarn beim Nutzen seiner Einfahrt einschränken wolle.

Mit 75 km/h über die Anwohnerstraße

Die Thingslindestraße ist aufgrund der gefahrenen Geschwindigkeiten immer wieder Thema. Erst im vergangenen Jahr waren Beschwerden von Anwohnern jenseits der Bachstraße Thema im Ausschuss für Umwelt und Bauen geworden. Die Stadt hat damals reagiert – und mit dem Seitenradar die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge auf der Straße ermittelt. Tatsächlich wurden dabei Durchschnittsgeschwindigkeiten deutlich jenseits der erlaubten 30 Kilometer pro Stunde festgestellt. Ein Fahrer hatte es gar auf 75 km/h gebracht. Wer das war, konnte nicht festgestellt werden, da das Gerät nur die Geschwindigkeiten erfasst, aber technisch nicht in der Lage ist, Daten aufzunehmen, die eine Identifizierung des Wagens oder Fahrers erlauben. Das sieht bei der Polizei natürlich ganz anders aus. Zweimal hat die Kreispolizeibehörde im vergangenen Jahr Ergebnisse von Messungen auf der Thingslindestraße veröffentlicht. Dabei war bei einer Messung jedes fünfte Fahrzeug, bei einer anderen Messung jedes neunte Fahrzeug so schnell unterwegs, dass ein Bußgeld beziehungsweise eine Anzeige fällig wurde. Ein Wagen war damals mit 56 Kilometern pro Stunde auf der Straße unterwegs.

Schneller durch den Smiley?

Reagiert hat auch die Stadtverwaltung, indem sie sogenannte Smileys angeschafft hat, die allerdings lediglich erfassen, ob die Fahrzeuge zu schnell oder regelkonform unterwegs sind – auch diese Geräte können keine Daten erfassen, die Fahrzeuge oder Fahrer identifizierbar machen. Von der Wirkung dieser Maßnahmen ist Beer allerdings nicht überzeugt: „Ich glaube, die Leute fahren dann extra schnell, um den Smiley zu einem roten Aufleuchten zu bringen.“

Bitte lächeln

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Kierspe zwei sogenannte Smileys angeschafft. Die Geräte messen die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge. Ist der Wagen langsamer oder zumindest nicht schneller als erlaubt unterwegs, bekommt er ein Lächeln, ist er zu schnell unterwegs, wird er grimmig angeschaut. Die Geräte sind mit Akkus ausgerüstet, damit sie auch dort eingesetzt werden können, wo kein Stromanschluss zur Verfügung steht. Im Winter entleeren sich die Energiespeicher aber so schnell, dass sie innerhalb weniger Tage immer wieder ausgetauscht werden müssten. Deshalb bleiben die Smileys bis zum Frühjahr sicher verstaut im Bauhof. Geplant ist, dass die Geräte immer wieder an unterschiedlichen Straßen zum Einsatz zu kommen, um einen Gewöhnungsprozess zu verhindern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare